Filz im Regierungsprogramm?

AUSSERRHODEN. Dölf Biasotto und Bruno Bottlang nehmen Mandate innerhalb des Regierungsprogramms wahr. Die Vermutung, dass sie deswegen zu Aufträgen für ihre privaten Firmen kommen, sei falsch. Von Filz könne keine Rede sein.

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Ein Vorprojekt im Zentrum von Grub löst Fragen zur Projektleitung des Regierungsprogramms aus. (Bild: geoPORTAL)

Ein Vorprojekt im Zentrum von Grub löst Fragen zur Projektleitung des Regierungsprogramms aus. (Bild: geoPORTAL)

Spielen sich Projektleitungsmitglieder des Regierungsprogramms (siehe Kasten) gegenseitig Aufträge zu? Die alleinige Tatsache, dass aus dem Regierungsprogramm mit 20 000 Franken ein Beitrag an die Planungskosten an ein Überbauungsprojekt in Grub gesprochen wurden, wirft noch keine Fragen auf. Ebenso wenig, dass der St. Galler Architekt Bruno Bottlang als Planer des Projekts auftritt. Erstaunlich erscheint aber, dass selbiger Bruno Bottlang gleichzeitig Projektleiter Arealentwicklung des Ausserrhoder Regierungsprogramms ist.

Grubs Gemeindepräsidentin Erika Streuli stellte unlängst an der öffentlichen Gemeindeversammlung ein Vorprojekt für zwei Neubauten im Zentrum von Grub vor (die Appenzeller Zeitung berichtete am 9 November).

Zusammenarbeit vor Mandat

Sachlich klärt Grubs Gemeindepräsidentin Erika Streuli auf Anfrage der Appenzeller Zeitung auf: «Schon vor Bruno Bottlangs Mandat im Regierungsprogramm begann im Jahr 2009 im Rahmen der Teilrevision der Ortsplanung die Zusammenarbeit zwischen der Gemeinde und dem Architekten.» Damals sprachen sich die Gemeindevertreter für eine Offerte für eine Machbarkeitsstudie des Ateliers Bottlang aus. «Wir kannten Bruno Bottlang zuvor zwar nicht, fühlten uns bei ihm aber gut aufgehoben und verstanden», so Erika Streuli.

Zusammen mit der Besitzerin der Altliegenschaft im Dorf gründete die Gemeinde Grub als Minderheitsbeteiligte an der alten Post eine einfache Gesellschaft. «Wir setzten uns zum Ziel, im Zentrum baldmöglichst eine Zentrumsüberbauung zu realisieren», so Streuli. Nach Abwägung aller Vor- und Nachteile verzichtete die einfache Gesellschaft auf einen Architekturwettbewerb und beauftragte den Architekten Bruno Bottlang im Juni 2011 mit einem Vorprojekt – noch vor der Ausschreibung des Mandats Arealentwicklung. «Die im August 2012 erfolgte Beauftragung für die Phase Bauprojekt erfolgte in Kenntnis über das Mandat von Bruno Bottlang», so Erika Streuli. «Auf unsere Auftragserteilung hatte dies aber keinen Einfluss.»

Transparenz statt Filz

Dölf Biasotto, ebenfalls Projektleiter (Bauen & Wohnen) im Regierungsprogramm 2012–2015, ist sich der Problematik bewusst. Er betont, dass Bruno Bottlang und er selber nun mal schon seit Jahren in dieser Branche beruflich tätig seien. Es lasse sich daher nicht vermeiden, dass er gewisse Anfragen für Bauherrenberatung und Projektmanagement an ihn gelangten. Genau deshalb lege die gesamte Projektleitung Wert auf Transparenz. Ein aktuelles Beispiel: An der öffentlichen Gemeindeversammlung in Rehetobel moderierte Dölf Biasotto im Auftrag der Gemeinde die Diskussion zur umstrittenen Umzonung am «Kronenbüel». Zu Beginn der Debatte stellte Biasotto in aller Deutlichkeit seine neutrale Position dar und machte darauf aufmerksam, dass er hier nicht als Projektleiter Bauen & Wohnen, sondern als Moderator amtiere.

Erfahrungen weitergeben

Andererseits, so Dölf Biasotto, betrachte er es aber auch als seine Aufgabe als Projektleiter, Fragen von potenziellen Bauherren hilfreich zu beantworten. Will heissen: «Meine Erfahrungen, die ich mit Fachplanern oder Bauunternehmern gemacht habe, gebe ich bekannt; positive wie negative.» Damit will er den Bauherrschaften, seien es Gemeinden oder Private, möglichst gute Voraussetzungen schaffen. Denn: «In der Baubranche tummeln sich verlässliche und andere Marktteilnehmer.» Im Sinne der absoluten Transparenz empfiehlt Dölf Biasotto insbesondere den öffentlichen Bauherrschaften (z. B. Gemeinden) bei Bauvorhaben etappierte Verträge mit Anbietern (Studie, Vorprojekt, Bauprojekt etc.) abzuschliessen. «Dadurch ist ein Wechsel des Architekturbüros oder ein Ausstieg aus einem Projekt jederzeit möglich.»

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