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Kolumne

Gegentribüne: Jammern hilft dem FC St.Gallen nicht weiter

Der FC Lugano lieferte am Sonntag eine Blaupause, wie der FC St.Gallen auf ziemlich einfache Weise besiegt werden kann. Die momentane Situation ist für Zeidlers Team nicht einfach, weil sie die Spielauffassung des Trainers grundsätzlich in Frage stellt. Zudem klagt der Trainer nach wie vor über den Ausfall von Topstürmer Cedric Itten.
Fredi Kurth
Fredi Kurth (Bild. Urs Jaudas)

Fredi Kurth (Bild. Urs Jaudas)

Den Ball möglichst lange vom eigenen Strafraum fernhalten. Das wollten sich die St.Galler nach dem Spiel gegen Basel vornehmen. Das gelang im Tessin während ungefähr 85 Minuten. Doch der Gegner erzielte in der restlichen Spielzeit nicht weniger als drei Tore auf ziemlich lockere Weise.

St.Gallens Taktik mit andauerndem Pressing funktionierte auch deshalb nicht, weil vor dem gegnerischen Tor niemand den entscheidenden Pass spielen konnte. Die alternativen Weitschüsse waren alle harmlos.

Widerstand statt Kreativität

Der Trend ist zurzeit nicht gerade St.Gallens Freund. Die Mannschaften, die Probleme haben - Xamax, Lugano, Luzern, Grasshoppers, Sion - verschanzen sich zuerst einmal in der Defensive, während St.Gallen von Anpfiff weg zu stürmen versucht und dort meistens gegen eine Wand rennt. Die Desperados der Liga sind damit nicht unbedingt erfolgreicher, aber defensive Widerstandsbewegungen können zu ulkigen Bilanzen führen. So hat der FC Luzern in den vergangenen fünf Spielen vier verloren, den einzigen Sieg aber beim bis dahin verlustpuntklosen Meister Young Boys errungen.

Weiter so? Oder sich anpassen?

Der FC St.Gallen befindet sich auch deshalb in einer kritischen Lage, weil er sich Niederlagen gegen Mannschaften wie Lugano nicht allzu häufig leisten kann. Doch just solche Gegner wissen nun, wie sie sich gegen St.Gallen verhalten müssen. Stellt sich die Frage, wie die Antwort der Grün-Weissen ausfallen sollte.

Es gibt zwei Möglichkeiten: An der jetzigen Spielweise festhalten und sich in ihr verbessern. Oder sich anpassen und das schnelle Umschaltspiel vermehrt von weiter hinten lancieren, um (wie Lugano am Sonntag) vor dem gegnerischen Tor mehr Raum vorzufinden. An schnellen Leuten wie Kutesa, Bakayoko, Tafer oder Lüchinger, wenn wieder fit, würde es nicht fehlen.

Zur Pause im Cornaredo lautete das Chancenverhältnis paradoxerweise 4:4. Aber St.Gallen hatte vier halbbatzige Möglichkeiten, Lugano vier glasklare. Im Grunde zeigte die Mannschaft die erwähnte Justierung im System Zeidler schon einmal im Heimspiel gegen Lugano, als St.Gallen den defensiven Gegner in der ersten Halbzeit stets im Griff hatte und dennoch zu Chancen und zwei Toren kam, ehe es dann drunter und drüber ging.

Die Fälle Tachie-Mensah und Imhof

Zeidler erwähnte auch in Lugano die Absenz von Cedric Itten, die nun stark ins Gewicht fällt. Es tauchen in der Vereinsgeschichte nicht viele Vorfälle auf, die derart ins Mark der Leistungsfähigkeit gingen wie nun der Ausfall des Topstürmers. Gar zweimal hatte es Alex Tachie-Mensah erwischt, als er beide Male nach Attacken desselben Spielers, nämlich Boris Smiljanic, für lange Zeit ausser Gefecht war. Damals konnte dem Verursacher keine Absicht unterstellt werden. Doch Schiedsrichterin Nicole Petignat hatte davor bereits in internem Kreis gewarnt: Es gelte, Alex vor Verletzungsabsicht durch die Gegner zu schützen. Der ghanaische Stürmer leistete sich selber viele Foulspiele, allerdings meistens harmloser Art, die aber die Verteidiger nicht gewohnt waren.

Umgekehrt hatte ein St.Galler Fussballer mit einer Intervention die Karriere eines Gegenspielers beendet: Daniel Imhof war um Sekundenbruchteile schneller am Ball als Roberto di Matteo, der im Europacupmatch mit Chelsea wegen der damals erlittenen Beinverletzung nie mehr aufs Spielfeld zurückkehrte. Auch Imhof wurde von jeder Schuld freigesprochen. Heute würde solches Einsteigen oder jenes von Smiljanic wahrscheinlich anders beurteilt, weil es die Gesundheit des Gegners gefährdet hat.

Der Status von Cedric Itten

Peter Zeidler hatte schon vor Ittens Verletzung den Wert dieses Spielers betont. Er meinte damit vor allem die fussballerische Qualität. Aber Itten hat – so materiell ist der Fussball nun mal – auch einen Marktwert. Und er gehört zu den wenigen St.Galler Spielern, die später einmal mit Erlös transferiert werden könnten. Natürlich bewegt sich solche Gedankenspielerei zurzeit weit weg von der Realität. Und vielleicht gefällt es Itten bei vollständiger Genesung in St.Gallen so gut, dass er viele Jahre noch im Kybunpark verbringen will...

Auf jeden Fall hilft Jammern, das weiss auch Zeidler, nicht weiter. Itten hätte ja auch durch andere Umstände, Verletzung im Training oder durch Krankheit, länger ausfallen können. Nicht zuletzt gibt es noch andere mildernde Umstände für die aktuelle Baisse: Die Verletzung von Nicolas Lüchinger und die ständigen, meistens unfreiwilligen Wechsel in der Teamformation, die ebenfalls eine Kontinuität erschweren.

Der FC Zürich und zweimal Sion

Vielleicht ist der FC Zürich am nächsten Sonntag ein Gegner, der sich nicht ausschliesslich auf den FC St.Gallen ausrichtet, der selber Fussball kreiert und damit zu einem offeneren Spielgeschehen beiträgt. Danach folgen die beiden Spiele gegen Sion in Cup und Meisterschaft. Ankündigungen, die reizvoller nicht sein könnten.

Aufgefallen

Die Olma beklagt die tiefste Besucherzahl seit 40 Jahren. Das erstaunt nicht. Der Tradition verpflichtete Veranstaltungen erleben den Schrumpfkurs all überall. Nicht zuletzt, wenn sie in die Ferienzeit fallen. Das erlebte am Wochenende auch die Super League. Basel vermeldete nur noch knapp 25'000 Zuschauer, Luzern nach dem Exploit gegen YB etwas mehr als 8000, Sion gegen Grasshoppers nicht viel mehr, der hoch fliegende FC Zürich im Spitzenkampf gegen die Young Boys nicht einmal 13'000 Fans. Nur 3000 sahen Lugano gegen St.Gallen, gleichviele wie Winterhur eine Liga tiefer gegen Vaduz. Das stets steigende Angebot führt zu stets kleineren Stücken des Freizeitkuchens.

Ja, wohin gehen sie denn stattdessen, die vielen Menschen in ihrer grenzenlosen Mobilität? Das Tagblatt liefert am Montag gleich oberhalb der Olma-Schlagzeile die Antwort: Auf den Baumwipfelpfad im Neckertal. Der wird vom Publikum überrannt. Doch es fehlen Parkplätze, die Besucherströme verlaufen falsch und Anwohner fühlen sich belästigt. Oh Herrje, wann wir der Mensch je wieder zufrieden sein und Ruhe finden?

Auch ich war unterwegs, in Süddeutschland, in Städten mit weitgehend unversehrter oder renovierter Altstadt und mächtigen Burgen. In Heidelberg, Frankfurt und Marburg. Ja auch Mainhatten hat inmitten seiner Wolkenkratzer einen romantischen Kern, am Römer. Und er hat die Bundesliga, eine der eher seltenen traditionsreichen Institutionen, die noch boomt. Freitagabend, die Eintracht gegen Fortuna Düsseldorf lag am Weg. Da hätten wir aber ein schönes Gurkenspiel ausgelesen, schnödete mein Umfeld. Von wegen. 51'000, sofern nicht Anhänger der glücklosen Fortuna, waren im Delirium. Zur Pause stand es 3:0. Doch Adi Hütters Leute hörten nicht auf zu stürmen. Am Schluss stand es 7:1. Luka Jovic trifft allein fünfmal, Rekord in Frankfurts Bundesligageschichte. Trainer wie der Vorarlberger Adi Hütter oder der Westschweizer Lucien Favre tun der Bundesliga gut. Doch auch hier hat der Boom Schattenseiten. Wir mussten vor lediglich einem halben Dutzend Eingangsschleusen für die gesamte Gegentribüne 20 Minuten im Dichtestress warten, ehe wir Einlass erhielten. Der Sitzplatz neben mir und meinem Kollegen war erst mit dem Anpfiff belegt - ebenfalls von einem Schweizer, wie sich herausstellen sollte, ein junger Angestellter der Rhätischen Bahn im Engadin. Er hat Ferien bis 2. November und besucht jeden Tag ein Fussballspiel. Am Tag danach in Halle, am Sonntag in Rostock, am Montag bei Rom das Spiel von Benevento in der Serie B. Später reist er noch zu einem Derby in Edinburgh, nach Belgien und nach Russland zu einem Match von ZSKA Moskau, und so weiter immerfort. Die Eintracht ist ihm ans Herz gewachsen wegen der tollen Blockkulisse. Aber er beweist: Man muss nicht unbedingt Fan einer Mannschaft, man kann auch einfach Fan des Fussballs sein. (th)

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