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FERIENANLAGE: Millionenprojekt ist pleite: Das Luftschloss am Walensee

Das 80-Millionen-Resort am Walensee ist pleite. Eine ganze Region hatte grosse Hoffnung in das touristische Vorzeigeprojekt gesetzt. Doch eine Einigung zwischen Wohneigentümern und neuen Investoren dürfte schwierig werden.
Michael Genova
Eine holländisch-deutsche Investorengruppe eröffnete im Jahr 2008 in Unterterzen ein Feriendorf mit einem Hotel und 18 Ferienhäusern. (Bild: Benjamin Manser (Unterterzen, 16. Februar 2018))

Eine holländisch-deutsche Investorengruppe eröffnete im Jahr 2008 in Unterterzen ein Feriendorf mit einem Hotel und 18 Ferienhäusern. (Bild: Benjamin Manser (Unterterzen, 16. Februar 2018))

Dies ist ein Artikel der «Ostschweiz am Sonntag». Die ganze Ausgabe lesen Sie hier: <strong style="margin: 0px; padding: 0px; vertical-align: baseline; border: none; outline: 0px; background: transparent;"><em style="margin: 0px; padding: 0px; vertical-align: baseline; border: none; outline: 0px; background: transparent;">www.tagblatt.ch/epaper</em></strong>

Leise rieselt der Schnee, still ruht der Walensee, nur eine Familie in Skischuhen stapft durch den leeren Park. Ursprünglich hätten hier im Walensee-Resort in Unterterzen jährlich 150000 Touristen ihre Nächte verbringen sollen. Doch das Hotel und das öffentliche «Grand Café» sind seit Monaten ­geschlossen. Der Konkurs ist definitiv. «Besten Dank für Ihr Verständnis», schreiben die ehemaligen Besitzer.

Dabei hatte alles so verheissungsvoll begonnen. Eine holländisch-deutsche Investorengruppe eröffnete 2008 auf dem ehemaligen Areal einer Zementfabrik ein Feriendorf mit einem Hotel und 18 Ferienhäusern. Für rund 80 Millionen Franken entstand eine Anlage mit rund 150 Ferienwohnungen, einem Schwimmbad, Läden, Restaurants, Bars sowie einem Hafen. Auf der Eröffnungsfeier beschwor der ehemalige St. Galler Regierungsrat Josef Keller eine «Renaissance des Tourismus».

Holländer sahen Wohnungen als Geldanlage

Innert kurzer Zeit waren praktisch alle Eigentumswohnungen verkauft – fast ausschliesslich an Holländer. «Das sind nicht nur Ferienwohnungen, sondern Geldanlagen», warb der Direktor der federführenden Entwicklungsgesellschaft. Teil des Konzepts war es, dass die Eigentümer ihre Wohnungen an weitere Gäste vermieteten. Das böse Erwachen kam jedoch bereits ein Jahr nach der Eröffnung. Die Betreiber kämpften mit finanziellen Problemen und verkauften 2009 das Hotel an Privatinvestoren, die mehrere Millionen nachschossen. Anfang 2015 übernahmen die Bergbahnen Flumserberg die operative Führung des Resorts, zogen sich jedoch bereits ein Jahr später wieder zurück. Und im September 2017 musste die Resort Walensee AG schliesslich ihre Bilanz deponieren. Erst kürzlich wurde das Konkurs­verfahren eingestellt – es war kein Geld mehr vorhanden, um die Verfahrenskosten zu decken.

Penthouse-Suite mit zwölf Betten

«Im Moment ist die Situation unerfreulich», sagt Quartens Gemeindepräsident Erich Zoller. Das touristische Image leide, das Resort sei zentral für die wirtschaftliche Entwicklung. Gleichzeitig betont Zoller, wie stark seine Gemeinde in den vergangenen Jahren profitiert habe. Dank der Ferienanlage sei die Region um den Walensee überhaupt erst auf der touristischen Landkarte auf­getaucht. Das Projekt hat aber auch ­frisches Geld in die Gemeindekasse ­gespült: Handänderungssteuern, Grundsteuern, Kurtaxen.

Trotzdem macht sich Erich Zoller auch Sorgen um die Zukunft. Er hofft auf seriöse Käufer, die dem Resort neues Leben einhauchen. «Es braucht nun erfahrene Hoteliers mit den nötigen finanziellen Mitteln.» Vertreter potenzieller Investoren sind bereits nach Unterterzen gereist und haben sich beim Gemeindepräsidenten über die touristische Entwicklung informiert. Zoller verweist auf Investitionen in einen neuen Radweg, das geplante «Heidi-Erlebnisdorf» am Flumserberg und preist die gute Anbindung an den öffentlichen Verkehr.

Die Gründe für die heutige Misere sind in der Geburtsstunde zu suchen. Das Walensee-Resort war von Anfang an ehrgeizig geplant, vielleicht zu ehrgeizig. So gab es im Hotel viele grosse Suiten, eine Penthouse-Suite umfasste sogar zwölf Betten und eine Luxusküche. «Ein Beherbergungsmix mit etwas mehr Doppelzimmern wäre optimaler gewesen», sagt Norbert Hörburger, Tourismusexperte und Dozent an der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) in Chur. Die Betreiber hätten sich zu wenig ­Gedanken über ihre potenziellen Gäste gemacht.

Bild: Benjamin Manser
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Ein Rundgang durch das verlassene Walensee-Ressort

Probleme bereiteten aber auch ein überdimensioniertes Hallenbad und eine teure Heizanlage, die hohe Fixkosten verursachte. Dazu kam der jahrelange Streit mit den Besitzern der Ferienwohnungen, für welche die Hotelgesellschaft die Vermietungen abwickelte. Immer weniger Besitzer wollten ihre Wohnungen zu attraktiven Zeiten für eine Vermietung freigeben. «Ein Hotel braucht jedoch grosse Kapazitäten, damit es im Markt wahrgenommen wird», sagt Norbert Hörburger. Und hier liegt auch ein Knackpunkt für einen möglichen Neustart des Resorts. Ein solcher könne nur gelingen, wenn Wohneigentümer und Hotelführung sich künftig ­einigen könnten, sagt Hörburger. Ein neuer Investor werde einen langen Atem brauchen, denn nach einer Schliessung fange man bei weniger als null wieder an. «Entscheidend ist auch, dass die künftigen Besitzer attraktive Paketangebote mit den Bergbahnen schnüren.»

Streit über die Verteilung von Mieteinnnahmen

Ein grosser Teil der Wohnungseigentümer wäre gesprächsbereit. «Wir sagen schon seit fünf Jahren, dass es eine ­Zusammenarbeit geben muss, die allen Beteiligten etwas bringt», sagt Jeroen Versnel, Präsident der Genossenschaft ­Walensee-Vermietung. Nur gemeinsam könne man den Umsatz steigern. Versnel vertritt zurzeit rund 65 Eigentümer, die ihr Appartement über die Genossenschaft vermarkten lassen. Die Verhandlungen dürften auch mit einem neuen Investor schwierig werden. Denn es geht um heikle Fragen: die Verteilung von Mieteinnahmen und Nebenkosten.

Noch unklar ist, wie sich eine andere Entwicklung auf das Resort auswirken wird. Zurzeit werden viele Eigentumswohnungen zum Verkauf angeboten. Laut Gemeindepräsident Erich Zoller haben alleine im vergangenen Jahr rund 20 Wohnungen den Besitzer gewechselt. Und auf dem Immobilienportal Immowelt.ch sind zurzeit rund 15 Wohnungen zu Preisen zwischen 480000 Franken und 1,3 Millionen Franken ausgeschrieben. «Das zeigt mir, dass der Standort nach wie vor attraktiv ist», sagt Zoller. Auffallend an der Entwicklung sei, dass Holländer zunehmend an Schweizer ­verkauften, welche die Wohnungen auch als permanenten Wohnsitz nutzen.

Abgetauchter ägyptischer Architekt

Zurzeit schätzt der Konkursverwalter die verbliebenen Vermögenswerte der Walensee Resort AG. Wenn alles klappt, könnte der Verkauf an einen neuen Investor schon in der zweiten Jahreshälfte abgeschlossen sein. In Unterterzen ist das Resort allerdings kein grosses ­Thema mehr. «Wir blicken nicht mehr durch», sagt eine Frau im «Schuppä-Kafi» am Bahnhof Unterterzen. Einen neuen Investor würden die Einwohner wohl noch skeptischer beäugen als die Holländer. Denn schon einmal versprach ihnen jemand eine rosige Zukunft. Im Herbst 2002 präsentierte ein ägyptischer Architekt in Unterzen das 100 Millionen Franken teure «Yasso Walensee Lake Project». «Er wollte seinen Landsleuten den Regen verkaufen», gab der damalige ­Gemeindepräsident zu Protokoll. Doch der Ägypter kehrte nie wieder zurück.

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