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Fast alle Thurgauer Jugendliche kommen nach der Schule unter

Das gab es noch nie: 98,5 Prozent der Schulabgänger im Kanton Thurgau haben eine Anschlusslösung gefunden.
Christian Kamm
Für alle Jugendlichen das passende Angebot: Ernst Kurzbein, Marcel Volkart und Stefan Curiger (von links) vom Amt für Berufsbildung und Berufsberatung Thurgau. (Bild: Reto Martin)

Für alle Jugendlichen das passende Angebot: Ernst Kurzbein, Marcel Volkart und Stefan Curiger (von links) vom Amt für Berufsbildung und Berufsberatung Thurgau. (Bild: Reto Martin)

Schon vor einem Jahr konnte das Thurgauer Amt für Berufsbildung und Berufsberatung mit positiven Nachrichten aufwarten. Damals kamen 97,5 Prozent aller Schulabgänger in einer Berufsausbildung, einer weiterführenden Schule oder in einem Brückangebot unter. Dass es sogar noch besser geht, bewies am Freitag eine Medienorientierung des Amtes zur aktuellen Situation: Mit Stichtag 20. Juni 2019 haben diesmal sogar 98,5 Prozent eine Anschlusslösung gefunden. «Wir sind schon ein bisschen stolz», sagte Ernst Kurzbein, Leiter Berufs- und Studienberatung. «Solche Zahlen hatten wir noch nie.»

Drei Viertel machen eine Berufslehre

Für den KMU-Kanton Thurgau besonder erfreulich: Rund drei Viertel und damit die grosse Mehrheit der Schulabgänger (1869 oder 73,3 Prozent) ergreifen eine Berufslehre. Für 12,6 Prozent (322) führt der Weg an eine weiterführende Schule, ebenfalls 12,6 Prozent (323) nutzen das Brückenangebot und andere Anschlusslösungen. Lediglich 38 Schulabgänger (1,5 Prozent) stehen noch ohne eine Lösung da. Letzteres sei zudem eine Momentaufnahme, so Kurzbein. Beim Kanton geht man davon aus, dass diese Zahl in den kommenden Wochen noch leicht sinken wird.

Alles eitel Sonnenschein also in der Thurgauer Berufsbildung? Nicht ganz. Denn es gibt trotz weiterhin anhaltender Schönwetterlage auch Verlierer. Zuvorderst die 470 Lehrstellen, die bis dato nicht besetzt werden konnten − gleich viele wie schon vor einem Jahr. «Der Trend der letzten Jahre, dass es für die Betriebe zunehmend schwierig ist, geeignete Lernende für anspruchsvolle technische Berufe zu finden, setzt sich fort», sagte Kurzbein. Oft werde der Berufswunsch der Jugendlichen einseitig von den Interessen geleitet. Am Amt liege es dann, auf die jeweiligen Anforderungen hinzuweisen. Denn: «Ein leidenschaftlicher Gamer ist noch nicht unbedingt ein guter Informatiker.»

Kaufmann und Kauffrau ungebrochen an der Spitze

Zu den Branchen, die besonders Mühe haben, genügend Berufsnachwuchs zu rekrutieren, gehören Landwirtschaft, Detailhandel, Elektro, Haustechnik, Holzbau, Metallbau und Auto. Wenig Konjunktur haben unter den Jugendlichen die Berufe Maurer, Parkettleger oder Gärtner. Umgekehrt wird die Ausbildungshitparade wie gewohnt angeführt von Kaufmann/Kauffrau (258 Lehrverträge), gefolgt von Fachfrau Gesundheit (139), Detailhandel (116), Fachfrau Betreuung (70), Schreiner (53) und Polymechaniker (50).

Auch das Thema Lehrabbrecher beschäftigt den Kanton zunehmend. Diese werden neu systematisch erfasst. Nach ersten Erkenntnissen liegt laut Stefan Curiger, Leiter Berufliche Bildung, die Quote der Abbrecher bei neun Prozent. Allerdings sind in dieser Zahl auch jene Lehrlinge enthalten, die zeitnah in eine andere Ausbildung beziehungsweise Anschlusslösung wechseln. Und das gelingt im Thurgau zwei Drittel der Betroffenen innerhalb von drei Monaten. Alle anderen werden von der Berufsberatung telefonisch kontaktiert, sagte Marcel Volkart, Chef des Amtes für Berufsbildung und Berufsberatung. Weil sie in keinem System mehr registriert seien, verschwänden sie sonst sehr oft vom Radar. «Es ist wichtig, dass man sie begleitet.» Vielfach hätten die Jugendlichen in dieser Zeit auch eine Krise.

Niederschwelliges Angebot: Noch keine Anmeldung

Noch nicht richtig in die Gänge gekommen ist das niederschwellige Ausbildungsangebot, das der Kanton Thurgau mit Beginn des Schuljahres 18/19 geschaffen hat. Vorausgegangen war im Grossen Rat ein zähes politisches Ringen, weshalb sogar zwei Anläufe nötig waren. Das neu geschaffene Angebot bietet kognitiv schwachen Jugendlichen eine zweijährige Ausbildung ausserhalb der beruflichen Grundbildung (eidgenössisches Fähigkeitszeugnis beziehungsweise Attest). Fünf Lernende haben letztes Jahr mit der Ausbildung begonnen. «Für das neue Schuljahr sind noch keine Anmeldungen eingegangen», orientierte Volkart.

Bei den Verantwortlichen führt man das darauf zurück, dass das Angebot noch zu wenig bekannt sei und Ausbildungsplätze schwierig zu finden seien. «Ohne einen Ausbildungsvertrag von zwei Jahren für die Jugendlichen geht nichts.» Auch habe man gemerkt, dass die Jugendlichen selber, wenn immer möglich, doch eine Ausbildung mit eidgenössischem Attest anstrebten. Kurzbein appellierte an interessierte Eltern und Jugendliche, sich beim Berufsbildungsamt in Frauenfeld zu melden. «Wir können helfen und Tipps geben.» Die Erfahrungen sind, so Amtschef Volkart, positiv: «Mit den Jugendlichen, die in dieser Ausbildung drin sind, läuft es gut.»

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