FEUERWEHR: Feuer löschen ist auch Frauensache

In der Schweiz und im Fürstentum Liechtenstein leisten 88300 Personen Dienst bei der Feuerwehr. Frauen sind dabei längst in allen Chargen tätig, und ihre Anzahl wächst von Jahr zu Jahr. So auch in unserer Region.

Richard Clavadetscher
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Spalier von Angehörigen der Feuerwehr bei der Trauung von Eva Gil und Samuel Lutz. (Bild: Ralph Ribi)

Spalier von Angehörigen der Feuerwehr bei der Trauung von Eva Gil und Samuel Lutz. (Bild: Ralph Ribi)

Richard Clavadetscher

richard.clavadetscher@tagblatt.ch

Diese Woche haben sich Eva Gil und Samuel Lutz auf dem Standesamt der Stadt St. Gallen das Ja-Wort gegeben. Dies nun ist nichts Besonderes. Tun andere auch. Besonders aber ist: Beide sind Angehörige der Milizfeuerwehr der Stadt St. Gallen und haben sich auch dort kennen gelernt – was wiederum auf einen Trend hinweist: Feuerwehrdienst ist nicht mehr reine Männer­sache. Frauen sind längst dabei, und sie holen zahlenmässig auf.

Von den knapp 200 Angehörigen der Milizfeuerwehr in der Stadt St. Gallen sind heute rund zehn Prozent weiblich. Die kantonalen Zahlen sind ähnlich: Der Frauenanteil beträgt acht Prozent (360 von 4522 Feuerwehrleuten). Der Kanton St. Gallen ist damit auch gesamtschweizerisch «bei den Leuten»: Von den knapp 88300 Angehörigen der Feuerwehr in der Schweiz und im Fürstentum Liechtenstein sind rund 8000 Frauen (neun Prozent) – 430 mehr als im Jahr zuvor.

Wer nun meint, Frauen seien in der Feuerwehr lediglich«hinter der Front» tätig, der irrt. Zwar ist die frischverheiratete Eva Gil Mitglied eines Sanitätszugs, aber ganz allgemein tun Frauen in allen Chargen Dienst.

Nach wie vor sind es jedoch oftmals Zufälle, die Frauen in die Feuerwehr führen. So war es auch bei der heute 47-jährigen Alice Gimmi, einer Lehrerin. Sie ist seit 1995 in der Milizfeuerwehr der Stadt St. Gallen, amtet heute als Instruktorin und führt einen Löschzug. Zudem ist sie Obmann des Rettungskorps der Stadt St. Gallen.

An der Geburtstagsfeier ihrer Schwester hätten seinerzeit auch zwei Frauen teilgenommen, die in positiver Art von ihrer Mitgliedschaft bei der Feuerwehr sprachen. Weil Alice Gimmi nach Beendigung ihrer Zeit bei den Pfadfindern gerne wieder irgendwo dabei gewesen wäre, wo sich Leute verschiedenster gesellschaftlicher Herkunft und mit unterschiedlichem beruflichen Background zusammenfinden, nahm sie schliesslich an einen Informationsabend der Feuerwehr teil – und war am Ende des Abends begeistert. Dies insbesondere auch deshalb, «weil mich Technik interessiert, ich mich gerne mit solchen Dingen beschäftige».

Alice Gimmis Begeisterung ist heute, nach 22 Jahren, immer noch da, und dies obwohl die zeitliche Belastung gestiegen ist: Waren es zu Beginn rund ein Dutzend Übungen pro Jahr, ist sie heute ein- bis zweimal pro Woche engagiert. «Das ist aber okay so, denn ich mache es gerne», sagt sie. Über das Fachliche hinaus schätzt Alice Gimmi an der Feuerwehr die Kameradschaft und die treuen Freundschaften, die dabei entstünden.

Kameradschaft und Teamwork

Dass in der Feuerwehr Kameradschaft und Teamwork einen grossen Stellenwert hätten, sagt auch die 37-jährige Mareike Bleuer aus Untereggen. Zwar ist die Mutter von zwei Kindern erst seit Anfang Jahr im Korps der Stadtsanktgaller Milizfeuerwehr. Ein Frischling ist die studierte Chemieingenieurin gleichwohl nicht: Von 2006 bis 2016 war sie Mitglied der Betriebsfeuerwehr von Rieter in Winterthur, zuletzt im Offiziersrang. Als sie den Arbeitsplatz in Winterthur der Kinder wegen gegen einen in der Region tauschte, war für Mareike Bleuer denn auch klar, dass sie das zuvor Gelernte weiterhin anwenden wollte. Deshalb meldete sie sich bei der Milizfeuerwehr der Stadt, wo sie nun im Range eines Unteroffiziers Dienst tut. «Ich bin erst kurz dabei und muss deshalb meinen Platz noch finden», sagt Mareike Bleuer und schmunzelt. Immerhin profitiert nun schon die städtische Berufsfeuerwehr von ihrem Sachverstand: Chemieingenieurin Bleuer ist dort Chemie-Fachberaterin.

Damit nichts falsch verstanden wird: Der Unterschied zwischen Angehörigen der Berufs- und der Milizfeuerwehr in der Stadt St. Gallen besteht nicht primär in der Qualifikation und im Wissen. Es sind die Tätigkeits­gebiete, welche die beiden Feuerwehren unterscheiden. Während die 39 Männer der Berufsfeuerwehr – es sind tatsächlich ausschliesslich Männer – eher das «alltägliche Geschehen» abdecken, kommt die Miliz bei Grossbränden und in der Wasserwehr zum Einsatz. Die Tätigkeit der Milizler – ob nun männlich oder weiblich – ist also nicht minder verantwortungsvoll.