FC Wil möchte Kurzarbeit und Überbrückungskredit beantragen - die Spieler halten sich derweil zu Hause mit einem «Challenge-Chat» fit 

Auch der FC Wil hofft in der Coronakrise auf Geld vom Staat. Falls sich alle Spieler mit Lohneinbussen zufrieden geben, wird Kurzarbeit beantragt. Im Ferntraining geht der Athletiktrainer derweil kreative Wege.

Ralf Streule
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Jonglieren im «Home-Office»: FC-Wil-Spieler Valon Fazliu trainiert das Ballgefühl in Zollikon auf der Schulhauswiese. (Bild: FC Wil)

Jonglieren im «Home-Office»: FC-Wil-Spieler Valon Fazliu trainiert das Ballgefühl in Zollikon auf der Schulhauswiese. (Bild: FC Wil)

Als sich die Schweiz vor eineinhalb Wochen in den Corona-Halbschlaf legte, war auch für die Verantwortlichen des FC Wil klar: Die Spieler werden nach Hause geschickt, gemeinsame Trainings sind nicht mehr möglich. Die grosse Frage, die sich seither stellt, ist finanzieller Natur: Kann der nicht auf Rosen gebettete FC Wil die Notsituation wirtschaftlich überleben? Ein erstes Mal aufatmen konnten die Clubverantwortlichen am vergangenen Freitag. Der Bundesrat lässt seither krisenbedingt Kurzarbeit auch bei befristeten Verträgen zu, wie sie im Fussballbusiness gang und gäbe sind.

Spieler müssen mit Lohneinbussen einverstanden sein

Der FC Wil habe darauf alle Hebel in Bewegung gesetzt, um diese Möglichkeit zu nutzen, sagt Geschäftsführer Benjamin Fust. Dafür muss aber zunächst das Einverständnis jedes einzelnen Spielers eingeholt werden. Denn die Fussballprofis wie auch die restliche Belegschaft wie Nachwuchstrainer werden auf einen Fünftel ihres Lohns verzichten müssen. Der Staat bezahlt bei Kurzarbeit 80 Prozent des bisherigen Bruttolohns, höchstens aber 12'350 Franken - ein Betrag, auf den keiner der Wiler Spieler kommt.

Benjamin Fust, Geschäftsführer des FC Wil.

Benjamin Fust, Geschäftsführer des FC Wil.

Bild: Michel Canonica

Die Anfragen an die Spieler sind gemäss Fust per E-Mail gemacht, die Solidarität sei gross, Widerstände seien bisher keine zu spüren. Noch aber seien nicht alle nötigen Unterschriften eingegangen.

Überbrückungskredit für laufende Rechnungen?

Weiter hofft der FC Wil auf einen Überbrückungskredit. Der Bundesrat hat am Mittwoch bekannt gegeben, dass KMU bei Liquiditätsproblemen unbürokratisch zu tiefzinsigen Krediten kommen sollen. Fust sagt:

«Es wäre für uns in der aktuell angespannten Situation eine grosse Erleichterung, um laufende Fixkosten decken zu können.»

Ein Kredit werde beantragt.

Schwierige Kaderplanung

Schwierig ist in der unübersichtlichen Situation hingegen wenig überraschend die Kaderplanung, wie Fust sagt. Eine Schwierigkeit ist zudem die Interpretation aktueller Verträge. So ist es zum Beispiel oft so, dass Leihspieler vom Mutterverein mitbezahlt werden, sofern sie im Club eine gewisse Anzahl von Spielen erreichen, also gebührend Spielpraxis erhalten. Was passiert, sollte die Meisterschaft auch im Juni nicht fertiggespielt werden können - und die Anzahl Spiele infolgedessen nicht erreicht werden? Man hoffe auf Solidarität anderer Clubs, auf das Verständnis für die besondere Situation, in der ein Vor- und Nachgeben und viel Kreativität unerlässlich seien, so Fust. Viele weitere Fragen sind offen und nicht zu beantworten, bevor klar ist, ob die Meisterschaft im Juni doch noch einmal aufgenommen werden kann - zum Beispiel jene der Sponsoring-Verträge. 

Trainieren im Vereins-Chat

Kreativ ist der Club bereits jetzt, was die Trainings anbelangt. Während vergangene Woche noch vor allem Ruhe angesagt war, sind unterdessen Trainingspläne verschickt. Athletiktrainer Pascal Kaiser hat zudem einen eigentlichen «Challenge-Chat» aufgebaut, bei der sich die Spieler übers Internet vernetzen und sich bei Kraft- oder Ausdauer-Übungen messen. Wer schafft am meisten Wiederholungen einer gewissen Kraftübung? Wer erklimmt heute den höchsten Berg? Eine Idee mit eher sozialem als knallhart athletischem Hintergrund - aber ein wichtiger Ausgleich im derzeit stillstehenden Berufsleben eines Fussballers. 

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