Fehlende Ticketeinnahmen
«Warum sollen Ostschweizer Steuerzahler den FC Chiasso durchfüttern?» SVP-Nationalrat Roland Rino Büchel kritisiert die Coronamillionen für den Profisport

Der Nationalrat hat am Dienstag 115 Millionen Franken à fonds perdu für Fussball- und Hockeyklubs gesprochen. Der St.Galler SVP-Parlamentarier Roland Rino Büchel kritisiert, dass sich die Kantone daran nicht beteiligen müssen. Entsprechende Anträge scheiterten überraschend deutlich.

Adrian Vögele
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Roland Rino Büchel verlangt, dass sich die Kantone zur Hälfte an den A-fonds-perdu-Beiträgen für den Profisport beteiligen.

Roland Rino Büchel verlangt, dass sich die Kantone zur Hälfte an den A-fonds-perdu-Beiträgen für den Profisport beteiligen.

Bild: Peter Klaunzer/ KEYSTONE

Der Wind hat gedreht. Als der Nationalrat im Frühling über die Coronahilfe für die obersten Fussball- und Hockeyligen diskutierte, ging es um ein strenges Regime, inklusive Solidarhaftung unter den Klubs für die Rückzahlung der Kredite. Dieses System werde nie funktionieren, warnten sportaffine Parlamentarier wie Roland Rino Büchel (SVP/SG) und Ständerat Benedikt Würth (CVP/SG). Am Dienstag nun bewilligte die grosse Kammer ohne viel Federlesen 115 Millionen Franken à fonds perdu für die Profiklubs. Damit sollen Ausfälle bei den Ticketeinnahmen aufgefangen werden.

Der Nationalrat habe damit von einer gar strengen zu einer gar lockeren Haltung gewechselt, stellt Büchel fest. Er stört sich daran, dass das Geld einfach via Bund verteilt werden soll.

«Es ist nicht in Ordnung, dass beispielsweise die Ostschweizer Steuerzahler den FC Chiasso durchfüttern, die Solothurner den FC Sion oder die Jurassier die Grasshoppers.»

Die Situation sei je nach Kanton und Klub unterschiedlich und es drohe ein Ungleichgewicht, so Büchel. Der Kanton Zürich habe sieben solche Klubs, Bern sechs und das Tessin fünf. Steuerzahler aus anderen Kantonen mit weniger oder kleineren Klubs würden demgegenüber benachteiligt. Die Kantone müssten stärker in die Finanzierung einbezogen werden. Büchel stellte darum am Dienstag den Antrag, dass die Kantone die Hälfte der Beiträge übernehmen.

Nicht einmal die SVP war geschlossen dafür

Die Idee kam nicht aus blauem Himmel. Schon vor der Session war davon die Rede. Nationalrat Marcel Dobler (FDP/SG) hatte in der Sozialkommission beantragt, dass sich die Kantone mit 20 Prozent beteiligen. Die Kommission stimmte deutlich zu. Zuständig für das Covid-19-Gesetz ist allerdings die Wirtschaftskommission – und sie lehnte das Ansinnen ab. Auch am Dienstag im Nationalrat war von breiter Unterstützung nichts mehr zu spüren. Der Antrag auf 20 Prozent scheiterte klar, ebenso Büchels Antrag auf 50 Prozent – nicht einmal die SVP sagte geschlossen Ja.

Gegner befürchten lange Verzögerungen

Die Gegner argumentierten, kein Kanton habe zum jetzigen Zeitpunkt eine rechtliche Grundlage für eine solche Beteiligung. Bis die Gesetze geschaffen seien, dauere es zu lange. Finanzminister Ueli Maurer (SVP) sagte, er sei überzeugt, dass die Kantone bei der Coronahilfe für den Profisport «schon noch zum Handkuss kommen», vielerorts seien sie ja Teilhaber der Sportklubs oder der Stadien.

Büchel zeigt sich nach der Debatte enttäuscht. Das Argument mit den fehlenden Gesetzen sei «ein Witz». Natürlich sei es den Kantonen möglich, die Voraussetzungen zügig zu schaffen. «Dasselbe tun wir jetzt auf Bundesebene ja auch.»

Würth: «Ohne Konsultation der Kantone geht das nicht»

Benedikt Würth, St.Galler CVP-Ständerat.

Benedikt Würth, St.Galler CVP-Ständerat.

BIld: Peter Klaunzer/KEYSTONE

Ob der Ständerat das Thema nochmals diskutiert, ist offen. Benedikt Würth hatte noch im Frühling ebenfalls dafür votiert, dass sich die Kantone an der Coronahilfe für den Profisport beteiligen. «Damals hätte das noch Sinn gemacht. Man hätte das Ganze in einem klaren Prozess mit den Kantonen entwickeln können.» Das sei dann aber nicht geschehen. «Das Parlament kann jetzt nicht ohne Konsultation der Kantone eine solche Regelung treffen.» Der Ständerat wird das Covid-19-Gesetz voraussichtlich am Mittwoch behandeln.