Fast alle fühlen sich sicher

Gemäss einer Studie ist die Kriminalität in der Schweiz rückläufig und der Kanton St. Gallen sicher. Trotzdem haben vor allem Frauen Angst, nachts Opfer eines Verbrechens zu werden.

Larissa Flammer
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Die Kantonspolizei St. Gallen wird die Präsenz der mobilen uniformierten Beamten in den nächsten Jahren erheblich ausbauen. (Bild: Coralie Wenger)

Die Kantonspolizei St. Gallen wird die Präsenz der mobilen uniformierten Beamten in den nächsten Jahren erheblich ausbauen. (Bild: Coralie Wenger)

ST. GALLEN. Während vieler Jahre stieg die Kriminalität landesweit an, bis sie etwa 2011 in der Schweiz einen Höhepunkt erreichte. Jetzt zeichnet sich eine Trendwende ab. Bei fast allen Deliktarten sind die Zahlen rückläufig. Der Kanton St. Gallen ist dabei ein «besonders sicherer Kanton», wie eine Studie belegt. In St. Gallen gibt es eine tiefe Anzahl begangener Delikte und Opfer, die Zahlen liegen unter dem landesweiten Durchschnitt.

Kantonale Auswertung

Seit 1984 untersucht alle paar Jahre eine Studie, wie sicher die Schweiz ist. 2000 Schweizerinnen und Schweizer haben in der aktuellen Sicherheitsbefragung Auskunft darüber gegeben, ob sie Opfer von Straftaten geworden sind, wie sicher sie sich fühlen, und wie sie die Polizei bewerten. Im Unterschied zur polizeilichen Kriminalstatistik berücksichtigt die Studie auch Straftaten, bei denen keine Anzeige erstattet wurde. Die Stichprobe und damit die Studie sind repräsentativ. Der Kanton St. Gallen hat zur gesamtschweizerischen Studie eine kantonsspezifische Zusatzauswertung in Auftrag gegeben.

Bevölkerung vertraut der Polizei

Dabei ist herausgekommen, dass 87 Prozent der befragten Personen im Kanton St. Gallen der Polizei vertrauen. Bei der Befragung 2011 waren es erst 74 Prozent. Zudem sind fast zwei Drittel der Befragten der Meinung, die Polizei zeige sich genügend präsent. Damit wird der Kantonspolizei St. Gallen ein gutes Zeugnis ausgestellt. Die Staatskanzlei schreibt dazu in einer Mitteilung: «Die Bevölkerung fühlt sich insgesamt sicher und vertraut der St. Galler Polizei in hohem Masse.»

Trotzdem ist nicht alles positiv. Die Zahlen zu den Einbrüchen bleiben auf einem hohen Niveau. Auch wünschen sich etwas mehr als ein Drittel der befragten Personen, dass die Polizei noch mehr Präsenz zeigt. Polizeikommandant Bruno Zanga sagt dazu: «Es ist an der Politik zu entscheiden, wie viel Personal man der Kantonspolizei zugestehen will, um dem Willen der Bürgerinnen und Bürger gerecht werden zu können.» Laut Staatskanzlei ist dies der Fall: «Die Kantonspolizei wird die uniformierte mobile Polizei und damit ihre Präsenz im öffentlichen Raum in den nächsten Jahren erheblich ausbauen können.»

Hinsichtlich der vielen Einbrüche sagt Zanga: «Nicht zu vergessen sind die aufwendigen Ermittlungen in diesem Bereich. Es reicht nicht, nur an der Front aufzurüsten, die Bearbeitung der Fälle muss ebenso gewährleistet werden.» Die Studie erwähnt als mögliche Ursache für die vielen Einbrüche im Kanton St. Gallen die Nähe zur Grenze.

Seit Jahren verfolgt die Kantonspolizei das Ziel, bei einem Einsatz innert 20 Minuten vor Ort zu sein. Das gelinge fast immer. «Es ist abhängig von unterschiedlichen Faktoren, beispielsweise, ob genug Einsatzkräfte verfügbar sind», erklärt Zanga. Knapp die Hälfte der befragten Bevölkerung ist der Meinung, die Polizei sei in der Regel schnell vor Ort.

Bahnhöfe werden gemieden

Etwas im Kontrast zur rückläufigen Kriminalität im Kanton St. Gallen geben immer noch 26 Prozent der befragten Frauen an, sich nachts alleine auf der Strasse nicht sicher zu fühlen. Fast drei Viertel der Frauen wenden Vermeidungsstrategien an, um nicht Opfer eines Verbrechens zu werden. Sie gehen gewissen Leuten aus dem Weg und meiden Unterführungen, Bahnhöfe, bestimmte Strassen und Plätze. Auch 43 Prozent der Männer verfolgen eine solche Strategie.