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«Ich dachte, ich sehe nicht recht»: Waffeln und Most aus dem Ausland als Proviant – Kanton St.Gallen sorgt für Ärger vor der Fête des Vignerons

Eine Tasche in den St.Galler Wappenfarben, Informationsmaterial und mittendrin ausländische Lebensmittel. Regionale Produkte aus der Ostschweiz: Fehlanzeige. Einem Rheintaler stösst dies sauer auf. Er schrieb dem Kanton – dieser spricht von einem Fauxpas.
Alexandra Pavlovic
Waffeln, Mandeln und Apfelsaft aus dem Ausland: Der Rheintaler Jakob Engler ist über die Wegzehrung des Kantons St.Gallen alles andere als erfreut. (Bilder: Raphael Rohner/Ralph Ribi)

Waffeln, Mandeln und Apfelsaft aus dem Ausland: Der Rheintaler Jakob Engler ist über die Wegzehrung des Kantons St.Gallen alles andere als erfreut. (Bilder: Raphael Rohner/Ralph Ribi)

Der Kanton St.Gallen lässt sich seinen Auftritt an der Fête des Vignerons, am grössten Winzerfest der Schweiz, 240'000 Franken kosten. Akribisch hat er sich darauf vorbereitet, allerdings einem kleinen, aber wichtigen Detail zu wenig Beachtung geschenkt. Die Rede ist von einem grünen Turnbeutel mit Inhalt. Das hat einen aufmerksamen Bürger auf den Plan gerufen: Jakob Engler.

Inhalt löst Kopfschütteln aus

Der Balgacher traute seinen Augen nicht, als er einen der sogenannten «Goody bags», einen Beutel mit Leckereien, erhielt. Der 80-Jährige sagt:

«Ich dachte, ich sehe nicht recht. Da gibt der Kanton Hunderttausende von Franken aus, und dann erhalten wir eine grüne Tasche mit ausländischen Produkten. Wer hat sich denn so etwas ausgedacht?»

Konkret geht es um zwei Packungen Honig-Reiswaffeln, eine Packung Mandeln sowie um einen Apfelsaft. Die Produkte stammen alle von der Marke Alnatura und werden im Ausland hergestellt. Engler, der mit weiteren Rheintalerinnen und Rheintalern am Sonntag an den St.Galler Festtag nach Vevey reist und seinen heimischen Wein repräsentiert, hat wie auch der Rest der Gruppe eine solche Tasche vom St.Galler Organisationsteam erhalten. Nicht nur er, sondern auch alle übrigen schütteln ob dem Inhalt den Kopf, wie er sagt.

Bedauern über unechte St.Galler Produkte

Zunächst habe er nichts unternehmen wollen, sagt Engler weiter. «Aber es liess mir keine Ruhe.» Und so entschloss sich der 80-Jährige kurzerhand, den zuständigen Behörden und dem Kanton einen Brief zu schreiben.

Darin gratuliert er St.Gallen zur Teilnahme an der Fête des Vignerons und der Präsentation in den Farben Grün-Weiss. Er drückt dem Kanton aber auch gleichzeitig sein Bedauern über die unechten St.Galler Produkte aus. «Es kann doch nicht sein, dass wir St.Gallen repräsentieren und Produkte aus Darmstadt erhalten. Können Sie sich vorstellen, wie peinlich das wäre, wenn wir diese Beutel an die Besucher abgegeben hätten?» In der Ostschweiz habe es genügend regionale Produkte, mit welchen der Kanton werben könne: etwa Toggenburger Waffeln, Rheintaler Süssmost oder auch Schokoladenprodukte.

Der Rheintaler betont: «Mein Ziel ist es keineswegs, den Kanton in die Pfanne zu hauen, es soll mehr ein Wachrütteln sein. Das geht so doch nicht.»

«Ich muss Herrn Engler dankbar sein»

Elisabeth Federer ist Projektleiterin für den Kanton St.Gallen an der Fête des Vignerons und damit auch zuständig für den Beutelinhalt. Sie könne Herrn Englers Zweifel verstehen, sagt sie auf Nachfrage und beschwichtigt: «Es war nicht in unserem Sinne, die Mitreisenden zu verärgern.» Da es doch eine lange Reise bis nach Vevey sei, wollte das OK jedem, der die Delegation begleite eine Wegzehrung mitgeben. Daher habe man dem Beutel nebst Pins, Infomaterial und Jasskarten auch noch etwas zu Essen und zu Trinken beigelegt.

Weniger Gedanken habe sie sich jedoch über die Herkunft der Produkte gemacht, wie sie selbst zugibt. «Ich habe bei der Migros Ostschweiz nachgefragt, ob ein Essenssponsoring möglich wäre. Schliesslich haben wir die Alnatura-Produkte erhalten», sagt Federer. Getreu dem Motto «Einem geschenkten Gaul, schaut man nicht ins Maul» habe sie sich anschliessend nicht mehr über den Ursprung der Produkte erkundigt. Und so wurden den rund 200 Taschen jeweils Honig-Reiswaffeln, Mandeln und ein Apfelsaft aus dem Ausland beigelegt. Diesen Fauxpas nehme sie auf ihre Kappe, gibt Federer offen zu.

«Ich muss Herrn Engler dankbar sein. Schliesslich hat er uns auf ein kleines, aber wichtiges Detail hingewiesen: Das der Regionalität.»

Man könne sich nicht als Kanton St.Gallen präsentieren, dann aber ausländische Produkte im Beutel haben.

Sie habe sich umgehend der Sache angenommen und nach Absprache mit dem Generalsekretär-Stellvertreter VD und dem Leiter Kommunikation sowie weiteren Funktionären des Kantons die Waren ausgetauscht. Federer sagt:

«Dort, wo es zeitlich noch möglich war, haben wir nun keine Alnatura-Produkte mehr drin. Wir haben diese durch einen regionalen Apfelsaft aus Marbach ersetzt.»

Die Musikgesellschaft, an welche rund 50 Beutel gegangen sind, konnte die Projektleiterin nicht mehr mit neuen Produkten ausstatten. Sie habe aber 24 Apfelsäfte ins Rheintal geliefert, damit diese noch ausgetauscht werden. Das sei gelungen, wie ihr der Präsident von Rheintalwein bestätigt habe.

Beutelinhalt von 50 Taschen ausgewechselt

Weiter versichert die Projektleiterin, dass der Beutelinhalte der 50 grünen Taschen, welche an der Fête des Vignerons an die Besucher verteilt werden, alle ausgetauscht und mit regionalem Saft gefüllt wurden. Zudem sagt sie: «An regionaler Kulinarik aus unserem Kanton wird es in Vevey nicht fehlen. Wir haben unsere Bratwürste im Angebot und bringen sogar 19 Weine vom Pinot Noir bis zum Merlot mit.»

Was aber passiert nun mit den Alnatura-Produkten der Migros? Wegwerfen werde sie diese nicht, sagt Federer. «Wir werden diese an Organisationen in der Region verteilen.» Nichtdestotrotz zeigt sich die Projektleiterin einsichtig. Sie werde sicher nochmals mit der Migros zusammensitzen und das Ganze besprechen. «Bei einem erneuten Verpflegungssponsoring werde ich versuchen mehr Aufmerksamkeit auf regionale Produkte zu richten und im Zweifelsfall dann doch lieber ab- statt zusagen.»

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