Fast die Hälfte mit illegalen Substanzen

ST.GALLEN. Amtliche Kontrollen im Internet sind schwierig. Das musste auch der Kanton St. Gallen feststellen, als er den Handel mit Nahrungsergänzungsmitteln überprüfen wollte. Zu einem Ergebnis kam er trotzdem. Zwei Verkaufsverbote wurden ausgesprochen.

Marion Loher
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Ein schwieriges Unterfangen: Der Kanton St.Gallen kontrollierte den Onlinehandel von Nahrungsergänzungsmitteln. (Bild: Keystone/Symbol)

Ein schwieriges Unterfangen: Der Kanton St.Gallen kontrollierte den Onlinehandel von Nahrungsergänzungsmitteln. (Bild: Keystone/Symbol)

Viele Menschen ergänzen heutzutage ihr tägliches Essen mit Produkten, die Vitamine, Mineralstoffe oder sonstige Stoffe in konzentrierter Form enthalten. Solche Nahrungsergänzungsmittel werden immer häufiger im Internet gekauft. Der Onlinehandel mit Speziallebensmitteln floriert. In diese Gruppe gehört auch die Ergänzungsnahrung. Das sind Lebensmittel für Personen, die einen erhöhten Bedarf an Energie- oder Nährstoffen haben, wie etwa Sportler. Mit der Ergänzungsnahrung wird der Mehrbedarf abgedeckt.

Das globale Onlineangebot an Speziallebensmitteln ist gross, und angesichts der Anonymität, die im Internet herrscht, finden sich oft auch unseriöse Angebote. So werden unter dem Namen «Speziallebensmittel» auch Produkte verkauft, die angeblich einen positiven Einfluss auf die Gewichtsreduktion, die Potenz oder den Muskelaufbau haben. Um die versprochenen Effekte zu erreichen, werden unter anderem auch Substanzen beigemischt, die in Lebensmitteln nicht zulässig und zum Teil gesundheitsgefährdend sind.

Adresse des Amtes erkannt

Das Amt für Verbraucherschutz und Veterinärwesen des Kantons St.Gallen wollte deshalb den Onlinehandel mit Ergänzungsnahrungsmitteln kontrollieren. Das Amt musste allerdings feststellen, dass es unter Angabe der Amtsadresse schwierig ist, solche Produkte im Internet zu kaufen. Bestellt wurde bei vier verschiedenen Anbietern mit Schweizer Website, wie das Amt mitteilt. Ein Anbieter habe das Produkt anstandslos geliefert.

Bei einem zweiten Anbieter konnte zwar bestellt werden, es hiess dann aber, das Produkt sei seit längerem nicht mehr im Sortiment. Gemäss Anpreisung enthielt es ein nicht zulässiges Pflanzenextrakt, dessen Inhaltsstoff in der Schweiz verboten ist. «Immerhin konnten wir mit unserer Bestellung bewirken, dass das Produkt aus dem Webshop entfernt wurde und jetzt nicht mehr bestellt werden kann», sagt der stellvertretende Kantonschemiker Klaus Luczynski.

22 Proben untersucht

Bei den anderen beiden Anbietern waren die vom Amt gewünschten Produkte nicht mehr erhältlich. Stattdessen wurden zwei «harmlose» Sportlerprodukte mit der Angabe «ohne Stimulanzien» empfohlen. Dem Amt schien das verdächtig und es bestellte die anscheinend nicht lieferbaren Produkte an eine Privatadresse. Es funktionierte. Die Personen hinter der Website seien sich offensichtlich bewusst gewesen, dass ein Gesetzesverstoss vorliege, sagt Luczynski. Nebst den beiden online bestellten Produkten untersuchte das Amt 20 weitere Nahrungsergänzungsmittel. Diese wurden als Proben aus dem Sortiment von Geschäften erhoben.

Das Ergebnis: Beinahe die Hälfte aller Produkte entsprach nicht den Anforderungen des Lebensmittelgesetzes. Ein solches Ausmass habe man nicht erwartet, sagt der stellvertretende Kantonschemiker. Entweder enthielten diese Proben unzulässige Substanzen, oder die zugesetzten Vitamine oder Mineralstoffe waren deutlich überdosiert. Sieben Produkte wurden beanstandet, gegen zwei Produkte sprach das Amt gar ein Verkaufsverbote aus. Alle Proben stammen gemäss Luczynski von Anbietern aus dem Kanton St.Gallen.