Empfänge in St.Gallen und Wil: So viel kostet die Feier für Bundesrätin Karin Keller-Sutter

Am Donnerstag feiert die Stadt Wil «ihre» neue Bundesrätin Karin Keller-Sutter. Davor wird ihr auch in der Kantonshauptstadt ein Empfang bereitet. Um die Kosten im Zaum zu halten, verzichtet man auf ein Bankett.

Janina Gehrig
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Letztes Jahr wurde Karin Keller-Sutter als Ständeratspräsidentin gefeiert. Nun wird sie es als Bundesrätin. (Bild: Ralph Ribi (Wil, 29. November 2017))

Letztes Jahr wurde Karin Keller-Sutter als Ständeratspräsidentin gefeiert. Nun wird sie es als Bundesrätin. (Bild: Ralph Ribi (Wil, 29. November 2017))

Dies ist ein Artikel der «Ostschweiz am Sonntag». Die ganze Ausgabe lesen Sie hier.

Nur ein Jahr und zwei Wochen ist es her, dass Karin Keller-Sutter bei Nieselregen und Schneefall durch Wil schritt, vorbei an applaudierenden Leuten, um sich als frisch gewählte Ständeratspräsidentin feiern zu lassen. Kommenden Donnerstag wird die Wilerin schon wieder gefeiert – als frisch gewählte Bundesrätin. Diesmal bereitet ihr aber auch die Kantonshauptstadt einen Empfang. Bereits im Extrazug von Bern nach St.Gallen werden KKS und die geladenen Parlamentarier mit Spezialitäten aus dem Osten verköstigt: vom Aufschnitt- und Käseplättli über blaue Chips, Birnenbrot, Biberli und Bürli bis zum Minörli ist alles mit an Bord.

Wenn der Zug am St.Galler Hauptbahnhof um 14.23 Uhr eintrifft, spielt die Polizeimusik auf. Schulklassen stehen Spalier, neben Stadtpräsident Thomas Scheitlin und FDP-Kantonsratspräsidentin Imelda Stadler werden auch die Regierungsdelegationen aus den Nachbarkantonen die neue Bundesrätin begrüssen. Ab 14.15 Uhr gibt es in der Lokremise Glühwein, Kaffee und Kuchen, ehe Regierungspräsident Stefan Kölliker (SVP), ein Mitglied des Bundesrates und Karin Keller-Sutter Ansprachen halten. Die Bevölkerung ist zum Festakt eingeladen. «Wir verzichten bewusst auf ein Bankett», sagt Sarah Hauser, Leiterin der kantonalen Koordinationsstelle für Aussenbeziehungen. Das grosse Fest soll nämlich in KKS’ Heimatstadt Wil zusammen mit der Bevölkerung gefeiert werden.

Wil hält ein paar Überraschungen bereit

Dort wird der Extrazug um 17.23 Uhr erwartet. Die Stadt­tambouren spielen ein Ständchen, während Keller-Sutter von der Wiler Politprominenz und der Bevölkerung in Empfang genommen wird. Gegen 18 Uhr, nach einem kleinen Festzug durch Wil, werden KKS und ihre Gäste beim Hofplatz eintreffen. «Besonders ist, dass sich alle bei der grossen geschmückten Tanne versammeln werden; Volk und Bundesrätin zusammen», sagt Philipp Gemperle, Kommunikationsleiter der Stadt Wil. Es werde auch ein paar Überraschungen geben, «die wir jetzt noch nicht verraten wollen», sagt er. Die Vorbereitungen für den Festakt würden seit Mittwoch auf Hochtouren laufen. Die Zeit sei knapp gewesen. Dafür steht der Speiseplan schon fest: Aufgetischt werden am Apéro riche Wiler Äbtesuppe, Gemüsequiche, Bratwurst und Brot, Raclette, Käsefladen, Amaretti, Mandelfisch sowie Getränke und Weine aus der Region.

KKS war mit persönlichen Einladungen «bescheiden»

Wie üblich richtet der Kanton die Feiern in St.Gallen und Wil aus. Es seien rund 400 Einladungen verschickt worden, sagt Hauser. Keller-Sutter sei mit persönlichen Einladungen an Familienmitglieder und Bekannte bescheiden gewesen, heisst es weiter, ohne dass genaue Zahlen genannt werden. Bereits vergangenes Jahr legte man beim Empfang von Keller-Sutter ein Kostendach von 175'000 Franken fest. Die tatsächlichen Kosten beliefen sich dann auf 157'000 Franken. Auch wenn Keller-Sutter nun ein höheres Amt bekleidet, rechnet man laut Hauser «mit Kosten im Rahmen der letztjährigen Feier».

Die Kosten für die Empfänge von frisch gewählten Politikern führten immer wieder zu Kritik. So etwa bei Erika Forster-Vannini, die 2009 als Ständeratspräsidentin auf dem St.Galler Klosterplatz gefeiert wurde, was den Kanton rund 200'000 Franken gekostet haben soll.

Für Verärgerung sorgten auch die hohen Auslagen von 245'000 Franken, die der Kanton Zürich für die Feiern nach Ueli Maurers Wahl in den Bundesrat 2008 hatte. Mit grosser Kelle hatte auch der nun abtretende Bundesrat Johann Schneider-Ammann 2010 angerichtet: Alle 36'000 Haushalte des Oberaargaus wurden per Flugblatt zu seiner Feier eingeladen. Schliesslich musste der frischgebackene Bundesrat die Verpflegung mitbezahlen, weil er selbst einen grossen Teil der Gäste eingeladen hatte. Gar nicht auf Staatskosten verlustieren wollte sich hingegen Milliardär Christoph Blocher. Er verzichtete nach seinem Einzug in den Bundesrat 2003 auf eine Party.