Falsches Fahndungsfoto gezeigt

Panne bei der Öffentlichkeitsfahndung der St. Galler Kantonspolizei: Im Internet wurde das unverpixelte Bild eines Basler Fussballfans aufgeschaltet, der sich bereits gestellt hatte. Die Behörden sprechen von einem Missverständnis.

Daniel Walt
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Fans des FC Basel bei einem Spiel in diesem Frühjahr in der AFG Arena. (Bild: Benjamin Manser)

Fans des FC Basel bei einem Spiel in diesem Frühjahr in der AFG Arena. (Bild: Benjamin Manser)

ST. GALLEN. «Wir können an dieser Situation leider nichts mehr ändern», sagt Roman Dobler, Sprecher der St. Galler Staatsanwaltschaft. In deren Auftrag schaltete die Kantonspolizei am Montag unverpixelte Fotos von sieben Basler Fussballfans auf. Die Männer sollen nach dem Auswärtsspiel ihres Teams vom 15. März in St. Gallen am Bahnhof Winkeln gegen Polizisten gewalttätig geworden sein. Das Problem: Am Montag war kurzzeitig auch das Foto eines Mannes online, der sich den Strafverfolgungsbehörden bereits Tage zuvor gestellt hatte, wie die «Basellandschaftliche Zeitung» berichtet.

Auch Selfies nützten nichts

Am 14. September hatte die Kantonspolizei bekannt gemacht, dass sie im Auftrag der Staatsanwaltschaft in einem mehrstufigen Verfahren nach insgesamt zehn Basel-Anhängern fahndet. Am 21. September wurden dann zunächst Bilder veröffentlicht, auf denen die Gesichter der Männer per Bildbearbeitung unkenntlich gemacht worden waren.

Mehrere Betroffene meldeten sich in der Folge von sich aus, um zu verhindern, dass ihre Bilder in einem nächsten Schritt unverpixelt veröffentlicht würden. «Darunter befand sich ein Mann, der gegenüber der Kantonspolizei festhielt, er erkenne sich auf dem Bild 003», so Roman Dobler. Er habe dies auf Rückfrage sogar noch bestätigt. In Tat und Wahrheit sei er aber auf dem Bild zu sehen, das an dritter Stelle auf der Polizei-Homepage aufgeschaltet worden sei – und dieses trage den Dateinamen 004. «Ein Missverständnis», sagt Dobler. Dass der Fan der Polizei in der Folge wie verlangt mehrere Selfies schickte, damit diese einen Abgleich machen konnte, verhinderte die Verwechslung nicht mehr: «Die Qualität der Selfies liess eine eindeutige Identifizierung leider nicht zu», sagt der Sprecher der Staatsanwaltschaft.

Wieder vom Netz genommen

Die Folge des Missverständnisses war laut Roman Dobler, dass die Kantonspolizei am Montag das Bild mit dem Namen 003 nicht mehr veröffentlichte – obwohl auf diesem ein Mann zu sehen ist, nach dem immer noch gesucht wird. Dafür stellte die Polizei das Foto mit dem Namen 004 online – «jenes also, das den Mann zeigt, der sich bereits gestellt hatte», sagt Dobler.

Der fälschlicherweise unverpixelt gezeigte Basel-Anhänger meldete sich kurze Zeit darauf. Etwas mehr als eine halbe Stunde nach der Veröffentlichung nahmen die St. Galler Strafverfolgungsbehörden das betreffende Bild dann wieder vom Netz. «Und ein Online-Medium, welches das Foto zeigte, forderten wir auf, es sofort wieder zu entfernen», sagt Roman Dobler.

Buchstaben statt Zahlen

Laut Roman Dobler haben die Verantwortlichen nach diesem Vorfall die internen Abläufe angeschaut – und sich für Änderungen entschieden. «Um Missverständnisse wie dieses zu vermeiden, werden Fahndungsfotos künftig nicht mehr mit Zahlen, sondern mit Buchstaben bezeichnet. Zudem möchten wir die einzelnen Fotos mit einem Stempel versehen, auf dem eine Bildbezeichnung, zum Beispiel <Alpha>, steht. Diese kann ein Fan, der sich auf dem Bild erkennt, dann dem Beamten durchgeben, so dass es keine Verwechslungen mehr gibt», hält Roman Dobler fest. Ob das Aufschalten des Fahndungsfotos für die Staatsanwaltschaft respektive die Kantonspolizei Konsequenzen hat, vermag Dobler nicht abzuschätzen.