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Fernbleiben und Alternativen finden

Für manche Ostschweizer ist es unvorstellbar, doch es gibt ein St. Galler Leben ohne Olma. Und ja, man kann dem Trubel entgehen, auch wenn die «grösste Publikumsmesse der Schweiz» die Stadt eineinhalb Wochen lang im Griff hat und Berührungspunkte kaum zu vermeiden sind.
Marcel Elsener

Für manche Ostschweizer ist es unvorstellbar, doch es gibt ein St. Galler Leben ohne Olma. Und ja, man kann dem Trubel entgehen, auch wenn die «grösste Publikumsmesse der Schweiz» die Stadt eineinhalb Wochen lang im Griff hat und Berührungspunkte kaum zu vermeiden sind. Idealerweise lebt man dann in den Westquartieren oder oben an den Hängen der Hochtalstadt. Oder besser: Man fährt just zur Olma-Zeit in die Ferien. Das tun nicht wenige, und es fehlt ihnen bei bestem Gewissen nichts, was sie an der Olma angeblich verpassen könnten.

Warum einem als St. Galler die Olma derart auf die Nerven geht, dass man sich jeden Oktober einen Wegzug überlegt, ist nicht einfach zu erklären. Denn unsereiner hat doch nichts gegen Bier, Wein, Schnaps, Bratwurst, Raclette und alle möglichen Probierfressalien und erst recht nichts gegen (Rohner-)Magenbrot. Ebenso wenig lässt sich gegen die Haushaltsartikel und Werkzeuge sagen, also im Einzelfall gegen den praktischen Mehrfachbesen, den raffinierten Gemüseraffler, die frisierte Nähmaschine.

Freakshow des durchschnittlichen Ostschweizer Landlebens

Und ach, wenn man verwandt- oder freundschaftlich mal zum Besuch genötigt wird, lässt sich der irrwitzige Messe-Whirlpool durchaus überleben – notfalls hilft eine realsatirisch gefärbte Brille: Willkommen in der Freakshow des durchschnittlichen Ostschweizer Landlebens, konzentriert im Spickel der Autobahneinfahrt, der Eintritt kostet gleich viel wie ein Kinoticket. Was also ist das Problem? Klar, da ist die Masse, die sich in der Vervielfältigung des Immergleichen feiert und das Gut-drauf-sein-weil-Olma zum fiebrigen Rudelbildungsbefehl macht. Wer sich nicht in den Saft der bäuerlichen und gewerblichen Ostschweiz vermosten kann oder will, fühlt sich unwohl. Und klar, da sind die Auswüchse: Die besoffenen Horden von Appenzellern, Rheintalern oder Oberthurgauern, die sich abends aus den Trinkhallen 4 und 5 (früher 7), sprich der «Fixerstube für flüssige Drogenabgabe» (Tagblatt-Redaktor Beda Hanimann) in die Strassen ergiessen, nerven genau so wie die enthemmten Billigpartytouristen in den Wohnvierteln von Barcelona oder Berlin. Uralte Einwände gegen den temporär reklamierten «Ausnahmezustand», die zum Gähnen sind.

Abgestempelte Kleinstadt mit Klumpfuss

Problematischer noch ist der Stempel, den die Landwirtschaftsmesse der kleinen Ostschweizer Metropole aufdrückt: Olma-Stadt! Was für ein Blödsinn – und Klumpfuss. Seit Jahrzehnten lässt sich die Stadt, die immerhin auch Stifts- und Textil- und Bildungs- und Fussball- und Kultur- und Forschungsstadt ist, den Stempel der Kuhschweiz aufdrücken. Nichts gegen Kühe, sie sind schon auf ihren Wiesen im nahen grünen Ring eine Freude. Aber St. Gallen darf sich nie und nimmer auf die Olma reduzieren lassen! Es ist das ewige Grundproblem: Der Stadt fehlen einige zehntausend Einwohner zur echten Stadt. Hätte sie die, könnte sie die Olma als Nebenerscheinung problemlos verkraften. Und würde sich sowieso, siehe Basel, noch mit anderen Messen profilieren. Ohne erweiternde Alternativen wird's zu eng im eigenen Saft. Darum gibt es gegen den Olma-Stempel nur zwei Auswege: Grossstadt werden – oder Kuhmesse abgeben, etwa an Herisau oder Widnau. Dann müsste ich halt dorthin, fürs Magenbrot.

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