Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Faustschläge, Schüsse und ein Messer: Staatsanwaltschaft St.Gallen fordert 3,5 Jahre nach geplatztem Drogendeal

Im Mai 2016 überfielen drei Männer bei einem vermeintlichen Marihuanahandel den Dealer. Dabei fielen Schüsse, die einen der Männer verletzten. Drei der Beschuldigten standen am Montag vor Gericht, der vierte ist flüchtig.
Claudia Schmid
Das Kreisgericht St.Gallen wird die vier Urteile später bekanntgeben. (Bild: Keystone)

Das Kreisgericht St.Gallen wird die vier Urteile später bekanntgeben. (Bild: Keystone)

Vor Schranken sassen ein 21-jähriger Schweizer, ein 25-jähriger Iraker und ein 23-jähriger Äthiopier. Der vierte Beschuldigte befand sich seit August 2016 im vorzeitigen Strafvollzug, von wo er im März 2017 flüchtete. Seither hält sich der 23-jährige Türke an einem unbekannten Ort auf.

Vermeintlicher Deal vereinbart

In der Befragung des vorsitzenden Richters gaben sowohl der Iraker als auch der Äthiopier übereinstimmend an, sie seien vom flüchtigen Türken dazu überredet worden, beim Überfall auf den Marihuanahändler mitzumachen. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass dieser bei Bekannten nachfragte, um ein geeignetes Opfer zu finden. Schliesslich fiel die Wahl auf einen 21-jährigen Schweizer, der Anfang 2015 damit begonnen hatte, mit Marihuana zu dealen. Bis zu seiner Festnahme im Mai 2016 soll er über zwei Kilo mit einem THC-Gehalt zwischen 12 und 17 Prozent verkauft haben.

Der Türke nahm Kontakt mit dem jungen Dealer auf und gab an, eine grössere Menge Marihuana kaufen zu wollen. Dieser bestellte die vermeintlichen Kunden in die Wohnung seiner Kumpels in St.Gallen. Am 25. Mai 2016 gingen der Türke und der Iraker an den vereinbarten Treffpunkt. Er habe sich auf die Sache eingelassen, weil er in Geldnöten gewesen sei, erklärte der Iraker, der während des Deals angeschossen wurde, an der Gerichtsverhandlung. Niemals aber habe er daran gedacht, dass die Situation derart eskalieren könnte. Mit dabei war der Äthiopier, der vor der Türe Schmiere stehen sollte. Er habe von Anfang an gesagt, er wolle mit dem Überfall nichts zu tun haben, betonte dieser.

Aus dem Ruder gelaufen

Als das Duo in der Wohnung eintraf, befanden sich der Marihuanahändler, seine Freundin und zwei seiner Kumpels dort. Nach den Schilderungen aller drei Beschuldigten ging es nicht lange, bis die Situation aus dem Ruder lief. Der Türke gab zunächst vor, das Geld für die 700 Gramm Marihuana dem Händler zu übergeben. Stattdessen schlug er ihm unvermittelt die Faust ins Gesicht. Der Schweizer ging zu Boden und schlug den Hinterkopf so hart an, dass er für einige Zeit bewusstlos liegen blieb.

Fast gleichzeitig kam es laut der Staatsanwaltschaft zu einem Handgemenge zwischen dem Iraker und den beiden Kumpels des Marihuanahändlers. Der Türke nahm daraufhin sein Klappmesser hervor, fügte dem einen Anwesenden eine leichte Schnittverletzung im Gesicht zu und bedrohte die Freundin des Schweizers. In der Zwischenzeit war der Marihuanahändler aus der Bewusstlosigkeit erwacht, zog eine Faustfeuerwaffe und gab auf seine Angreifer vier Schüsse ab. Zwei trafen den Iraker in je einen Oberarm. Er habe in völliger Panik geschossen, betonte der Schütze. Er habe auf keinen Fall jemanden verletzen wollen.

Freiheitsstrafen drohen

Der Staatsanwalt bezeichnete die Tat der vier Beschuldigten als schwer. Sie mute nahezu filmreif an. Für den Schweizer Marihuanahändler forderte er eine Freiheitsstrafe von 3,5 Jahren und für den Iraker, der zusätzlich im August 2016 einen Mann niedergeschlagen hatte, eine teilbedingte Freiheitsstrafe von 3 Jahren. Für den flüchtigen Türken beantragte er 19 Monate und für den Äthiopier 14 Monate bedingt, eine Geldstrafe und eine Busse.

Für die Verteidigerin und die drei Verteidiger war die Höhe der beantragten Sanktion zu hoch. Sie verlangten einzelne Freisprüche und deutlich tiefere Strafen: zwischen 16 und 24 Monate für den Schweizer, 24 Monate bedingt und eine Busse für den Iraker, 13 Monate für den Türken sowie eine bedingte Geldstrafe und eine Busse für den Äthiopier. Das Kreisgericht St.Gallen wird die vier Urteile später bekanntgeben.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.