FC Wil beantragt Darlehen, der FC St.Gallen wartet noch ab: Wie die beiden Clubs die Coronakrise meistern

Solange der Ball nicht rollt, geht es bei den Fussballclubs um die Frage: Wie bringt man die Saison finanziell über die Runden? Während beim FC Wil Kurzarbeit eingeführt wird und ein zinsfreies «Corona-Darlehen» beantragt wurde, ist man beim FC St.Gallen noch zurückhaltender.

Ralf Streule
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Leeres Wiler Bergholz-Stadion: Seit fünf Wochen ruht der Schweizer Fussball.

Leeres Wiler Bergholz-Stadion: Seit fünf Wochen ruht der Schweizer Fussball. 

Bild: PD

Zinsfreie Darlehen und Kurzarbeit: mit diesen zwei Hilfestellungen versucht der Bund derzeit die Wirtschaft zumindest auf Sparflamme am Leben zu erhalten. Auch Fussballclubs haben die Möglichkeit, davon Gebrauch zu machen und die ärgsten Geldsorgen zu vertreiben. Beim FC St.Gallen zum Beispiel ist die Belegschaft der Event AG für Kurzarbeit angemeldet  – ohne Spiele und ohne Anlässe im Stadion ist deren Arbeit in den vergangenen Wochen weggebrochen.

Noch keine Kurzarbeit bei den Spielern des FC St.Gallen

FC St.Gallen-Präsident Matthias Hüppi

FC St.Gallen-Präsident Matthias Hüppi 

Bild: Gian Ehrenzeller/Keystone

Anders sieht es in Sachen Kurzarbeit vorerst bei den Spielern aus. Auch wenn der Bund unterdessen auch Kurzarbeit bei befristeten Verträgen erlaubt, hat man diese für die Fussballer und das Trainerteam erst vorsorglich beantragt, wie Präsident Matthias Hüppi sagt. Dies, weil es viele Details zu besprechen gebe und man diese mit den Spielern im persönlichen Gespräch anschauen wolle. Hüppi fragt:

«Kurzarbeit im Fussball ist nicht ganz so einfach. Gilt die Kurzarbeit für den Grundlohn? Was ist mit Leistungsprämien?»

Erst voraussichtlich Mitte April werde er die Spieler «mit dem nötigen Abstand» persönlich treffen oder sie per Videotelefonie kontaktieren. Vorerst sei aber so etwas wie eine Ruhepause angesagt für die Spieler – «schliesslich ist die Chance gross, dass es so gut wie keine Sommerpause gibt». Gut möglich aber, das letztlich die Kurzarbeit rückwirkend bereits ab Ende März gilt.

Hüppi selber geht die Arbeit derzeit nicht aus. Für ihn gehe es darum, Perspektiven aufzuzeigen für verschiedenste Szenarien - den Spielern, der gesamte Belegschaft oder den Sponsoren. Egal, welchen Ausgang die Coronakrise dem Fussball beschere: Man müsse verschiedenste Optionen vorbereiten. Zum Beispiel, was mögliche Spielmodi für den Rest der Saison angehe. Konkret wird Hüppi dabei nicht, sagt aber: «Wir müssen grosszügig denken, nicht in Gärtchen verharren.»

«Grossartige Solidarität» beim FC Wil

Benjamin Fust, Geschäftsführer des FC Wil

Benjamin Fust, Geschäftsführer des FC Wil

Bild: Michel Canonica

Beim FC Wil ist bereits jetzt Kurzarbeit definitiv beantragt, rückwirkend dürfte sie ab etwa Mitte März gelten. Dabei übernimmt der Bund wie bei Kurzarbeit vorgesehen 80 Prozent des Verdienstausfalls, das heisst, es müssen sowohl Spieler wie der gesamte Staff auf 20 Prozent ihres Lohnes verzichten. In persönlichen Gesprächen hätten alle Spieler und die gesamte Belegschaft die Einwilligung dafür gegeben, sagt Geschäftsführer Benjamin Fust. «Eine grossartige Solidarität, welche alle Beteiligten hier zeigen». Wenn Kurzarbeit eingeführt wird, steht es dem Arbeitgeber frei, den Lohn mit einem eigenen Beitrag auf 100 Prozent aufzustocken  – der FC Wil sieht sich aus Liquiditätsgründen nicht in der Lage, dies zu tun, sagt Fust.

Nebst der Kurzarbeit hat der FC Wil auch von der zweiten Hilfestellung des Bundes Gebrauch gemacht. Ein Antrag für ein zinsloses Darlehen ist bei der Hausbank gestellt – das Geld soll in diesen Tagen unkompliziert zum FC Wil fliessen. Wie hoch dieser Betrag ist, macht Fust nicht öffentlich. «Es sind aber nicht die maximal zinsfrei möglichen 500'000 Franken.» Es gehe darum, damit kurz- und mittelfristige Einnahmenausfälle zu kompensieren. In den kommenden fünf bis sieben Jahren muss der Betrag jedoch zurückbezahlt sein.

«Corona bringt uns nicht innerhalb kurzer Zeit an den Abgrund»

Der FC St.Gallen seinerseits verzichtet vorläufig auch auf dieses Darlehen. «Es gehört aber zu den Instrumenten, die wir geprüft haben und bei Bedarf einsetzen werden», so Hüppi. Der Club wolle aber keine Kredite auf Vorrat aufnehmen, solange die Engpässe nicht akut seien.

Wovon wohl weder der FC St.Gallen noch der FC Wil profitieren werden, ist das vom Bund geplante Hilfspaket von 50 Millionen Franken für den Schweizer Profisport – ebenfalls als Darlehen. Geholfen wird mit jenem Geld erst bei nachgewiesener Zahlungsunfähigkeit und damit also wohl nur den Clubs, die kurz vor dem Kollaps stehen.

«Corona bringt uns nicht innerhalb kurzer Zeit an den Abgrund», sagt Hüppi. Was unter anderem mit einem «gesunden Lohngefüge» des
FC St.Gallen zu tun habe. Und der Bescheidenheit beim Geldausgeben in den vergangenen zwei Jahren. Die Krise, so scheint bei Hüppis Aussagen durchzuschimmern, könnte diese Haltung auch langfristig belohnen. Was nicht heisse, dass man sich nicht zur Decke strecken müsse.

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