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FALL ULRICH K.: Tierschützer proben Aufstand gegen Pferde-Verkauf

Die beschlagnahmten Pferde von Hefenhofen wechseln am Donnerstag den Besitzer. Um die Tiere vor "Händlern und Metzgern" zu schützen, sammeln Tierschützer Spenden auf Facebook. Zudem sind Protestaktionen geplant.
Adrian Lemmenmeier/ maria Kobler-Wyer
Bevor die Tiere beschlagnahmt wurden, demonstrierten Tierschützer am Bahnhof in Frauenfeld, jetzt künden sie erneut Protestaktionen an. (Bild: Andrea Stalder/Symbol)

Bevor die Tiere beschlagnahmt wurden, demonstrierten Tierschützer am Bahnhof in Frauenfeld, jetzt künden sie erneut Protestaktionen an. (Bild: Andrea Stalder/Symbol)

Am Donnerstag werden die Pferde vom Hof des Tierquälers Ulrich K. im bernischen Schönbühl verkauft. «Alle 93 Pferde sind in gutem Gesundheitszustand», sagt Jürg Liechti vom Kompetenzzentrum Veterinärdienst und Armeetiere des Bundes. Sie werden von Militärangehörigen vorgeführt. Gibt es mehr als einen Interessenten pro Pferd, kann kaufen, wer am höchsten bietet. Eine eigentliche Auktion sei dies nicht, sagt Liechti. Denn es gehe nicht darum, möglichst viel Erlös zu erzielen. Auch sei für jedes Tier von Experten ein Richtpreis geschätzt worden, der die Grundlage für den Verkauf bietet. Die genauen Preise lägen aber noch nicht vor, meldet das das Veterinäramt des Kantons Thurgau auf Anfrage. Ihm obliegt die Durchführung des Verkaufs der Tiere.

Es kommen denn auch nicht alle Tiere unter den Hammer. Für fünf bis sechs Pferde sei gemäss Veterinäramt mittlerweile erwiesen, dass sie nicht Ulrich K. gehörten, sondern anderen Haltern. Diese können ihre Pferde bereits am Mittwoch abholen.

Tierschützer wollen Pferde erwerben

Bisher hätten sich 200 bis 300 Kaufinteressenten beim Veterinäramt des Kantons Thurgau gemeldet. Darunter auch Tierschützer. Eine Gruppe aus Deutschland bittet auf der Facebook-Seite «Kesselring Auktion Pferde» um finanzielle Unterstützung für die Rettung der Pferde. Die Tierschützer – zur Facebookgruppe gehören fast 500 Mitglieder – planen, mindestens zehn Pferde zu übernehmen. Sie suchen deshalb Leute, die bereit sind, Pferde zu transportieren, Pflegestellen, die Pferde vorübergehend aufnehmen können sowie Spenden für den Freikauf und die weitere Versorgung der Tiere.

Allerdings sind in Bezug auf den Export der Tiere Bedenken aufgekommen. Denn für einige Tiere fehlten die Pferdepässe, weshalb sie nicht exportiert werden könnten. Gemäss Veterinäramt des Kantons Thurgaus sei ein Export der Tiere aber möglich, wenn diese eindeutig identifizierbar seien. Das sei der Fall. Das Veterinäramt habe jedem Tier einen Mikrochip implantiert.

Kundgebungen geplant

Auch in der Schweiz sind die Tierschützer nicht untätig: Die Stiftung Tiere in Not Animal Help (Stinah) und Pferde in Not (PiN) haben laut eigenen Angaben dem Veterinäramt Thurgau angeboten, bei den Vorkontrollen und der Vermittlung der Pferde zu helfen. Man habe Pflege- und Endplätze zusammengetragen, die zum Teil offenbar kontaktiert worden seien. Pferde in Not wird am Donnnerstag in Schönbühl anwesend sein. Auf Facebook schlägt der Verein Tierschützern vor, sich mit einer gewissen Farbe zu erkennen zu geben, damit sie sich beim Verkauf nicht gegenseitig überbieten.

Der Verein gegen Tierfabriken Schweiz (VgT) schreibt in einer Mitteilung, dass am Mittwoch ab 11 Uhr bis gegen 14 Uhr eine Kundgebung vor dem Verwaltungsgebäude in Frauenfeld abgehalten wird. Gefordert wird, dass das Veterinäramt die für Donnerstag angekündigte Auktion der Pferde von Hefenhofen in Schönbühl absagt. Laut Präsident Erwin Kessler will der VgT zuerst geklärt haben, dass die Tiere an gute Plätze kommen und nicht von Händler und Metzgern als Schnäppchen übernommen und dann verschachert oder geschlachtet werden. Auf der Seite avaaz.org läuft zudem eine Online-Petition, die verlangt, dass der Verkauf abgesagt wird. Aus dem gleichen Grund organisiert der Verein VgT am Donnerstag ab 8.30 Uhr eine Demonstration vor der Kaserne Sand in Schönbühl.

Vor einer Woche sind rund 90 Pferde vom Hof des Tierquälers Ulrich K. in Hefenhofen beschlagnahmt und nach Schönbühl ins Kompetenzzentrum Veterinärdienst und Armeetiere gebracht worden. Mit der Beschlagnahmung hat Ulrich K. sämtliche Eigentumsrechte an den Tieren verloren. Deshalb können diese am Donnerstag verkauft werden.

Einige Tiere geschlachtet

Erwin Kessler, Präsident des Vereins gegen Tierfabriken Schweiz(VgT), hat Kantonstierarzt Paul Witzig und Regierungsrat Walter Schönholzer per Mail angefragt, wo die anderen Nutztiere des Hofes - Kühe, Schweine, Hühner - gekauft werden können oder ob diese verkauft worden seien. Kessler erhielt zur Antwort, dass zwei Drittel der 33 Kühe aus wirtschaftlichen Gründen geschlachtet worden seien. «Das wird gemacht, wenn bei Kühen die Milchleistung sowie die Fruchtbarkeit nachlässt», sagt ein Fleischfachmann. «Das daraus gewonnene Fleisch wird zu hochwertigen Wurst- Pökelfleischwaren und nicht zu Tiernahrung verarbeitet», sagt er. Alle übrigen Tiere seien sofort für den Verkauf freigegeben.
Auch rund ein Drittel der 100 Schweine wurde geschlachtet, weil die Tiere etwa unter Nabel- und Hodenbrüchen sowie unter Krytorchismus, dem Fehlen eines oder beider Hoden, litten. Alle anderen Schweine werden in einem Maststall ausgemästet. Die Ziegen wurden von einer Tierschutzorganisation, die Schafe von einem Schafhalter übernommen, wie es weiter heisst. Die Lamas sind auf einen spezialisierten Betrieb gebracht worden. Der ehemalige Besitzer will sie zurückkaufen. (maw/sba)

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