Fashion Week und Corona-Virus: Küssen verboten beim St.Galler Label Akris in Paris

Das St.Galler Modelabel Akris zeigt in Paris eine Show vor gelichteten Reihen. Auch die Fashion Week steht im Zeichen des Corona-Virus.

Odilia Hiller aus Paris
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Luftige St.Galler Stickerei...
6 Bilder
aufwendige Kunstdrucke...
oder edler Kaschmir für die Akris-Frau des kommenden Herbsts.
Camelia heisst das neue Pink,...
und die 42-jährige Alek Wek wird zum Aushängeschild der neuen Kollektion.

Luftige St.Galler Stickerei...

Bild: PD

Designer Albert Kriemler und das ganze Akris-Team zittern bis zuletzt: Kann die Schau stattfinden? Wer wird kommen? Wer sagt ab? Es ist ein regnerischer, windiger Nachmittag im edlen 16. Arrondissement von Paris. Zum ersten Mal in der Geschichte der Welthauptstadt der Mode findet im Musée d’Art moderne der Stadt Paris ein Defilee der Fashion Week statt: jenes des St.Galler Modehauses Akris. Vor Werken der Avantgardekünstler Sonia und Robert Delaunay zeigt Chefdesigner Albert Kriemler seine Herbst-Winter-Kolllektion 2020/21.

Und wohl zum ersten Mal überhaupt wird eine Schau des St.Galler Modehauses von einer Grippeepidemie so überschattet. Denn Fashion Week, das bedeutet nicht nur distanziertes Mustern neuer Looks unter Abnicken oder Naserümpfen. Die Modewoche, das riesige, halbjährliche Klassentreffen der «Fashion People» aller Länder, bedeutet Kontakt, Nähe, Interaktion und Austausch. Also alles, was sich in Corona-Zeiten verbietet.

Ellbogen an Ellbogen, Schenkel an Schenkel

Küsschenküsschen, das sonst zentrale Ritual der It-Girls, Chefredaktorinnen, Einkäuferinnen und Stylisten dieser Welt, fällt weg. Man ertappt sich beim Reflex, die Backe orientierungslos in die Luft zu strecken wie ein fehlprogrammierter Roboter. Und sitzt man für einmal nicht Ellbogen an Ellbogen, Oberschenkel an Oberschenkel neben parfümierten Journalistinnen, fühlt sich alles irgendwie nicht ganz richtig an.

Doch obwohl die meisten US-Einkäuferinnen und sonstigen eingeladenen Amerikanerinnen und Chinesinnen ihre Reise an die Pariser Modewoche wegen des Corona-Virus abgesagt haben: Akris findet statt. Wer das Pariser Stelldichein meidet, für den gibt es einen Live-Stream.

Und für den wichtigsten Markt des millionenschweren Modeunternehmens mit Sitz am unteren Bernegghügel St.Gallens greift die Unternehmerfamilie zu ungewöhnlichen Mitteln: Nur Tage nach der Schau und den anschliessenden Verkaufsgesprächen im Pariser Showroom lässt Akris die gesamte Kollektion nach New York ausfliegen. Dorthin, wo die wichtigsten Einkäuferinnen und Einkäufer sitzen. «Wir sind flexibel», sagt CEO Peter Kriemler lakonisch.

Eine Hommage an die Pariser Avantgarde

Albert Kriemler, Chefdesigner Akris.

Albert Kriemler, Chefdesigner Akris.

Bild: Franco P. Tettamanti

Kreativdirektor Albert Kriemler hat einmal mehr eine durchdachte, handwerklich und künstlerisch herausragende Kollektion entworfen, zu der er sich vom Pariser Avantgarde-Architekten Robert Mallet-Stevens inspirieren liess. So fliessen kubistische Inspirationen des Architekten ein, der am Anfang des 20. Jahrhunderts mit Bildhauern wie Jan und Joel Martel oder dem Künstlerpaar Sonia und Robert Delaunay Gesamtkunstwerke erschuf.

Die avantgardistische Idee des Teamworks betont Albert Kriemler diesmal ganz besonders: «Ohne Schneiderkunst und Stickerei, ohne unsere Zusammenarbeit mit den Stoff- und Druckfabrikanten würde nichts von dem existieren, was wir hier präsentieren.» Kreativität entstehe nicht durch ein einsames Genie, sondern erst durch das Zusammenkommen all dieser Kräfte und Menschen.