Fall Stach: Presserat weist Beschwerde ab

Der St.Galler Rechtsanwalt und ehemalige HSG-Universitätsrat Patrick Stach hat gegen das St.Galler Tagblatt eine Beschwerde eingereicht. Nun weist der Schweizer Presserat diese vollumfänglich ab.

Michael Genova
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Patrick Stach verlangte ein überrissenes Honorar von einer Sozialhilfebezügerin und wurde daraufhin vom Bundesgericht verurteilt.

Patrick Stach verlangte ein überrissenes Honorar von einer Sozialhilfebezügerin und wurde daraufhin vom Bundesgericht verurteilt.

Bild: Hanspeter Schiess

Am 13. Januar 2020 veröffentlichte unsere Zeitung einen Artikel mit dem Titel «Anwalt fordert krass überhöhtes Honorar». Der Bericht thematisiert ein Bundesgerichtsurteil gegen den St.Galler Rechtsanwalt und ehemaligen HSG-Universitätsrat Patrick Stach wegen überhöhter Honorarforderungen. Der Artikel fasst im Wesentlichen das Urteil des Bundesgerichts zusammen. Er beschreibt, dass Stach von seiner Klientin ein – laut oberstem Gericht – klar übersetztes Honorar von 420'069.20 Franken gefordert habe. Die zugrundeliegende Vereinbarung enthalte «laut Bundesgericht ein verbotenes Erfolgshonorar».

Am 27. Februar 2020 erhob Patrick Stach Beschwerde gegen unsere Zeitung. Der Beschwerdeführer sah durch die Berichterstattung die «Erklärung der Pflichten und Rechte der Journalistinnen und Journalisten» in mehreren Punkten verletzt. Einen Verstoss gegen die Wahrheitspflicht begründete Stach unter anderem damit, dass das «St.Galler Tagblatt» ihn mit den Hinweisen auf ein «Treuhandkonstrukt» und «fingierte Verträge» eines «krassen, ja kriminellen Fehlverhaltens» bezichtige. Der Beschwerdeführer kritisierte zudem, dass er zu den im Artikel aufgeführten schweren Vorwürfen nicht befragt worden sei.

«Tagblatt» hat Gerichtsentscheid korrekt zusammengefasst

Der Presserat hat die Beschwerde nun vollumfänglich abgewiesen. Er sieht keinen Verstoss gegen die Wahrheitspflicht. So habe das «Tagblatt» explizit erwähnt, dass für die Vorinstanzen unklar geblieben sei, was mit diesem Treuhandkonstrukt effektiv beabsichtigt gewesen sei. Zudem gehe es hier um Gerichtsberichterstattung, um den Inhalt eines rechtskräftigen Urteils, welches Stach immerhin «krass überhöhte Honorarforderungen» sowie Verstösse gegen das Anwaltsgesetz vorwirft. Zum Vorwurf der fehlenden Anhörung hält der Presserat fest: «Das ‹Tagblatt› hat einen rechtskräftigen Gerichtsentscheid korrekt zusammengefasst und war deswegen nicht verpflichtet, den Beschuldigten anzuhören.» Diese Regelung sei hier insbesondere anwendbar, weil die Parteien in sämtlichen drei Verfahrensstufen Gelegenheit hatten, ihre Sicht der Dinge einzubringen.

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