Findet das Open Air St.Gallen trotz Coronakrise statt? – Veranstalter sagen: «Die aktuelle, unsichere Situation ist eine grosse Herausforderung für unsere Branche»

Während andere Festivals bereits abgesagt worden sind, laufen die Vorbereitungen für das Open Air St.Gallen weiter. Gemeinsam mit anderen Festivals wollen die Verantwortlichen die Lage in den nächsten Tagen analysieren. Und dann Entscheidungen treffen.  

Katharina Brenner
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Publikum, dicht an dicht, gehört zu Festivals wie die Musik.

Publikum, dicht an dicht, gehört zu Festivals wie die Musik. 

Bild: Urs Bucher

Das Roskilde Festival in Dänemark zählt mit rund 160'000 Besucherinnen und Besuchern zu den grössten Musikfestival Europas. In diesem Juni hätte es zum 50. Mal stattfinden sollen. Nun fällt es aus – das Land verbietet sämtliche grösseren Veranstaltungen bis zum 31. August. Auch das Glastonbury Festival in England, mit 200'000 Besucherinnen und Besuchern noch grösser als Roskilde, fällt aus. Es hätte vom 24. bis zum 28. Juni stattgefunden. Am gleichen Wochenende, an dem auch das Open Air St.Gallen (OASG) stattfinden soll.

«Die aktuelle, unsichere Situation ist eine grosse Herausforderung für unsere Branche»

Nora Fuchs, OASG-Mediensprecherin

Nora Fuchs, OASG-Mediensprecherin

Bild: Fabienne Engbers

Ob und wie die St.Galler Festival-Verantwortlichen auf die Coronapandemie reagieren, ist noch nicht klar. Eine Absage vonseiten der Veranstalter gibt es nicht. Eine definitive Zusage allerdings auch nicht. «Die aktuelle, unsichere Situation ist eine grosse Herausforderung für unsere Branche. Sowohl in operativer, wie in finanzieller Hinsicht und natürlich auch in der Verantwortung gegenüber unseren Besucherinnen und Besuchern», sagt OASG-Mediensprecherin Nora Fuchs. Aktuell gelte der Ausnahmezustand bis zum 19. April.

Das Gespräch mit Fuchs erfolgte kurz vor der Pressekonferenz des Bundesrats über die neuesten Corona-Entwicklungen am Mittwoch. Der Lockdown wurde inzwischen bis 26. April verlängert, danach stellt der Bundesrat eine schrittweise Lockerung in Aussicht. Gesundheitsminister Alain Berset sagte am Mittwochnachmittag aber auch: «Es ist klar, dass wir grosse Ansammlungen von Personen nicht als erstes zulassen werden.»

Reger Austausch mit anderen Festivals

Das Team des Open Air St.Gallen arbeite aus dem Homeoffice an den Festivalvorbereitungen weiter, so Fuchs.

«Wir stehen in intensivem Austausch mit den Behörden, Verbänden, Agenten und Partnern und verfolgen die Entwicklungen sehr genau.»

Besonders gross sei der Austausch mit anderen nationalen wie europäischen Festivals. Gemeinsam mit diesen würden die OASG-Verantwortlichen in den nächsten Tagen die aktuelle Lage analysieren, die weiteren Anweisungen der Behörden abwarten und Entscheidungen treffen. «Diese Zeit benötigen wir, um konkrete Aussagen zum Sommer machen zu können.» So weit so ungewiss.

Rund 70 Festivals haben ein gemeinsames Statement veröffentlicht, darunter auch das Open Air St.Gallen. Sie beteuern, dass sie die gesundheitliche Lage sehr ernst nehmen und zusammenstehen. Und dass sie Verantwortung übernehmen wollen für die Sicherheit der Veranstaltungen und für die Musikbranche. Die Festivals in diesem Sommer durchzuführen, würden einen bedeutenden Beitrag zum Überleben dieser Branche leisten, schreiben die Verantwortlichen.

Zu konkreten Fragen, etwa, was eine Absage finanziell bedeuten würde oder wie es um den Ticketvorverkauf steht, möchte sich Fuchs nicht äussern. Auch nicht zur Frage, ob ein Verbot von Festivals vonseiten des Bundesrats eine Auswirkung auf die Zahlungen der Versicherungen hätten. Was Fuchs sagen kann:

«Acts haben bisher noch keine abgesagt.»

Einreisen aus den USA, Island und England

Klar ist aber: Sollte das Festival stattfinden, wird es von den dannzumal geltenden Reisebestimmungen verschiedener Länder abhängig sein. Gleich mehrere Acts kommen aus Deutschland, darunter Annenmaykantereit und Deichkind, Placebo kommen aus England, Of Monsters and Men aus Island, Twenty One Pilots und The Lumineers aus den USA.

Für das Open Air St.Gallen käme eine Absage zu einem ungünstigen Zeitpunkt. In den vergangenen drei Jahren verzeichnete das Festival einen Besucherrückgang. Anfang dieses Jahres stieg der deutsche Ticket-Gigant CTS Eventim als neuer Mehrheitsaktionär ein, mit Aldi hat das Festival einen neuen Hauptsponsor. Bei Aldi Suisse heisst es auf Anfrage, das Unternehmen sei weiterhin «stolz» darauf, das OASG ab 2020 zu unterstützen. «Sollte das Festival aufgrund der aktuellen Situation abgesagt werden müssen, würden wir dies selbstverständlich sehr bedauern. Natürlich halten wir uns jedoch strikt an die Anweisungen des BAG und akzeptieren diese in jedem Fall zu 100 Prozent.»

Mit den finanziellen Auswirkungen würde sich Aldi Suisse erst im Falle einer definitiven Absage im Detail beschäftigen, so ein Sprecher. Egal, was dieses Jahr passiere, stehe jedoch fest: «Wir engagieren uns stets langfristig und glauben an das Konzept des OASG und werden somit auch zukünftig Sponsor des Festivals bleiben.»

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