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Familie als Geisel genommen

Ein 32jähriger Chinese muss sich in St. Gallen vor Kreisgericht verantworten: Ihm wird vorgeworfen, 2005 mit zwei Komplizen eine Familie überfallen, gefesselt und von ihr Geld verlangt zu haben. Vor Gericht bestritt er die Tat vehement.
Claudia Schmid

ST. GALLEN. Ein Mann aus China ist angeklagt, zusammen mit zwei Mittätern eine ihm bekannte Familie überfallen und als Geiseln gehalten zu haben. Dem Beschuldigten droht eine mehrjährige Freiheitsstrafe. Die Staatsanwaltschaft beantragt für ihn acht Jahre. Der Verteidiger ist hingegen von der Unschuld seines Mandanten überzeugt. Er stellte an der Verhandlung am Kreisgericht St. Gallen gestern mehrere Beweisanträge. Das fünfköpfige Richtergremium hiess einige von ihnen gut, weshalb die Verhandlung unterbrochen und auf unbestimmte Zeit verschoben wurde.

Gefesselt und geknebelt

Die Geiselnahme geschah im November 2005. Drei mit schwarzen Wollmützen vermummte Männer drangen in die Wohnung des ihnen als Geschäftsleute bekannten Ehepaars ein. Als dieses mit den beiden minderjährigen Töchtern nach Hause kam, wurde die Familie laut Anklageschrift ins Schlafzimmer gezerrt und an Händen und Füssen gefesselt. Den Mund klebten ihnen die Täter mit Klebeband zu.

Mit den 3000 Franken, die sie in der Hosentasche des Mannes fanden, gaben sich die Angreifer nicht zufrieden. Sie forderten die Herausgabe von Geld und Angaben über Bankkarten und PIN-Codes. Da sie mit den erhaltenen Informationen nicht zufrieden gewesen seien, hätten die Täter mit dem Erstickungstod der einen Tochter gedroht, schreibt die Staatsanwaltschaft. Sie hätten ihr einen Plastiksack über den Kopf gestülpt und ihn zugehalten.

Auf diese Drohung hin soll die Frau einen falschen PIN-Code angegeben haben. Der eine Täter blieb zur Bewachung der gefesselten Geiseln in der Wohnung zurück, während die anderen weggingen, um die Geschäftstresore des aus China stammenden Ehepaares auszuräumen. In dieser Zeit konnte der Mann sich, seine Frau und die Kinder befreien und die Polizei alarmieren. Neben dem Beschuldigten ist ein weiterer mutmasslicher Täter zur Fahndung ausgeschrieben. Der dritte Komplize ist unbekannt.

Frau soll Schlepperin sein

Der Beschuldigte wurde erst 2014 – also neun Jahre nach der Tat – in Bordeaux verhaftet und Anfang Dezember 2015 in die Schweiz ausgeliefert. Bereits im Jahr 2006 ist er aber in Frankreich wegen einer anderen Tat zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren verurteilt worden. Dabei ging es um einen Überfall mit einem Messer, wobei das Opfer verletzt wurde.

Am Kreisgericht bestritt der Angeklagte vehement, mit der Geiselnahme in St. Gallen etwas zu tun zu haben. Er sei an jenem Tag in Paris gewesen. Da er mit der Familie eng befreundet gewesen sei, wisse er aber, um was es bei der Geiselnahme gegangen sei. Die Frau habe sich ohne das Wissen ihres Mannes als Schlepperin betätigt und habe einem Komplizen 110 000 US-Dollar geschuldet. Er sei sich fast sicher, dass dieser Mann einer der Täter sei.

Während der Staatsanwalt diese Aussage als reine Schutzbehauptung betrachtete, stellte der Verteidiger mehrere Beweisanträge, um die Unschuld seines Mannes zu beweisen. Die DNA-Spuren, die am Tatort gefunden worden seien, stammten von den vielen Besuchen bei der befreundeten Familie. Sein Mandant erzähle im Gegensatz zum überfallenen Ehepaar die Wahrheit. So verneine das Paar beispielsweise, dass der Beschuldigte in ihrem Restaurant gearbeitet habe und man eng befreundet gewesen sei. Die Eheleute seien dazu zu befragen. Für die Anklage sei nicht strittig, dass der Beschuldigte die Familie sehr gut gekannt habe, erwiderte der Staatsanwalt.

Weitere Abklärungen

In der Befragung hatte das Richtergremium vermerkt, es sei nicht leicht, dem Beschuldigten zu glauben. Seine Aussagen seien widersprüchlich. Immer wieder erzähle er neue Versionen über sein Leben und den möglichen Tathergang. Trotzdem beschloss es, einem Teil der Beweisanträge stattzugeben und weitere Abklärungen zu tätigen. Die Verhandlung wird erst in einigen Wochen fortgesetzt.

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