FCSG-FAN: Pyro-Werfer: Verteidigerin geht höchstwahrscheinlich vor Bundesgericht

Die Verteidigerin des zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe von 36 Monaten verurteilten Fan des FC St.Gallen wird das Urteil des Bundesstrafgerichts höchst wahrscheinlich ans Bundesgericht weiterziehen. Der Bundesanwalt hingegen zeigte sich zufrieden mit dem verhängten Strafmass.

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Der St.Galler Fussballfan muss für seine Pyrowürfe ins Gefängnis. (Archivbild) (Bild: ENNIO LEANZA (KEYSTONE))

Der St.Galler Fussballfan muss für seine Pyrowürfe ins Gefängnis. (Archivbild) (Bild: ENNIO LEANZA (KEYSTONE))

Ein Ostschweizer Pyro-Werfer ist vom Bundesstrafgericht in Bellinzona zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe von 36 Monaten verurteilt worden. Von der Freiheitsstrafe muss er 18 Monate absitzen. Zudem hat das Gericht den Mann zu 180 Tagessätzen à 50 Franken und zu einer Busse von 700 Franken verurteilt.

Durch den Knall eines Pyros, ein sogenannter Kreiselblitz, und den Funkenflug erlitt ein Zuschauer einen irreversiblen Hörschaden. Dem Geschädigten muss der 24-Jährige eine Genugtuung von 12'000 Franken zahlen.

Der vorsitzende Richter führte an der Urteilsverkündung am Mittwoch aus, dass es sich bei den beiden auf das Spielfeld geworfenen Kreiselblitze um Sprengstoffe handle. Der Ostschweizer habe sich damit der mehrfachen Gefährdung durch Sprengstoffe in verbrecherischer Absicht schuldig gemacht.

Nicht unter die Sprengstoffe oder giftige Gase gemäss Strafgesetzbuch fallen gemäss Gericht die beiden Rauchtöpfe, die der Mann zuerst auf das Feld warf.

Verurteilt wird der Ostschweizer auch wegen schwerer Körperverletzung aufgrund des verursachten Hörschadens beim Zuschauer, mehrfacher Sachbeschädigung und mehrfacher Widerhandlung gegen das Sprengstoffgesetz.

Die Bundesanwaltschaft hatte eine Freiheitsstrafe von vier Jahren beantragt. Die Verteidigerin plädierte in den wesentlichen Punkten auf Freispruch. Allein der durch die Sprengkörper verursachte Sachschaden am Rasen in der Höhe von 800 Franken wurde anerkannt.
Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Es kommt auf die Begründung an

In einer ersten Stellungnahme hielt Verteidigerin Manuela Schiller fest, dass die Urteilsbegründung zu den beiden Hauptpunkten ausgesprochen emotional und weniger juristisch ausgefallen sei. Es hänge nun von der Begründung ab, ob sie das Urteil oder Teile davon an die nächste und letzte Instanz − das Bundesgericht − weiterziehen werde.

Aufgrund der mündlichen Urteilsbegründung bleibt gemäss Schiller unklar, warum es für den Besitz des beim 24-Jährigen gefundenen Sprengkörper eine Bewilligung braucht. Im Gesetz sei dies nicht nicht explizit festgehalten, sagte sie.

Positiv wertet Schiller, dass die beiden ersten geworfenen Pyro-Gegenstände, sogenannte Rauchtöpfe, nicht unter Sprengstoffe fallen, wie es der Straftatbestand der Gefährdung durch Sprengstoffe und giftige Gase in verbrecherischer Absicht vorsehe.

«Ansonsten würde bald alles darunter fallen. Das heisst aber nicht, dass ich das Werfen von Rauchtöpfen an Fussballspielen befürworte», sagte Schiller.

Bundesanwalt zufrieden

Der Bundesanwalt dagegen zeigte sich soweit zufrieden mit dem Urteil. Man habe insgesamt fast die beantragten vier Jahre Freiheitsstrafe erreicht. Ob das Urteil aufgrund einzelner Punkte weitergezogen werde, konnte er am Mittwoch noch nicht sagen. (sda)