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Gewinnbeteiligung für Professoren: Fallen die Boni an der HSR?

Die neue Fachhochschule Ost braucht ein einheitliches Personalreglement. In Rapperswil befürchtet man eine Verschlechterung – denn die Boni, welche die HSR ihren Professoren auszahlt, stossen auf Kritik.
Kaspar Enz
Professoren der HSR Rapperswil erhalten Gewinnbeteiligungen in Höhe von rund zwei Millionen Franken. (Bild: Adriana Ortiz Cardozo)

Professoren der HSR Rapperswil erhalten Gewinnbeteiligungen in Höhe von rund zwei Millionen Franken. (Bild: Adriana Ortiz Cardozo)

Dies ist ein Artikel der "Ostschweiz am Sonntag". Die ganze Ausgabe lesen Sie hier.

Ab Herbst 2023 sollen für alle Mitarbeitenden der Ostschweizer Fachhochschule dieselben Anstellungsbedingungen gelten. Das tönt wie eine Formalität, könnte aber kompliziert werden. Was die St. Galler Regierung in ihrer Botschaft bis jetzt dazu geliefert hat, reicht der vorberatenden Kommission des Kantonsrates nicht. Manche Frage bleibe offen, sagt Peter Hartmann (SP), Präsident der Kommission.

So ist die HSR Rapperswil noch an die Pensionskasse des Kantons Zürich angeschlossen. Und das Rapperswiler Technikum richtet Boni an Professoren aus, die mit Forschungsprojekten Drittmittel einbringen. «Ein wunder Punkt», sagt Hartmann, auch wenn er als Kommissionspräsident neutral bleiben will. Seine Fraktion kritisierte dies immer wieder.

Wirtschaftsnahe Forschung

In Rapperswil sieht man die Gewinnbeteiligungen aber nicht als wunden Punkt. Auch dank ihnen seien die Forschungsprojekte auf die Bedürfnisse der Wirtschaft ausgerichtet, sagt Sprecherin Eva Tschudi. Die Institute holten Projekte herein, die der HSR jährlich gegen 15 Millionen Franken von der Wirtschaft einbrächten. Die Zahl der Stellen bei den Instituten hat sich in zehn Jahren verdoppelt. 2017 wurden 17 Patente angemeldet.

Professoren als Unternehmer

Die Gewinnbeteiligung sei ein zentrales Element dieses Erfolgs, sagt die Rapperswiler CVP-Kantonsrätin Yvonne Suter. «Es veranlasst die Professoren, Forschung zu betreiben und dafür Geld im Markt zu suchen.» Damit die Aufträge weiter wachsen, müssten die Professoren unternehmerisch handeln können, sagt Suter.

«Dazu gehört auch eine Gewinnbeteiligung.»

Rechnet man alle Einnahmen aus der Forschung – Beiträge gibt es auch vom Bund und anderen Stellen – zusammen, nahm die HSR 2018 mit Forschung gegen 36 Millionen Franken ein, sagt Tschudi. Knapp sechs Prozent davon seien in Form von Erfolgsbeteiligungen an Professoren und Mitarbeiter bewilligt worden. Das sind rund zwei Millionen Franken.

Die Boni fliessen nicht automatisch. Die Einnahmen aus den Projekten müssen Gemeinkosten am Institut tragen. Bevor die Überschüsse an Mitarbeiter fliessen, müssen Defizite des Instituts gedeckt werden, ein Teil fliesst ins Kapital von Institut und Schule. Erst dann kommen Professoren und Mitarbeiter dran.

Warnung vor Abgängen

Ein gut austariertes System, findet Suter, das kaum Fehlanreize schaffe. Schade also, wenn es im Zuge einer Harmonisierung der Personalreglemente der Fachhochschulen abgeschafft würde. «Führt das neue Personalreglement zu einer Verschlechterung, drohen Abgänge und eine Schwächung der erfolgreichen Schule», sagt Suter.

«Eine Hochschule ist kein KMU», entgegnet SP-Präsident Max Lemmenmeier. Ziel einer Hochschule sei die Lehre.

«Es geht nicht nur darum, möglichst viele Drittmittel hereinzuholen.»

Eine solche Ausrichtung habe ihren Preis. «Das kann dazu führen, dass nur in bestimmte Richtungen geforscht wird», mahnt Lemmenmeier. Was der Wirtschaft nicht passt, komme zu kurz. Und bestimmte Fachrichtungen würden bevorteilt.

Manche Fächer benachteiligt

Mit ihrer technischen Ausrichtung habe es die HSR leichter, an Drittmittel zu kommen. «In Fächern wie sozialer Arbeit oder Gesundheit gibt es wenig zu holen.» Und er bezweifelt, dass die Professoren und Institutsmitarbeiter noch Boni nötig haben, um für ihre Projekte zu weibeln. «Sie profitieren vom guten Ruf der HSR», sagt Lemmenmeier. «Und sie geniessen hervorragende Anstellungsbedingungen.»

Bewährtes System ausweiten

Trotzdem, Yvonne Suter hätte kein Verständnis dafür, wenn das System abgestellt würde. «Hier würde das Kind mit dem Bade ausgeschüttet.» Die neue Fachhochschule Ost müsse auf die Stärken der einzelnen Schulen setzen. «Das Bildungsdepartement soll sich dafür einsetzen, dass das Gewinnbeteiligungssystem fortgesetzt und allenfalls ausgeweitet wird, statt sich an den weniger erfolgreichen Modellen zu orientieren, nur um der Kritik zu entgehen.»

Laut der Botschaft des Regierungsrats über die neue Fachhochschule machen die Drittmittel an der HSR 24 Prozent des Haushaltes der Schule aus. Das ist tatsächlich ein hoher Wert. Mit jeweils rund 21 Prozent sind die beiden anderen Schulen der künftigen Ost aber nicht weit dahinter – und auch ohne Professorenboni deutlich über dem Schweizerischen Mittel.

Ost soll wieder Marktanteile gewinnen

Die Schweizer Fachhochschulen haben Zulauf: Studierten 2008 noch rund 55'000 Studenten an den anwendungsorientierten Hochschulen, sind es heute 86'000. Gewachsen ist auch der Ostschweizer Fachhochschulverbund FHO (Fachhochschule Ostschweiz). Seine Studierendenzahl stieg in den letzten zehn Jahren um ziemlich genau 2000 auf heute 6288.

Damit wuchs die FHO allerdings weniger schnell als der Schweizer Schnitt – der Marktanteil ging zurück. Auch deshalb will man an der neuen Fachhochschule Ost manche Fächer an mehreren Standorten anbieten: Informatik soll künftig auch an der FHS in St. Gallen angeboten werden. Am deutlichsten zeigte sich die Stagnation in den letzten Jahren im Fachbereich Wirtschaft. Der soll künftig auch in Rapperswil angeboten werden, wie der St. Galler Regierungsrat Stefan Kölliker letzte Woche sagte. (ken)

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