FEIER: «Ich ziehe den Hut»

Die Festrede von alt Bundesrat Christoph Blocher war das Herzstück der Jubiläumsfeier der SVP St. Gallen am Samstag in Mels. Regierungsrat Fredy Fässler zeigte sich in seinem Grusswort selbstironisch.

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Nicht nur die Partei, auch Christoph Blocher wurde beim Jubiläumsanlass der SVP St. Gallen am Samstag in Mels gefeiert. 700 Anhänger der Partei begrüssten ihn mit begeistertem Applaus. Seine Festrede war eine Mischung aus Anekdoten und politischer Analyse von Land und Kanton. Erinnerungen an die ­Zusammenarbeit mit Brunner, Gartmann und Co. fanden ebenso Platz wie die Kritik am aktuellen Konsolidierungsabkommen mit der EU. Blocher erinnerte an die Debatte vor 25 Jahren um den Beitritt in den Europäischen Wirtschaftsraum (EWR): «Es war bei der Gründung der Partei eine arglistige Zeit, das ist sie heute noch.» Der Altbundesrat ist der Überzeugung, dass die Schweiz heute Teil der EU wäre, hätte sie sich damals für den Beitritt in den EWR entschieden – «und denn guet Nacht am sechsi». Das gelte es, auch heute zu verhindern.

Blocher bedankt sich bei St. Galler SVP

Der St. Galler SVP überbrachte Blocher seine besten Glückwünsche zum Jubiläum. 35 Prozent Wähleranteil, 40 von 120 Kantonsratssitzen, ein Regierungsratssitz und fünf Nationalräte ­seien eine beachtliche Leistung. «Ich bin nicht bekannt dafür, dass ich in der Politik viel lobe. Aber die St. Galler SVP hat meinen Dank und meine Gratulation verdient. Ich ziehe den Hut». In diesen Lobgesang stimmte auch der Präsident der SVP Schweiz, Albert Rösti, ein: Die Arbeit der kantonalen Partei sei beispielhaft. Dennoch nannte Rösti einen Wermutstropfen: «Das Tragische an diesem Jubiläum ist, dass wir heute den gleichen Kampf führen wie damals bei der Gründung.» Damit sprach auch er das Konsolidierungsabkommen und dessen Parallelen zum EWR-Beitritt vor 25 Jahren an. «Damals wie heute kämpft die SVP um die Erhaltung unserer grössten Werte wie Freiheit, Unabhängigkeit und Selbstbestimmung. Und der Kampf dauert an.» Nicht nur darum sei er froh, eine grosse, intakte und gesunde Partei vom Genfersee bis zum Bodensee präsidieren zu dürfen. Dazu habe die St. Galler SVP wesentlich beigetragen.

Kein «Bleib, wie du bist» von Fredy Fässler

Regierungspräsident Fredy Fässler gab sich bei seiner Ansprache selbstironisch. Selber der SP angehörig, sei er sich nicht ganz sicher, was er der SVP denn nun zu ihrem Jubiläum wünschen solle. «Nicht etwa die üblichen Sprüche wie ‹bleib, wie du bist›, denn eigentlich wünsche ich mir das ja keinesfalls.»

Die SVP habe sich seit ihrer Gründung stark verändert, und das nicht nur in ihrer Mitgliederzahl, sagte Fässler. «In den 25 Jahren hat die kantonale Parteileitung Ausserordentliches geleistet», wie der aktuelle Wähleranteil belege. Und doch sei die Partei flexibel geblieben, «was man im zarten Alter von 25 Jahren» auch noch sein dürfe. Fässlers Schlusswort: «Wir sind und denken zwar unterschiedlich, aber wir wollen alle zusammengehören.»

Michael Kohler

ostschweiz@tagblatt.ch