Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Finanzen der St.Galler Spitäler verschlechtern sich dramatisch: Marschhalt in Wattwil

Die Spitalregion Fürstenland Toggenburg wird zum Sanierungsfall. Der Spitalumbau in Wattwil wird gestoppt. Auch andere Spitäler im Kanton könnten Sofortmassnahmen zu spüren bekommen.
Regula Weik
In wenigen Tagen startet am Spital Wattwil die zweite Bauetappe. (Bild: Mareycke Frehner, Wattwil, 26.7.2018)

In wenigen Tagen startet am Spital Wattwil die zweite Bauetappe. (Bild: Mareycke Frehner, Wattwil, 26.7.2018)

Sie war in den vergangenen Jahren stets das Sorgenkind: Die Spitalregion Fürstenland Toggenburg rennt seit Jahren den Budgetvorgaben hinterher. Nun hat sich ihre finanzielle Situation drastisch verschlechtert; die Spitalregion schreibt Mitte Jahr einen Verlust von vier Millionen Franken. Aussichten auf Besserung gibt es kaum; bis Ende Jahr dürfte das Minus auf 5,5 Millionen Franken angewachsen sein – und damit massiv über dem budgetierten Defizit von 1,3 Millionen Franken liegen. Daher zieht der Verwaltungsrat der St. Galler Spitalverbunde nun die Notbremse, denn: «ohne drastische Einschnitte» werde das Eigenkapital der Spitalregion Fürstenland Toggenburg ab den Jahren 2020/2021 aufgebraucht sein. Kurz: Die Spitäler in Wattwil und Wil wären dann praktisch bankrott.

Für Wattwil hat die schwierige Situation der Spitalregion unmittelbare Konsequenzen. Ganz überraschend kommt dies nicht. Spitalverwaltungsratspräsident Felix Sennhauser hatte bereits vergangene Woche im Interview mit dieser Zeitung gesagt, das Projekt Wattwil werde überprüft und wo nötig angepasst (Ausgabe vom 22. August). Sennhauser damals: «Der Vollausbau wird kaum so erfolgen, wie er geplant war – weil er nicht mehr nötig ist. Das gilt vor allem für den Operationsbereich.» Seit gestern ist klar, was dies konkret für das Spital Wattwil bedeutet: Die zweite Bauetappe wird zwar wie geplant gestartet – die Bagger fahren in zehn Tagen auf – aber sie wird abgespeckt umgesetzt. So wird nur ein Operationssaal gebaut und nicht wie ursprünglich geplant deren zwei.

Danach ist vorerst Schluss mit Bauen in Wattwil. Die beiden weiteren Etappen werden auf Eis gelegt. Ob sie jemals realisiert werden, ist offen. Abschliessend entschieden ist nichts. Der Spitalverwaltungsrat ist sich der Brisanz einer Baustopp-Ankündigung bewusst. Er spricht denn auch von einer «Denkpause für die weiteren Bauarbeiten». Erst wenn die künftige Spitalstrategie feststehe, werde die Situation in Wattwil definitiv neu beurteilt. «Wir wollen kein Geld ausgeben und keine unnötigen Investitionen tätigen, die der künftigen Spitalstrategie nicht entsprechen», erklärt Bruno Urban Glaus, Vizepräsident des Spitalverwaltungsrats, auf Anfrage. Bislang sind in Wattwil 53 Millionen Franken verbaut worden; das Volk hatte 2014 insgesamt 85 Millionen bewilligt.

Sanierungsprojekt für Wattwil lanciert

Die aktuellen Zahlen zwängen in der Spitalregion Fürstenland Toggenburg zu einem «beschleunigten Verfahren», so Glaus. Daher wird nun bis März 2019 ein Sanierungsprojekt erarbeitet. «Wir greifen den politischen Entscheiden nicht vor», sagt Glaus. Für Frühling 2019 hat auch der Lenkungsausschuss erste Zwischenergebnisse zur künftigen St. Galler Spitalstrategie versprochen. Dannzumal könnten auch andere Spitäler «Sofortmassnahmen» zu spüren bekommen. So hat Verwaltungsratspräsident Sennhauser klar gemacht: Die geplanten Arbeiten in Altstätten werden zum jetzigen Zeitpunkt kaum starten. «Das ergibt keinen Sinn.»

Die Frage, ob die Spitalregion Fürstenland Toggenburg schlechter arbeite als die andern drei im Kanton, verneint Glaus. Die Region leide unter «einer schwierigen Ausgangslage». Sie betreibe 135 Betten an zwei Standorten. Und sie habe als erste gebaut und müsse nun den Bau mitfinanzieren.

Kantonsspital übertrifft Prognosen

Ganz anders zeigt sich die finanzielle Situation des Kantonsspitals St. Gallen. Es steht Mitte Jahr weit besser da als budgetiert (siehe Tabelle). Der Hauptgrund: Der durchschnittliche Schweregrad der behandelten Krankheiten hat deutlich zugenommen; dank höherer Tarife schlägt dies direkt auf die Buchhaltung durch. Das erfreuliche Zwischenergebnis des Kantonsspitals verschaffe «etwas Luft», sagt Glaus. Sich deswegen in Sicherheit zu wiegen, sei aber gefährlich: «Die Schwere der Fälle ist nicht beeinflussbar. In einem halben Jahr kann die Situation wieder eine ganz andere sein.»

Zum guten Ergebnis beigetragen hat auch, dass die erwarteten zusätzlichen Beiträge an die Pensionskasse der Angestellten wegen des momentan guten Deckungsgrades nicht anfallen. Auch dies kann sich rasch ändern. Der Vizepräsident des Spitalverwaltungsrats sagt denn auch: «Die strategischen Herausforderungen bleiben. Sie sind mit dem guten Zwischenergebnis des Kantonsspitals nicht weggewischt.»

Der Spitalverwaltungsrat spricht von einer «durchzogenen» Halbjahresbilanz. Insgesamt schliessen die vier Spitalverbunde das erste Halbjahr mit einem Gewinn von 1,6 Millionen Franken ab.

Spitaldebatte löst Flut von Vorstössen aus

Die Ankündigung des Spitalverwaltungsrats, künftig nur noch an vier Standorten im Kanton stationäre Leistungen anbieten zu wollen, hatte im Frühsommer eine wahre Flut parlamentarischer Vorstösse ausgelöst. Die Regierung hat sie gestern allesamt beantwortet. Forderungen, die Spitalplanung ostschweizweit anzugehen, haben durch die aktuellen Probleme Rückenwind erhalten. In St. Gallen und Appenzell Ausserrhoden haben FDP und SVP die Idee erneut aufs Tapet gebracht (siehe Zweittext). In Innerrhoden weibelt die SP dafür; sie hat im Frühling eine Initiative «Versorgungsregion Säntis» eingereicht.

Offen für Gesundheitsregion Säntis

Ob nun «Spitalregion Ostschweiz» oder «Gesundheitsregion Säntis» – der Wunsch nach interkantonaler Planung und Zusammenarbeit im Gesundheitswesen wird immer lauter formuliert. In der Beantwortung einer Interpellation von FDP und SVP hat die Regierung nun aufgelistet, was diesbezüglich bereits gelaufen ist.
Im Jahr 2007 scheiterte demnach der Zusammenschluss der Spitäler Linth und Männedorf am Widerstand der Gesundheitsdirektion Zürich. Zwischen den Spitälern Linth und Wetzikon gibt es hingegen heute eine Zusammenarbeit in den Bereichen Rettungsdienst und Strahlentherapie. Gescheitert sind auch der Einbezug des Liechtensteiner Landesspitals in den Spitalverbund Rheintal Werdenberg Sarganserland und die Führung des Landesspitals als gemeinsames Spital des Fürstentums und des Kantons St. Gallen. Die Liechtensteiner Regierung befürchtete 2013 eine zu geringe Mitbestimmungskraft. Im Jahr darauf beschloss man im Fürstentum die Abwendung von Grabs und die Anlehnung an das Kantonsspital Chur. An der Tatsache, dass sich zahlreiche Liechtensteiner in Grabs behandeln lassen, hat das nichts geändert.

Treten an Ort im Verhältnis zu beiden Appenzell

Auf Ebene der Spitalunternehmen fanden in den vergangenen Jahren mehrfach Gespräche über eine vertiefte Zusammenarbeit mit Inner- und Ausserrhoden statt. In Innerrhoden hat sich die Landsgemeinde für einen Spitalneubau und damit für den Alleingang entschieden. Eine Zusammenarbeit gibt es lediglich in den Bereichen Chirurgie und Gastroenterologie. Ergebnislos verliefen die Kontakte mit Ausserrhoden, wo nach wie vor offen ist, ob mit Heiden und Herisau zwei Akutspitäler weitergeführt werden.
Kooperationen und der Gründung einer Gesundheitsregion Säntis steht die St. Galler Regierung nach eigenen Angaben offen gegenüber. Sie bezweifelt aber, dass die Bereitschaft dazu in allen Kantonen vorhanden ist. Die Erfahrung zeige, dass die Motivation für eine interkantonale Spitalplanung abnehme, «sobald konkrete Massnahmen mit Auswirkungen auf die Spitalangebote in den Kantonen vorgeschlagen werden».

Silvan Lüchinger

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.