Finanzchefin über Ostschweizer Wirtschaft: «Die Branche ist auf Megatrends vorbereitet»

Die Ostschweizer Wirtschaft läuft insgesamt rund. Am Konjunkturforum «Zukunft Ostschweiz» in St.Gallen zeigte sich Regina Butenberg, die Finanzchefin der Montlinger Firma CHT, optimistisch.

Stefan Borkert
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Die Weltpolitik beeinflusse die Ostschweizer Wirtschaft besonders, sagt Regina Butenberg. (Bild: Pd)

Die Weltpolitik beeinflusse die Ostschweizer Wirtschaft besonders, sagt Regina Butenberg. (Bild: Pd)

Regina Butenberg, warum hat der Arbeitsort Montlingen Zukunft in der Ostschweiz?

Die CHT Switzerland AG wurde 1971 am Standort in Montlingen gegründet und hat sich seitdem zu einem Unternehmen mit einem jährlichen Umsatz von mehr als 100 Millionen Franken und rund 200 Mitarbeitenden entwickelt. Den Wachstumstrend verfolgen wir im Rahmen unserer CHT-Gruppen-Strategie konsequent weiter, und daraus ergibt sich für uns die Zukunft des Standortes Montlingen.

Nun, die Textilbranche in der Ostschweiz hat ihre Blütezeit hinter sich, oder täuscht das?

Die Textilindustrie in der Ostschweiz hat eine lange Tradition. Dieser Sektor muss sich seit langer Zeit mit strukturellen Veränderungen auseinandersetzen. Viele Betriebe mussten schliessen, da sie aufgrund der Lohn- und Produktionskosten nicht mehr wettbewerbsfähig waren.

Wie wirkt sich die Globalisierung bei der CHT aus?

Damit hat sich die Textilbranche über die Zeit verändert und entwickelt sich ständig weiter. Mit der Globalisierung haben sich die Märkte geografisch verschoben. Dieses ist keine neue Entwicklung. Wir bedienen in der Schweiz nach wie vor wichtige Kunden, darüber hinaus exportiert die CHT Switzerland AG vom Standort Montlingen aus in mehr als 90 weitere Länder.

Ist die Entwicklung von High-Tech-Materialien ein Weg in eine wieder aufblühende Textilindustrie?

Die Vielfalt der Textilien ist nahezu unbegrenzt. Verschiedenste technische Anforderungen sind zu erfüllen. Hieraus ergeben sich immer wieder neue Trends und Geschäftschancen, auch in der Region. Schon heute werden High-Tech-Materialien in vielen anderen Bereichen eingesetzt. Man entwickelt Ideen für Flugzeuge, Autos, Tunnel und Gebäude. Sie sehen, technische Textilien kommen in vielen stark wachsenden Industrien zum Einsatz und optimieren dort die jeweiligen Produkteigenschaften.

Welche Hürden muss man bei den High-Tech-Materialien nehmen?

Produktionsprozesse der Textilbranche sind sehr komplex, und es sind hochqualifizierte Experten notwendig, um die Marktchancen entsprechend nutzen zu können. Gut ausgebildete und qualifizierte Mitarbeitende sind für die Textilindustrie und den Standort Montlingen daher enorm wichtig.

Der Hauptsitz von CHT liegt in Tübingen. Baden-Württemberg ist auch bekannt für seine Innovationskraft. Die Textilindustrie hat auch dort einen Strukturwandel mitgemacht. Warum ist der Standort im Rheintal also nicht in Gefahr?

Die CHT-Gruppe hat ihren Hauptsitz in Tübingen und wird von dort aus geführt. Das Spezialchemie-Unternehmen beschäftigt weltweit rund 2200 Mitarbeitende. International hat die CHT-Gruppe 30 Gesellschaften in unterschiedlichen Ländern. Innerhalb der CHT-Gruppe sind verschiedene Kompetenzen der Spezialchemie an unterschiedlichen Standorten gebündelt.

Und der Vorteil von Montlingen ist?

Der Erfolg dieser Strategie zeigt sich im kontinuierlichen Wachstum der CHT-Gruppe auch am Standort in Montlingen. Die CHT Switzerland AG ist aus Montlingen heraus verantwortlich für das weltweite Farbstoffgeschäft der gesamten CHT-Gruppe.

Sie haben also eine konkrete Vision für den Arbeitsort?

Die CHT Switzerland AG ist ein Unternehmen mit langjähriger Tradition im Rheintal. Im Jahr 2021 werden wir unser 50-jähriges Firmenjubiläum am Standort in Montlingen haben. Die Vielfalt der Region zusammen mit der internationalen Ausprägung unseres Unternehmens, eingebettet in die Wirtschaftskraft der CHT-Gruppe und die daraus resultierenden beruflichen Chancen und Weiterentwicklungsmöglichkeiten machen den Arbeitsort attraktiv. Ich selbst bin im November 2016 aus Deutschland zugezogen und fühle mich persönlich in der Region sehr wohl.

Sie haben Fachkräfte angesprochen, wie begegnen Sie dem Mangel daran?

Gemeinsam mit den regionalen Berufs- und Fachverbänden sowie den Universitäten, Schulen und Weiterbildungsinstituten müssen wir Antworten für den sich abzeichnenden Fachkräftemangel finden. Dieses ist für uns eine der Hauptaufgaben für die Zukunftssicherung des Arbeitsortes.

Neben der Zukunftsagenda ist ja auch die Konjunktur ein Thema. Sind solche Prognosen für Sie als Finanzchefin eher eine Kaffeesatzleserei?

Das Wirtschaftsumfeld reagiert schnell und volatil auf verschiedenste Veränderungen. Dieses gilt regional und international. Die Weltpolitik spielt hier auch eine besondere Rolle. Aktive Verfolgung und Auswertung aller verfügbaren Informationen und Prognosen sind notwendig, um den vielfältigen und ständigen Herausforderungen der Märkte begegnen zu können.

Wie kann die Ostschweiz sogenannte Megatrends für ihre positive Entwicklung nutzen?

Wie bereits angemerkt, kann die Region Ostschweiz sich meiner Ansicht nach am besten auf die Veränderungen und Megatrends einstellen, indem Bildungschancen in Zusammenarbeit mit allen Bildungsinstituten, Verbänden und Unternehmen intensiviert werden. Eine Auswahl aus den derzeit diskutierten Megatrends ist zum Beispiel die Nachhaltigkeit, die technische Automatisierung sowie die Digitalisierung und die Wissensexpansion.

Warum verpasst die Ostschweiz die Megatrends nicht?

Ich bin überzeugt davon, dass, basierend auf dem Unternehmergeist der Region Ostschweiz, die einzelnen Unternehmen bezogen auf diese Themen ihre individuellen positiven Antworten finden werden, wann und wie sie Komponenten der unaufhaltbaren Veränderungen in ihren Betrieb integrieren werden.

Wie reagiert die CHT auf Megatrends?

Die CHT-Gruppe hat beispielsweise die Nachhaltigkeit seit vielen Jahren als Fundament in ihrer Unternehmenskultur verankert. Wir verstehen nachhaltiges Wirtschaften und Handeln als Chance für eine langfristige erfolgreiche Zukunftsstrategie, die wirtschaftlichen Erfolg mit gesellschaftlicher und sozialer Verantwortung und dem Schutz der Umwelt verbindet.

Spüren Sie als international ausgerichtetes Unternehmen auch die Auswirkungen der Handelsstreitigkeiten?

Die Auswirkungen der Handelsstreitigkeiten sind auf den internationalen Märkten zu spüren. Da die CHT-Gruppe geografisch in vielen Ländern aktiv ist, gleichen sich die Auswirkungen zum Teil aus und sind gesamt gesehen derzeit nicht wesentlich.

Textilfarben aus dem St. Galler Rheintal

Regina Butenberg ist Finanzchefin der CHT Switzerland AG in Montlingen. Das Unternehmen wurde 1971 gegründet und ist innerhalb der CHT-Gruppe das Kompetenzzentrum für Farbstoffe. In Montlingen beschäftigt man sich mit der Entwicklung, Produktion und dem Vertrieb von Textilfarben. Zum Produktportfolio gehören neben den Farbstoffen auch der Vertrieb von Spezialchemikalien der Geschäftsbereiche Textil, Textilpflege, Bauwesen und Montage sowie Industrie. Mehr als 200 Mitarbeiter sind am Standort tätig. Der Hauptsitz der Gruppe ist in Tübingen. Weltweit sind bei 30 Tochtergesellschaften 2200 Mitarbeiter beschäftigt, die einen Umsatz von 460 Millionen Euro erwirtschaften. (bor)