FINANZEN: «Bündelung ist eine gute Idee»

Der St. Galler Finanzchef Benedikt Würth schlägt eine Ostschweizer Agenda für Bildung und Forschung vor – zur Stärkung der Ressourcen. Das kommt im Thurgau gut an.

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Die Ostschweizer Wirtschaft wächst stark – dennoch hat die Region ein Ressourcenproblem: Dies zeigt eine Studie, welche die Hochschule Luzern im Auftrag der Ostschweizer Regierungskonferenz (ORK) ausgearbeitet hat (Ausgabe von gestern). Der finanzielle Druck in den Ostschweizer Kantonen wird langfristig aufgrund der Demografie deutlich zunehmen. Zur Stärkung der Ressourcen verlangt der ORK-Präsident und St. Galler Finanzchef Benedikt Würth eine gemeinsame Ostschweizer Agenda. Das sei «dringend nötig, insbesondere im Bereich Bildung und Forschung».

Wie kommt diese Forderung in den Nachbarkantonen an? «Ich empfinde die Aussagen des St. Galler Finanzdirektors als Meinungsäusserung, nicht als Forderung», sagt der Thurgauer Finanzchef Jakob Stark zunächst. Er könne sich auch nicht vorstellen, dass gemeinsame Pläne mit Nachbarkantonen medial als Forderungen ankündigt würden. «Das wäre weder freundschaftlich noch zielführend.» Inhaltlich aber stimmt er Würth zu: «Meines Erachtens sind alle Ostschweizer Kantone gefordert, im Bereich der Haltung und Schaffung von attraktiven Arbeitsplätzen Gas zu geben und den Brain Drain zu verringern.»

Aktivitäten, um die Abwanderung von Fachkräften zu verhindern, gebe es in allen Kantonen, so Stark. «Eine Bündelung, Koordinierung und allenfalls auch Intensivierung in einer gemeinsamen Ostschweizer Agenda ist eine gute Idee. Diese gilt es in der Ostschweizer Regierungskonferenz zu vertiefen.» Stark warnt aber vor Schnellschüssen: «Wichtig ist es, sorgfältig und gemeinsam zu planen. Nachhaltiges Wirken ist gefragt, hektischer Aktivismus bringt nichts.»

Der Ausserrhoder Finanzchef Köbi Frei reagiert zurückhaltend: Über die Bewältigung dieser «allenfalls gemeinsamen Herausforderungen» seien keine konkreten Gespräche auf Regierungsebene geführt worden. Daniel Fässler, Regierender Landammann von Appenzell Innerrhoden, will Würths Forderung nicht kommentieren. Die Studie liege ihm noch nicht vor. Grundsätzlich gebe es aber bereits heute eine enge Zusammenarbeit in der Ostschweiz – dort, wo sie im Interesse der beteiligten Kantone sei. Das betreffe in seinem Volkswirtschaftsdepartement etwa den öffentlichen Verkehr und die Wirtschaftsförderung. (av)