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Fahrende verklagen Kanton nicht

Die Bewegung der Schweizer Reisenden sieht von rechtlichen Schritten gegen den Kanton St. Gallen ab – denn in Sachen Durchgangsplätze tut sich etwas.
Ramona Kriese

Aus der angedrohten Klage der Fahrenden gegen den Kanton St. Gallen wird nichts. Wie Mike Gerzner, Präsident der Bewegung der Schweizer Reisenden, auf Anfrage sagt, ergreift sein Verein nun doch keine rechtlichen Schritte in puncto Durchgangsplätze. Die Fahrenden wollten Klage einreichen, weil es auf St. Galler Kantonsgebiet seit vielen Jahren keine solchen Plätze für Fahrende gibt. Offenbar ist nun aber etwas im Gange: «Es sieht gut aus für uns», sagt Gerzner. Er wisse, dass drei Standorte für mögliche Durchgangsplätze vertiefter geprüft würden – in der Stadt St. Gallen, in der Region Sargans und in Rapperswil-Jona.

Damit werde die geplante Klage gegen den Kanton hinfällig, begründet er. Er hoffe, dass die Behörden endlich die schon 2006 versprochenen sechs Durchgangsplätze realisieren würden. Fahrende nutzen solche Plätze von März bis Oktober, wenn sie umherziehen und Arbeit suchen.

«Nicht zum Stillstand kommen»

Wie konkret die von Gerzner genannten Standorte tatsächlich sind, ist jedoch unklar. Bezogen auf einen möglichen Durchgangsplatz in Rapperswil-Jona gibt man sich beim Kanton zugeknöpft. «Ich weiss nur, dass dazu Gespräche mit der Region Zürichsee-Linth stattgefunden haben», sagt Cornelia Sutter vom kantonalen Amt für Raumentwicklung und Geoinformation. Sie würde es aber begrüssen, wenn es in dieser Sache vorwärtsginge – «gerade jetzt zum Saisonende der Fahrenden sollte das Ganze nicht stillstehen», sagt sie.

Ähnlich verhalten klingt es bei der Region Zürichsee-Linth. Die Region sei das Ganze aktiv angegangen, sagt Geschäftsführer Peter Göldi. Die Gemeinden waren aufgefordert, mögliche Plätze zu melden. Wie Göldi sagt, wurden mehrere Standorte in verschiedenen Gemeinden geprüft. «Auch Rapperswil-Jona hat seine Hausaufgaben gemacht und entsprechende Standorte zur Evaluation eingereicht.» Noch sei aber kein Entscheid gefällt.

Wie Josef Lacher von der städtischen Bauverwaltung sagt, handelt es sich bei den geprüften Standorten in Rapperswil-Jona um private Grundstücke. Von den Eigentümern habe man allerdings Absagen erhalten.

Laut Gerzner geht es nun zunächst um temporäre Durchgangsplätze für drei bis sechs Monate. Damit, so hofft er, könnten die Fahrenden Vorurteile in der Bevölkerung abbauen. Ziel seien später jedoch fixe Plätze. Vorurteile gegenüber Fahrenden seien verbreitet: «Es geht oft vergessen, dass wir nicht nach einem Gratis-Grundstück fragen – wir bezahlen dafür Miete.» Zudem würden Schweizer Fahrende oft mit den ausländischen Roma verwechselt. «Lassen diese etwa ihren Abfall liegen, fällt dies auf uns zurück.»

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