Fall Sargans bleibt undurchsichtig

Die Untersuchung des mutmasslichen Mobbing-Falls an der Kantonsschule Sargans ist abgeschlossen. Der Kanton hält den Schlussbericht aber unter Verschluss. Hinweise auf die Stossrichtung des Berichts gibt es dennoch.

Andri Rostetter
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Der Unterricht eines Mathematiklehrers hat an der Kantonsschule Sargans zu einem jahrelangen Konflikt geführt. (Bild: Ralph Ribi)

Der Unterricht eines Mathematiklehrers hat an der Kantonsschule Sargans zu einem jahrelangen Konflikt geführt. (Bild: Ralph Ribi)

ST. GALLEN. Vor knapp anderthalb Jahren provozierte ein mutmasslicher Mobbing-Fall an der Kantonsschule Sargans wochenlang Schlagzeilen. Im August 2015 starteten der Erziehungsrat und das Bildungsdepartement eine Administrativuntersuchung gegen einen Mathematiklehrer und den Rektor der Kantonsschule. Diese Untersuchung ist nun abgeschlossen, das Resultat bleibt allerdings unter Verschluss. Hintergrund sind laufende Verfahren gegen den Rektor.

Der Untersuchungsbericht diene nun als Grundlage für den Abschluss der Verfahren, teilte die Staatskanzlei gestern mit. Der Bericht sei «deshalb und mit Blick auf die Persönlichkeitsrechte der Beteiligten vertraulich» und damit auch vom Öffentlichkeitsprinzip ausgenommen.

Die Kündigung erhalten

Somit bleibt unklar, ob die vom Lehrer erhobenen Vorwürfe gegen den Rektor zutreffen – oder ob sie aus der Luft gegriffen sind. Es gibt aber Indizien, die auf die Stossrichtung des Schlussberichts schliessen lassen: Zum einen hat der betreffende Mathematiklehrer von der Schule per Ende dieses Schuljahres die Kündigung erhalten. Zum anderen wurde Rektor Stefan Wurster diese Woche vom Erziehungsrat wiedergewählt. Beides deutet darauf hin, dass die Administrativuntersuchung die Vorwürfe gegen die Schulleitung zumindest teilweise entkräften konnte.

Strafanzeige gegen den Rektor

Der Konflikt an der Kantonsschule Sargans schwelt schon seit Jahren. Der Streit spielte sich hauptsächlich zwischen dem Mathematiklehrer und der Schulleitung ab. Er gipfelte im Juli 2014 in einer Strafanzeige gegen Rektor Stefan Wurster. Der Mathematiklehrer warf Wurster Amtsmissbrauch, Amtsgeheimnisverletzung und Körperverletzung vor. Der Lehrer gab an, wegen seines angeblich zu hohen Unterrichtsniveaus von der Schulleitung über Jahre massiv unter Druck gesetzt worden zu sein. Die Staatsanwaltschaft eröffnete gegen den Rektor eine Strafuntersuchung. Die Schulleitung wies sämtliche Vorwürfe zurück. Laut Aussagen von mehreren Mitgliedern des Gremiums war der Unterricht des Lehrers schon seit mehr als einem Jahrzehnt Thema an der Schule. Man habe in den vergangenen Jahren mehrfach das Gespräch mit dem Mann gesucht und Lösungen vorgeschlagen. Der Lehrer liess sich in der ersten Jahreshälfte 2014 krankschreiben und kehrte bis heute nicht mehr an die Schule zurück.

Verfahren sistiert

Nach diversen Medienberichten reagierten Erziehungsrat und Bildungsdepartement im August 2015 mit der Administrativuntersuchung. In der Folge wurden die bereits laufenden Verfahren gegen den Rektor sistiert – neben der Staatsanwaltschaft beschäftigte sich mittlerweile auch das Verwaltungsgericht mit dem Fall.

Die Administrativuntersuchung legte ihr Augenmerk allerdings nur auf einen Teil der Vorwürfe. Laut Mitteilung der Staatskanzlei wurde ausschliesslich geklärt, ob Pflichten aus dem Arbeitsverhältnis verletzt wurden. Nicht untersucht wurde die personal-, zivil- und strafrechtliche Faktenlage. Das dürfte nun passieren: Mit dem Abschluss der Administrativuntersuchung können die sistierten Verfahren wieder aufgenommen werden. Bis der Konflikt endgültig zu den Akten gelegt werden kann, wird es damit noch mehrere Monate oder gar Jahre dauern.