Fastfood gegen Taxifahrer

Der Betreiber eines St. Galler Fastfood-Restaurants musste sich wegen einfacher Körperverletzung vor dem Kreisgericht verantworten. Er bestritt, zusammen mit zwei Bekannten einen Taxifahrer mit Faustschlägen traktiert zu haben.

Claudia Schmid
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ST. GALLEN. Zwischen dem Betreiber des Fastfood-Restaurants und dem Taxifahrer kam es laut Anklageschrift zu einem Disput, weil das Taxi mehrmals direkt vor dem Imbiss abgestellt wurde. Einen Tag später, am 9. September 2011, hatte der Taxifahrer sein Auto auf der anderen Strassenseite innerhalb des markierten Taxistandplatzes am Marktplatz in der Stadt St. Gallen abgestellt. Er stieg aus und unterhielt sich mit Kollegen. Plötzlich soll der Imbissbetreiber auf ihn zu gekommen sein und ihm die Faust ins Gesicht geschlagen haben. Schliesslich hätten ihn auch zwei weitere Männer aus dem Fastfood-Laden traktiert, heisst es in der Anklageschrift. Das Opfer musste eine blutende Rissquetschwunde nähen lassen.

Nach Abgasen gestunken

Der Beschuldigte bestritt die Tat. Der Taxifahrer habe jeweils am Wochenende seinen Wagen direkt vor der Türe des Fastfood-Restaurants parkiert. Es habe nach Abgasen gestunken, wodurch die Gäste beim Essen gestört worden seien. Er habe ihn gewarnt, aber nicht geschlagen. Auch die beiden anderen Beschuldigten betonten, sie hätten den Taxifahrer nicht mit Fäusten traktiert. Der eine sagte, er sei vom Imbiss zum Taxistand gegangen, weil er dort einen Tumult bemerkt habe. Unvermittelt sei er von hinten angefallen worden. Aus Notwehr habe er einen Faustschlag ausgeteilt. Dieser habe aber nicht den Taxifahrer getroffen. Der andere Beschuldigte erklärte, er habe den Imbissladen gar nie verlassen.

Genugtuung gefordert

Die Staatsanwaltschaft beantragte für die drei Männer bedingte Geldstrafen und Bussen. Die Rechtsvertreterin des Opfers forderte für ihren Mandanten eine Genugtuungssumme von 3000 Franken, die von den Beschuldigten solidarisch zu bezahlen sei. Bei den Aussagen der Drei handle es sich um reine Schutzbehauptungen, betonte sie. Ein weiterer Taxifahrer, der das Geschehen beobachtet habe, bestätige die Schilderungen des Opfers.

Es gehe nicht an, dass man zuschlage, nur weil man auf jemanden sauer sei. Es gebe Hinweise, dass jemand beim Chef des Taxifahrers angerufen und Geld geboten habe, wenn die Strafanzeige zurückgezogen werde. Auch dies sei ein klares Indiz, dass die drei Männer schuldig seien.

Beweise fehlen

Der Verteidiger des Fastfood-Betreibers forderte einen Freispruch. Die Zeugenaussagen seien widersprüchlich, möglicherweise abgesprochen. Der Vorfall habe sich ausserdem in der Nacht ereignet. Von der Ferne habe das Geschehen gar nicht genau beobachtet werden können. Wie das Opfer zu seinen Verletzungen gekommen sei, könne nicht eruiert werden. Wer beim Chef des Taxifahrers angerufen habe, sei nicht klar. Mit Sicherheit sei es aber nicht sein Mandant gewesen, da er nur gebrochen Deutsch rede.

Das Kreisgericht St. Gallen verurteilte den Betreiber des Fastfood-Restaurants zu einer bedingten Geldstrafe von 90 Tagessätzen à 90 Franken mit einer Probezeit von zwei Jahren und einer Busse von 1000 Franken. Die beiden Mitangeklagten sprach es frei. Nach Ansicht des Einzelrichters waren die beiden am Tatort zwar dabei, doch sei es nicht rechtsgenüglich erwiesen, dass sie auch zugeschlagen hätten.