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«Ich verzichte auf Facebook, Youtube, Filme, Fernsehen und Süssigkeiten» – junge Ostschweizer zur Fastenzeit

Für 40 Tage das Smartphone im Schrank versorgen, kein Make-up tragen, nicht über Kollegen lästern: Viele Junge aus dem Kanton St.Gallen verzichten während der Fastenzeit auf etwas.
Miranda Diggelmann
In der Fastenzeit wird typischerweise auf Laster wie Alkohol, ungesundes Essen, Zigaretten oder das Handy verzichtet. (Bild: Reto Martin)

In der Fastenzeit wird typischerweise auf Laster wie Alkohol, ungesundes Essen, Zigaretten oder das Handy verzichtet. (Bild: Reto Martin)

40 Tage ohne Süssigkeiten oder Social Media? Für viele junge Erwachsene ist das undenkbar, andere hingegen fasten freiwillig. 160 junge Frauen und Männer – so viele wie noch nie – haben sich für die diesjährige Verzichtaktion «40 Tage ohne» angemeldet, die jedes Jahr während der Fastenzeit stattfindet. Die Aktion wird von Freiwilligen des Netzwerks Junge Erwachsene der evangelisch-reformierten Kirche im Kanton St.Gallen organisiert, dieses Jahr bereits zum elften Mal. Unterstützt werden die 18- bis 35-Jährigen von der Fachstelle Kirchliche Jugendarbeit des Bistums St.Gallen und von der Arbeitsstelle Junge Erwachsene.

Eine junge Frau, die aktuell fastet, ist Lea Müller aus Diepoldsau. Sie will, wie viele andere auch, auf negatives Verhalten verzichten. Die 21-Jährige ist Teil des siebenköpfigen Organisationskomitees von «40 Tage ohne». Sie verschiebt, was sie heute kann besorgen, nicht – wie sonst – auf morgen. Ausserdem will sie der Umwelt zuliebe auf unnötigen Ressourcenverbrauch verzichten. «Ich versuche beispielsweise, möglichst wenig das Auto, dafür öfter das Velo zu benutzen. Ausserdem will ich möglichst wenig Abfall produzieren, indem ich etwa Essen vorkoche», sagt die Studentin.

Lea Müller, 21, Diepoldsau (Bild: PD)

Lea Müller, 21, Diepoldsau (Bild: PD)

Lea Müller war einst Praktikantin bei der evangelisch-reformierten Kantonalkirche, weshalb sie auf das Projekt aufmerksam wurde. «Challenges sind immer cool», erklärt sie ihre Motivation, bei «40 Tage ohne» mitzumachen. Auch ihre Familie konnte sie von der Aktion überzeugen. «Wenn man es nicht alleine durchzieht, fällt es einem einfacher. So kann man sich austauschen.» Lea Müller macht dieses Jahr schon zum dritten Mal bei der Verzichtaktion mit und will es auch künftig tun. «Danach ist man immer wieder sehr dankbar für alles, das man hat.» Ihre ­Vorsätze will sie auch nach der Fastenzeit beibehalten.

«Mit der Teilnahme zeigen junge Erwachsene, was sie im Alltag als Einschränkung erleben oder was sie einfach einmal ausprobieren wollen», sagt Rachel Fischer, Projektleiterin von «40 Tage ohne». Einigen werde in dieser Zeit ihr Konsumverhalten bewusster, andere würden gar dauerhaft beim Verzicht bleiben. Die Aktion will den Austausch zwischen den Teilnehmenden fördern. Es werden Erlebnisberichte geschrieben, motivierende Sprüche per Whats­app versendet. Viele der Teilnehmenden waren schon im vergangenen Jahr dabei.

Verzicht auf Social Media ist beliebt

Thomas Huber, 25, Kirchberg (Bild: PD)

Thomas Huber, 25, Kirchberg (Bild: PD)

Auffallend viele verzichten auf moderne Technik wie etwa das Smartphone oder Social Media. Rückmeldungen zeigen, dass ­ sie dies als ein «Auftauchen aus der Flut von Informationen» empfinden. Auch Thomas Huber aus Kirchberg, ebenfalls im OK, fastet seit Aschermittwoch. «Ich verzichte auf Facebook, Youtube, Filme, Fernsehen und Süssigkeiten», sagt der 25-Jährige. Stattdessen versucht er, in dieser Zeit jemandem eine Freude zu machen. «Bisher habe ich einige Postkarten versendet, den Mitarbeitern einen Znüni mitgebracht oder die Abschlussarbeit meiner Schwester gegengelesen und korrigiert.» Dem Kaufmann fällt die Verzichtaktion bis jetzt nicht schwer, auch wenn er schon manchmal Lust auf ein Stück Kuchen hätte. «Schliesslich mache ich es ja ­freiwillig. Es ist ein gutes Gefühl, seine Zeit nicht mehr unnötig zu vertreiben.» Auch für ihn ist es nicht das erste Mal, dass er bei «40 Tage ohne» mitmacht. Schon vergangenes Jahr hat er auf Facebook verzichtet.

«Die Bedeutung des Feiertags wahrnehmen»

Sibylle Künzle, 26, Herisau (Bild: PD)

Sibylle Künzle, 26, Herisau (Bild: PD)

Nicht ganz so leicht wie Thomas Huber fällt das Fasten Sibylle Künzle. Die 26-Jährige verzichtet schon zum vierten Mal auf Schokolade. «Für gewöhnlich konsumiere ich fast täglich Schokolade. Einfach ist es also nicht», sagt die Schulsozialarbeiterin. Trotzdem nimmt sie immer wieder gerne an ­«40 Tage ohne» teil. «Es ist eine tolle Vorbereitung für Ostern. So kann ich jedes Mal wieder die eigentliche Bedeutung des Feiertags wahrnehmen.» Die Herisauerin zieht das Projekt gemeinsam mit einer Freundin durch. «So können wir uns gegenseitig motivieren, das hilft sehr.»

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