Plädoyer einer Fasnächtlerin mit Herzblut: Diese zehn Argumente sprechen für die fünfte Jahreszeit und die Guggenmusik

Gründe, begeistert von der Fasnacht zu sein, gibt es viele. Die besten zehn, mit persönlich angehauchter Note, erzählt eine überzeugte Fasnächtlerin aus der Redaktion.

Eva Wenaweser
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Beim Gossauer Guggenfestival waren 19 Formationen vertreten, auch diese Anzahl zeigt die Begeisterung für die Guggenmusik.

Beim Gossauer Guggenfestival waren 19 Formationen vertreten, auch diese Anzahl zeigt die Begeisterung für die Guggenmusik.

Bild: Urs Bucher

Als begeistertes Mitglied bei der «Guggamusik Plunderhüüsler Schaan» müsste es mir eigentlich leicht fallen, diesen Artikel für die Fasnacht zu schreiben – ganz so leicht ist das dann doch nicht. Nicht, weil es zu wenige Pro-Argumente gibt. Aber es ist schwer, etwas in Worte zu fassen, das man so tief im Herzen fühlt und mit der grössten Überzeugung macht. Daher habe ich am vergangenen Wochenende – es ist ja schliesslich Fasnachts- und somit Guggenzeit – in meinem Verein nachgefragt, was sie dazu bewegt, teilweise schon mehrere Jahrzehnte, diese Leidenschaft zu leben.

Eva Wenaweser, Volontärin Online und begeisterte Fasnächtlerin.

Eva Wenaweser, Volontärin Online und begeisterte Fasnächtlerin.

Bild: Plunderhüüsler Schaan

Mit ihrer Hilfe, wollte ich so viele überzeugende Argumente sammeln wie nur möglich. Und da man sich in so einem Verein gegenseitig hilft, kamen etliche Gründe zusammen – obwohl es Vielen gleich ging und sie der Meinung sind, dass die besten Argumente nicht in Worte zu fassen sind. Wenn ich alle positiven Aspekte der Fasnachtszeit und der Mitgliedschaft in einer Guggenmusik aufzählen würde, wäre die Liste schier endlos. Daher habe ich mich auf die zehn besten, nicht offensichtlichsten Argumente beschränkt.

1. Familie – im übertragenem Sinne

Das Leben in einer Guggenmusik fühlt sich an wie eine zweite Familie. In guten und in schlechten Zeiten ist man füreinander da und kann sich selber sein. Nicht nur in der Fasnachtszeit sieht man einander, denn auch während des Rests vom Jahr hat man mehrere Anlässe, an denen man zusammenkommt. Wenn man Probleme hat – egal welcher Art – kann man sich an jedes Mitglied wenden und man erhält Unterstützung – auch wenn es manchmal nur eine feste Umarmung ist.

2. Familie – im buchstäblichen Sinne

Nicht nur im übertragenen Sinne fühlt man sich als Mitglied in einer Guggenmusik als Teil einer Familie. Oft sind ganze Familien in einer Guggenmusik vertreten: Mann, Frau, Kinder. Auf meine Anfrage hin, hat sich am Wochenende einer meiner Posaunen-Satzkollegen an mich gewandt – seine Antwort hat mich gerührt: Schon lange habe er am Wochenende nicht mehr so viel Zeit mit seiner Tochter verbracht. Da sie ihre Zeit zu einem grossen Teil dem Studium widmet und dafür umgezogen ist, sehen sie sich nicht mehr so häufig, wie es früher der Fall war. Für ihn sei es ein tolles Gefühl, sie neben sich stehen zu haben und so ihre Begeisterung für die Guggenmusik gemeinsam erleben zu dürfen.

«Guggamusik Plunderhüüsler Schaan»

Die «Guggamusik Plunderhüüsler Schaan» wurden im Jahr 1972 gegründet, somit sind sie die zweitälteste Guggamusik im Liechtenstein. Aktuell zählen sie 45 Aktivmitglieder, welche bei den Proben und Auftritten von ihrem Dirigent Emanuel Walser zu Höchstleistungen geführt werden. Die Präsidentin ist Nicole Hilti und diese Saison sind sie mit dem Motto «Floras Werk» unterwegs. Neben Liechtenstein durften die Plunderhüüsler bereits bei diversen Veranstaltungen in Deutschland, Frankreich, Österreich, Italien, Spanien, England und der Schweiz ihr Können unter Beweis stellen. Um als Neumitglieder beitreten zu können, muss man mindestens 18 Jahre alt sein.

Die Plunderhüüsler sind auch neben der Fasnacht unterwegs: Sei das bei Vereinsanlässen wie beispielsweise dem diesjährigen Mitgliederausflug, bei dem sie unter anderem die Mosterei Möhl in Arbon besuchten. Oder bei Veranstaltungen wie beispielsweise dem Schaaner Jahrmarkt und der Schaaner Wesa, bei denen sie jeweils die Festwirtschaft betreiben. Egal ob jung oder alt: Ihnen macht das Gestalten ihrer «Guggerhodla» (Guggerkleid) und das gemeinsame Musizieren einfach Spass – diese Freude übertragen sie auch auf das Publikum.

3. Zusammenhalt und Sicherheit

In der Guggenmusik und allgemein in der Fasnacht treffen viele verschiedene Charaktere, Altersgruppen und Menschen mit unterschiedlichen Ansichten aufeinander. Aus persönlicher Erfahrung kann ich sagen, dass es trotzdem einen grossen Zusammenhalt im Verein gibt. Man ist immer irgendwo aufgehoben und es wird niemand alleine gelassen. Wenn man viel an unterschiedlichen Orten unterwegs ist, kann man sich darauf verlassen, dass man nie alleine irgendwo stehengelassen wird. Fühlt man sich irgendwo, in irgendeiner Weise belästigt, gibt es immer jemanden aus dem Verein, der einem zur Seite steht und man kann sich auf den Rückhalt aus der Gruppe verlassen. Man gehört dazu und wenn es darauf ankommt, kommt jeder mit jedem aus.

4. Kreativität freien Lauf lassen

Zumindest bei uns im Verein ist es so, dass es jedes Jahr ein neues Motto gibt. Mit zur Verfügung gestellten Stoffen und zusätzlich vorgegebenen Farben ist so jedem die freie Wahl gelassen, ob er sein Guggerkleid an einen Schneider weitergibt oder sich selber eines anfertigt. Wenn man sich dafür entscheidet, sich dem Motto entsprechend selbst einzukleiden, sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt. Wenn man sich selber einen Gefallen tun möchte, gestaltet man es allerdings praktisch und so, dass man je noch Temperatur eine Schicht mehr oder weniger darunter anziehen kann. Während der Fasnacht kann man sich dann auch beim Schminken kreativ zeigen.

Dieses Jahr ist das Motto der Plunderhüüsler aus Schaan «Floras Werk».

Dieses Jahr ist das Motto der Plunderhüüsler aus Schaan «Floras Werk».

Bild: Plunderhüüsler Schaan

5. Der Realität entfliehen

Wenn man nicht in einer Guggenmusik ist, bietet einem die Fasnacht trotzdem die Möglichkeit, sich zu verkleiden. Aus meinem persönlichen Umfeld weiss ich, wie sehr das manche schätzen: Den Kindheitstraum von der Prinzessin oder dem Superhelden zu verwirklichen ist zu dieser Zeit kein Problem mehr. Ab und zu ist es doch toll, wenn man auf diese Weise der Realität entfliehen und in eine andere Welt eintauchen kann. Das Leben ist ernst genug und solche Möglichkeiten sollten genutzt werden. Ausserdem kann man auch sehr gut inkognito gehen, wenn einem das lieber ist.

6. Nationale und Internationale Bekanntschaften

Mit der Guggenmusik ist man viel unterwegs – in Liechtenstein, in der Schweiz, in Österreich, in Deutschland oder teilweise auch weiter weg. Dabei gibt es durchaus Orte und Veranstaltungen, die man immer wieder besucht. Wenn das der Fall ist, trifft man immer wieder auf die gleichen Leute. Durch die gemeinsame Leidenschaft hat man für den Anfang auf jeden Fall immer ein Gesprächsthema und manchmal entwickeln sich daraus auch Freundschaften, die über die Fasnacht hinweg bestehen bleiben.

7. Verschiedene Bräuche an verschieden Orten kennenlernen

In den verschieden Ländern lernt man aber nicht nur neue Leute kennen, sondern auch neue Bräuche und so unterschiedliche Arten, um die fünfte Jahreszeit gebührend zu feiern. So gibt es beispielsweise ganz unterschiedliche Schlachtrufe in der Guggerszene: In Liechtenstein heizt man in der Fasnacht mit «Holtrio-Oho» ein, während es in Luzern unter anderem «Brüele! Brüele!» heisst. Der Schlachtruf in der Schwäbisch-Alemannischen Fasnacht lautet «Narri-Narro», deutschlandweit ist der Ruf «Helau» verbreitet.

8. Treffpunkt: Fasnacht

Wenn man eine grosse Familie hat, mit vielen Tanten, Onkeln, Cousinen und Cousins und diese dann auch noch Kinder bekommen, fällt es mir manchmal schwer, diese oft genug zu sehen. Neben Geburtstagen ist aber in den meisten Fällen die Hauptfasnacht bei uns in Liechtenstein ein Anlass, an dem ich viele meiner Verwandten sehe. Ob das mit den Kindern an der Kinderfasnacht oder an einem Umzug oder sie beim Monsterkonzert oder einem Maskenball sind, spielt keine Rolle. Besonders da unser Land so klein ist, läuft man sich bei solchen Veranstaltungen oft über den Weg – was ich sehr schätze.

Die Fasnacht ist ein Familienanlass – auch für die Kinder ist etwas dabei.

Die Fasnacht ist ein Familienanlass – auch für die Kinder ist etwas dabei.

Bild: Urs Bucher

9. Guggenmusik hält jung

Ein Input kam von einem Mitglied aus dem Verein, das bereits seit 36 Jahren dabei ist: Ihn hält die Guggenmusik jung. Obwohl ich das noch nicht beurteilen kann, klingt seine Erklärung einleuchtend: Jedes Jahr kommen neue Mitglieder dazu – in den meisten Fällen junge Leute. Deren Elan und frische Begeisterung sei mitreissend und ausserdem sei man auch körperlich fitter, weil man in der Fasnachtszeit viel unterwegs und lange auf den Beinen sei.

10. Gemeinsame Ziele erreichen

Alle zwei Jahre gehen wir in der Fasnacht an das Internationale Guggenmusiktreffen nach Schwäbisch Gmünd. Dass viel Herzblut in unseren selbstgemachten Guggerkleidern steckt, fällt auf: Auch dieses Jahr haben wir den Preis für das schönste Kostüm gewonnen und diese Stimmung muss man erlebt haben. Das Bild von unserer Präsidentin mit dem Preis zeigt nur einen Bruchteil der Freude und des Stolzes, den wir in diesem Moment empfunden haben. Denn es ist ein tolles Gefühl, wenn sich die viele Mühe und Arbeit gelohnt hat und man etwas damit erreicht hat.

So schaut Freude aus: Unsere Präsidentin hält den Preis in die Höhe.

So schaut Freude aus: Unsere Präsidentin hält den Preis in die Höhe.

Bild: Plunderhüüsler Schaan

Fazit

Die Hauptaussage bleibt, dass man nicht beschreiben kann, warum wir Gugger so begeistert davon sind, Gugger zu sein: Man muss es erlebt haben und dabei gewesen sein. Viele Leute haben ein festgefahrenes Bild von Guggenmusiken und deren Mitgliedern. Zahlreiche Aspekte sind aber ganz anders, wenn man diese Zeit selber miterlebt. Und Klischees sind manchmal eben doch nichts anderes als ein Bild, das in der Praxis nicht der Wahrheit entspricht. Ausserdem, was wäre die Fasnacht ohne Guggenmusik?