Ein kostenloser Stand an der Offa für faire Taschen aus Kalkutta

Die Offa vergibt jedes Jahr einen kostenlosen Ausstellungsplatz an vielversprechende Jungunternehmer. Dieses Jahr sind das Mukta Ramchandani und Benjamin Leitschuh mit ihrer Firma Moraltive.

Nancy Neuhauser
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Die Jungunternehmer und ihr gewonnener Stand. (Bild: Urs Bucher)

Die Jungunternehmer und ihr gewonnener Stand. (Bild: Urs Bucher)

12 Quadratmeter Standfläche, Beleuchtung, Teppich und Elektroanschluss. Das gibt es alles gratis für das Start-up Moraltive. Das Unternehmen mit Sitz in Olten wurde 2017 von Mukta Ramchandani, die aus Kanpur in Nordindien stammt, und ihrem Mann Benjamin Leitschuh gegründet. Zu ihrem Gratisstand kamen die beiden Jungunternehmer durch eine Bewerbung bei «xpose», einer Initiative der Olma-Messen, die für ihre Veranstaltungen jeweils einen Ausstellungsplatz vergibt.

Moraltive, dessen Firmenname sich aus «moralisch» und «positiv» zusammensetzt, musste im Bewerbungsverfahren darlegen, wieso sie von einem Gratisstand profitieren sollen, was sie ausstellen und wie sie dies tun werden. Mit ihrem Konzept konnten sie die Jury von «xpose» überzeugen. «Wir haben auch mit dem Gedanken gespielt, an anderen Messen teilzunehmen. Allerdings sind solche Auftritte für uns zu teuer», erzählt Leitschuh. An der OFFA hätten sie sich ohne «xpose» nur als Besucher umgesehen.

Als Ramchandani, die in Nizza studiert hat und nun im Bereich Marketingforschung doktoriert, auf der Suche nach einer fair produzierten Tasche nicht fündig wurde, nahm sie die Sache selbst in die Hand: Sie begann mit ihrem Mann nach Lieferanten für Stoffe zu suchen, die sie für ihre ideale Tasche benötigte. Sie besuchten Textilmessen in aller Welt und lernten potenzielle Lieferanten kennen. Allerdings liess sich die Produktion in diesen Grossbetrieben nicht mit der Vision Ramchandanis vereinbaren. Die englischsprachige Gründerin erzähtl:

«Ich möchte alle Schritte der Produktion kontrollieren und die Umstände im Betrieb sowie die Handwerker kennen. Aus diesem Grund entschieden wir uns denen eine Chance zu geben, die sich einen Auftritt an den grossen Messen nicht leisten können.»

Faire Produktion auch ohne Fair-Trade-Zertifikat

Über Umwege fand das Ehepaar einen Familienbetrieb in der Millionenmetropole Kalkutta. Der Betrieb beschäftige 25 geschulte Handwerker unter guten Arbeitsbedingungen, erklärt die 30-jährige Ramchandani. «Qualifizierte Mitarbeiter sind nicht einfach zu finden, somit werden die Handwerker des Familienbetriebs viel mehr wertgeschätzt und weniger schnell entlassen.»

Die Handwerker fertigen die Taschen, die Ramchandani in der Schweiz designt, aus Segeltuch, das aus nach EU-Normen getesteter Baumwolle besteht. Die Elemente aus Rindsleder werden mit pflanzlichen Ölen und Mineralien umweltfreundlich gegerbt. Das Verfahren hinterlasse keine umweltbelastenden Abfälle, sagt Leitschuh, ein studierter Umweltingenieur. Er überprüfe die Umweltverträglichkeit regelmässig anhand von Proben, berichtet er weiter. Zusätzlich kontrollieren die in Indien lebenden Eltern von Ramchandani die Produktionsabläufe stichprobenartig, um die bestmögliche Qualität zu gewährleisten.

«Einmal gekauft, soll einen das Produkt ein Leben lang begleiten», sagt der 37-Jährige. Moraltive stellt sich zwar gegen den Fast-Fashion-Trend, besitzt aber im Gegensatz zu anderen nachhaltigen Produzenten kein Fair-Trade-Zertifikat. «Die Bewerbung dafür sowie dessen kontinuierliche Erneuerung kostet sehr viel. So können sie nur von grossen Unternehmen erworben werden, was unfair ist», sagt Ramchandani. Sie und ihr Mann wollen deshalb zeigen, dass man auch als kleines Unternehmen ohne Zertifikat ökologisch und fair sein kann.