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Sex-Chats mit Minderjährigen: Staatsanwaltschaft räumt Fehler im Fall Hugentobler ein

Der wegen Sexualdelikten verurteilte Michael Hugentobler hat sein Lehrdiplom im Juli 2018 deponiert. Die Staatsanwaltschaft verzichtete auf eine Meldung ans Bildungsdepartement. Ein Irrtum, heisst es nun.
Andri Rostetter
Sitz der Staatsanwaltschaft an der Schützenstrasse in St. Gallen (Bild: Urs Bucher)

Sitz der Staatsanwaltschaft an der Schützenstrasse in St. Gallen (Bild: Urs Bucher)

Der Fall Michael Hugentobler beschäftigt seit dieser Woche auch das Bildungsdepartement. Das Strafverfahren gegen den ehemaligen Sekundarlehrer und CVP-Kantonsrat ist zwar rechtskräftig abgeschlossen. Weil es sich aber um Sexualdelikte handelt, will das Bildungsdepartement nun prüfen, ob der Erziehungsrat gegen Hugentobler ein Verfahren für ein Berufsverbot einleiten muss.

Das Departement habe bis am Dienstag dieser Woche nichts von Hugentoblers Verurteilung gewusst, sagt Roth. Deshalb werde der Fall erst jetzt geprüft.

Rückgabe des Diploms blieb wirkungslos

Der 37-Jährige hatte sein Lehrdiplom zwar bereits Mitte Juli 2018 an die Pädagogische Hochschule St. Gallen (PH) zurückgegeben. Die PH bestätigte den Eingang des Diploms Anfang September 2018.

Rechtlich blieb diese Rückgabe jedoch wirkungslos, wie Heidi Roth, Leiterin der Abteilung Recht des Bildungsdepartements, sagt. Um einer Lehrperson die Eignung für die Lehrtätigkeit abzusprechen und damit ein Berufsverbot aufzuerlegen, sei ein formeller Verwaltungsakt notwendig.

Unklar bleibt, ob Hugentob­ler sein Diplom zurückgegeben hat, weil er von den Ermittlungen gegen seine Person wusste. Die Taten, die zur Verurteilung wegen mehrfacher versuchter sexueller Handlungen mit Minderjährigen und mehrfacher Pornografie führten, beschränkten sich auf den Zeitraum zwischen Dezember 2016 und März 2017.

In diesem Zeitraum war Hugentob­ler zwar nicht mehr als Lehrer an der Katholischen Kantonssekundarschule Flade in St. Gallen angestellt. Er hatte aber nach wie vor ein Mandat als Informatik­beauftragter und gab Kurse zum Umgang mit den sozialen Medien.

Keinen Zusammenhang mit Lehrtätigkeit gesehen

Weshalb erstattete die Staatsanwaltschaft keine Meldung an das Bildungsdepartement, wie das sonst bei Sexualdelikten mit Kindern, in die Lehrer involviert sind, üblich ist? Man habe eine Meldung unterlassen, weil die Tat, für die Hugentobler verurteilt wurde, in keinem Zusammenhang mit seiner Tätigkeit als Lehrer gestanden habe, teilt Roman Dobler, Sprecher der Staatsanwaltschaft, auf Anfrage mit.

Zudem habe es keine Hinweise auf ein Fehlverhalten am Arbeitsplatz gegeben. Eine Rolle habe auch die Rückgabe des Lehrdiploms gespielt, sagt Dobler. Diese sei von der PH bestätigt worden. «Uns lag ein Aufhebungsvertrag für sein Arbeitsverhältnis vor.»

Diese Aufhebung hat nach heutigem Kenntnisstand aber nicht stattgefunden. Hugentobler stand bis Anfang dieser Woche im Dienst der Schule und war für die kommenden Tage als Leiter für ein Skilager vorgesehen.

«Wir würden nicht mehr so handeln»

Rückblickend sei es ein Fehler gewesen, dass man das Bildungsdepartement nicht informiert habe, so Dobler. «Im Lichte der heutigen Erkenntnisse würden wir nicht mehr so handeln, sondern trotz des Umstandes, dass er nicht mehr als eigentliche Lehrperson tätig war, eine Meldung absetzen.» Entsprechende Handlungsanweisungen für künftige ähnlich gelagerte Fälle seien bereits in die Wege ­geleitet worden.

Hugentoblers Verurteilung wäre allerdings spätestens im kommenden Jahr aufgeflogen. Unabhängig von seinem Fall hatte die Flade im August 2018 beschlossen, ab 2020 von sämtlichen Angestellten und Mandatsträgern einen Sonderprivatauszug zu verlangen.

Dieses Papier kann ein Arbeitgeber seit Anfang 2015 zusätzlich zum normalen Strafregisterauszug einfordern. Der Sonderprivatauszug, der vom eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartement ausgestellt wird, führt gesondert Urteile zu Sexualdelikten im Zusammenhang mit Minderjährigen oder anderen schutzbedürftigen Personen auf.

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