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Kommentar

Fall Hefenhofen: Dass der Kantonstierarzt im Amt bleibt, ist ein Fehler

Der Untersuchungsbericht zum Tierschutzskandal hält sich bei der Benennung persönlicher Verantwortung auffallend zurück. Bei der ersten Gelegenheit droht ein angeblich geläuterter Kanton bereits wieder aufs alte Geleise zu geraten.
Christian Kamm
Christian Kamm, Leiter Kanton Thrugau. (Bild: Urs Jaudas)

Christian Kamm, Leiter Kanton Thrugau. (Bild: Urs Jaudas)

Wer vom Untersuchungsbericht über den Tierschutzfall Hefenhofen erwartet hatte, dass nun Ross und Reiter beim Namen (und Vornamen) genannt werden, kann nur enttäuscht sein. Zum einem liegt das an der Übungsanlage, die sich auf die Untersuchung von Abläufen, Entscheidungswegen und Fehleinschätzungen fokussiert hat und weniger auf Personen. Demnach hat die fehlende Koordination zwischen den verschiedenen Ämtern und Departementen zum Systemversagen geführt. Und auch der Gesamtregierungsrat habe den Ernst der Lage nicht verstanden. Nur: Hinter jeder Verwaltung stehen Menschen und keine Maschinen beziehungsweise Systeme. Menschen sind es, die Entscheidungen fällen oder, was ebenso falsch sein kann, gar nicht entscheiden oder zu spät.

Um auf die Ebene der persönlichen Verantwortungen vorzustossen, muss man schon zwischen den Zeilen des Berichts lesen. Wenig überraschend wird dabei der grösste Teil der Verantwortung bei alt Regierungsrat Kaspar Schläpfer abgeladen, der seine ganze Amtszeit mit dem renitenten, uneinsichtigen und gewaltbereiten Tierhalter in Hefenhofen zu tun gehabt hatte. Unverständlich vor allem, dass die eigens ins Leben gerufene Arbeitsgruppe unter Führung des Departements Schläpfer 2014 die Weichen für ein totales Tierhalteverbot gestellt hatte – und wieder passierte nichts. Das Ausmisten im Skandalhof fand nie statt. Hier fehlte es schlicht an entschlossener Führung.

Dafür wurde ab 2015 erneut die unselige Deeskalationsspirale in Gang gesetzt, die es U.K. erlaubte, dem Kanton immer unverfrorener auf der Nase herumzutanzen.

Richtig ist aber auch, dass beim grössten Tierschutzskandal der Schweiz niemand alleine in der Verantwortung steht. Zwar wurde dem Veterinäramt verwaltungsintern der Lead in dieser Angelegenheit zugeschoben. Allerdings hätten laut dem Befund der Untersuchungskommission auch mehrere andere Ämter, die Polizei und die Staatsanwaltschaft Instrumente in der Hand gehabt, um dem Treiben in Hefenhofen ein Ende zu setzen. Sie haben es ebenfalls nicht getan.

Zum Kollektivversagen kommt hinzu, dass der neue Departementschef Walter Schönholzer fatalerweise mit seinem Amt auch die Hefenhofen-Strategie seines Vorgängers und damit die ungerechtfertigte Hoffnung auf eine einvernehmliche Lösung mit U.K. übernommen hatte.

Das Resultat ist bekannt. Ebenso die Serie von Pleiten, Pech und Pannen im kantonalen Veterinäramt. Dass dessen Chef nicht zum Bauernopfer werden soll, welches in solchen Situationen gerne aus dem Hut gezaubert wird, ist aufgrund der Erkenntnisse des Untersuchungsberichts nachvollziehbar und menschlich verständlich. Doch es gibt auch hier eine zweite, politische Dimension. Wie soll ein in der Öffentlichkeit dermassen demontierter Amtschef bar jeder Autorität noch sein Amt sinnvoll führen können? Indem er noch zwei weitere Jahre bis zur Pensionierung quasi untertaucht? Hier wäre zumindest eine Versetzung angezeigt gewesen. Bei der ersten Gelegenheit droht also ein angeblich geläuterter Kanton bereits wieder aufs alte Geleise zu geraten: Lieber niemandem zu nahe treten und keine Konsequenzen ziehen.

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