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FDP des Kantons St.Gallen kritisiert «linke Schulbücher»

Die St. Galler Freisinnigen sind besorgt. «Werden unsere Lehrmittel politisch instrumentalisiert?», fragen sie sich. Dies, nachdem in Zürich Kritik in diese Richtung laut geworden ist.
Regula Weik
In welcher Form darf ein Anlass wie die kürzliche Demonstration für Lohngleichheit Eingang in Lehrmittel finden? (Bild: Peter Schneider/KEY (Bern, 22. September 2018))

In welcher Form darf ein Anlass wie die kürzliche Demonstration für Lohngleichheit Eingang in Lehrmittel finden? (Bild: Peter Schneider/KEY (Bern, 22. September 2018))

In Zürich gehen die Wogen seit Wochen hoch – wegen «linksideologisch gefärbter Lehrmittel». Die Zürcher SVP hatte zu ihrer Medienkonferenz einen Stapel von Schulbüchern mitgebracht. Diese betrieben «subtile Gehirnwäsche» – etwa dann, wenn «Parolen» der UNO unkritisch übernommen würden. Oder wenn der Kampf der Gewerkschaften für «gerechte» Löhne unhinterfragt gelobt werde. Die Zürcher SVP warnte denn auch vor «linker Indoktrination der Volksschule». Um die Gefahr abzuwenden, reichten SVP, FDP und CVP mehrere Vorstösse im Zürcher Kantonsparlament ein. Sie fordern den Verzicht auf das Lehrmittel und gleichzeitig eine Kommission, welche über die gesetzlich vorgeschriebene politische Neutralität der Schulbücher in der Volksschule wachen soll.

Auslöser der heftigen bürgerlichen Kritik ist das mehrteilige Lehrmittel «Gesellschaften im Wandel»; es wird auf Sekundarstufe eingesetzt, vermittelt Geschichte und politische Bildung, wurde für den Lehrplan 21 konzipiert und erschien 2017. Sein Einsatz im Unterricht ist fakultativ und freiwillig.

Eigenes Schulfach für politische Bildung prüfen

Der Zürcher Lehrmitteldisput ist inzwischen auch nach St. Gallen übergeschwappt – allerdings gedämpfter. Jedenfalls offiziell. Die Freisinnigen haben die Zürcher Kritik an den Lehrmitteln aufgegriffen und dazu einen Vorstoss im Kantonsparlament eingereicht. «Politische Einflussnahme auf Schülerinnen und Schüler ist staats- und bildungspolitisch höchst problematisch», gehen die St. Galler Freisinnigen mit den bürgerlichen Kritikern in Zürich einig. Lehrmittel dürften keine politische Färbung aufweisen; Unterrichtsthemen müssten ausgewogen dargestellt, umstrittene Standpunkte relativiert werden, so dass «das Spektrum an Meinungen und Argumenten sichtbar, nachvollziehbar und kritisierbar wird».

Die FDP will zuallererst von der Regierung wissen, ob und falls ja, wie weit verbreitet die umstrittenen Lehrmittel im Kanton St. Gallen sind, und ob sie als obligatorisch erklärt oder nur empfohlen sind. Ein Blick auf die Homepage des St. Galler Lehrmittelverlags zeigt: «Gesellschaften im Wandel» findet sich zumindest in dessen Angebot. Darüber hinaus fragen die Freisinnigen, wie sichergestellt wird, dass «die St. Galler Schülerinnen und Schüler vor politischer Instrumentalisierung durch Lehrmittel geschützt werden».

«Politische Einflussnahme auf Schülerinnen und Schüler ist staatspolitisch höchst
problematisch.»

Anders als in Zürich steht im Kanton St. Gallen die FDP mit ihren Sorgen alleine da. Die SVP ist durch die Zürcher Meldungen über «linke Schulbücher» bislang nicht aufgeschreckt. CVP und Grünliberale sorgen sich grundsätzlich über die politische Bildung an den St. Galler Schulen und haben dazu einen Vorstoss eingereicht. Sie wollen von der Regierung erfahren, ob sie ihre Einschätzung teilt, und wie sie zur Idee eines eigenen Schulfachs «Politische Bildung» steht. Für CVP und Grünliberale ist klar: Schülerinnen und Schüler müssten im Unterricht befähigt werden, «sich mit politischen Themen auseinanderzusetzen, sich eine eigene Meinung dazu zu bilden und diese argumentativ begründen zu können».

Verlag wehrt sich gegen Vorwurf der Einseitigkeit

Verlegt wird «Gesellschaften im Wandel» vom Zürcher Lehrmittelverlag. Es lägen Bestellungen aus 23 Kantonen und dem Fürstentum Liechtenstein vor, sagte dessen Leiter Beat Schaller gegenüber dem «Tages-Anzeiger». Er weist den Vorwurf der politischen Einseitigkeit zurück. Das Buch sei als Ganzes ausgewogen. Gleich beurteilt es Jan Hodel, Co-Entwickler des Buches und Dozent an der Fachhochschule Nordwestschweiz. Ausgewogenheit in Lehrmitteln bedeute nicht, «dass zu jeder Aussage in Klammern auch die Gegenposition erwähnt werden muss», zitiert ihn der «Tages-Anzeiger». Sonst werde das Schulbuch unlesbar. Die Schüler müssten die kritische Debatte selber entwickeln, das sei Teil des didaktischen Konzepts. «Das Lehrmittel serviert nichts Fixfertiges», sondern rege zum Selberdenken an.

Die Kritik an politischer Beeinflussung von Schülerinnen und Schülern wird immer mal wieder laut. So beispielsweise 2006 bei «Hinschauen und Nachfragen», dem fakultativen Lehrmittel zum Bergier-Bericht und der Rolle der Schweiz im Zweiten Weltkrieg. Einseitig und unpatriotisch, schimpfte die SVP damals und lancierte erfolglos Vorstösse. Oder 2017, als im Zusammenhang mit der Unternehmenssteuerreform III in der Reihe «Wirtschaft und Politik aktuell» Unterrichtsmaterialien entstanden, gesponsert vom Wirtschaftsdachverband Economiesuisse. Das rief die SP auf den Plan; sie ärgerte sich über die einseitige Darstellung.

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