Fahren mit Sonnenlicht

Ein Skilift als Kraftwerk und ein Zug als Ökomobil: Solargetriebene Antriebstechnik aus Flums macht's jetzt möglich. Der Urban Solar Train und der Solarlift gelten als Weltpremieren.

Reinhold Meier
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Futuristischer Gliederzug: Dank Solartechnik und Elektroantrieb fährt der Urban Solar Train fast lautlos. (Bild: pd)

Futuristischer Gliederzug: Dank Solartechnik und Elektroantrieb fährt der Urban Solar Train fast lautlos. (Bild: pd)

Flums. Ab Montag steht der Urban Solar Train (UST) in der bayrischen Stadt Neumarkt im Einsatz. Der 18 Meter lange Zug verbindet die historische Altstadt mit dem gut einen Kilometer abseits gelegenen Bahnhof der Nürnberger S-Bahn. Bis zu 50 Personen finden in dem futuristischen Gliederzug Platz, dem ersten seiner Art. Weil alle seine Achsen einzeln gelenkt sind, vermag er sich problemlos durch die engen Gassen zu winden.

Zehn Stunden ohne Pause

Das Besondere aber ist der Antrieb des bis zu 40 Stundenkilometer schnellen Transporters, denn er fährt elektrisch. Die Energie für die Bordbatterien kommt aus der Steckdose – und vom Zugsdach. Photozellen verlängern die Betriebsdauer der Akkus auf ungewohnte fünf Stunden. Eine spezielle Mechanik sorgt dafür, dass die zwei Tonnen schweren Stromspeicher innert weniger Minuten gewechselt werden können.

«Für die Stadt Neumarkt war es entscheidend, dass der Zug während zehn Stunden ohne Pause im Einsatz stehen kann», erklärt Roland Bartholet. Seine Firma Swiss Road Trains zeichnet verantwortlich für die Entwicklung des Prototyps, der es bei den Kosten mit jedem normalen Bus aufnehmen kann. Bereits nach drei Jahren werde er sogar günstiger, heisst es. Ein Beleg dafür, dass man aus der Schweiz heraus zu konkurrenzfähigen Preisen produzieren könne. Und in der Region schafft der UST Arbeitsplätze, mindestens drei pro Zug.

Marktlücke erkennen

Der Solarzug mit modernen Sitzen und Klimaanlage ist zukunftstauglich, zeigt sich Bartholet überzeugt. «Es gibt Kunden, die darauf warten», kündigt er an. Er verweist auf Nachfragen aus Europa, den USA und dem Nahen Osten. Doch auch in autofreien Orten wie etwa Zermatt sei ein Einsatz des lautlos fahrenden Zuges denkbar. «Der UST ist für Städte interessant, die CO2-neutral werden wollen», erläutert Bartholet die Marktlücke.

Das Öko-Image schärfen

Die Bartholet Maschinenbau Flums (BMF), zu der die Swiss Road Trains gehört, setzt bereits seit einiger Zeit auf Solartechnik. So hat man im vergangenen Jahr ein neuartiges Trägersystem für Solarzellen entwickelt, das diese per Seilzug optimal auf den Sonnenstand ausrichtet. Diese Solar Wings erhöhen die Energieausbeute um 30 Prozent.

In Kombination mit einem Skilift im Bündnerischen Tenna sollen die Sonnenflügel nun sogar dafür sorgen, dass der Lift gleichsam als Kraftwerk dient. Dabei sind am oberen Ende der Masten Träger und Seilzüge für Solarzellen eingebaut, darunter verläuft das Liftseil. Der soeben beschlossene Neubau in Tenna benötigt im Betrieb nur ein Drittel des Stroms selbst, der Rest geht gegen Rechnung ins Netz.

Die um rund einen Drittel höheren Anschaffungskosten des 1,2 Millionen-Projekts lassen sich daher sehr bald amortisieren, zeigt man sich bei der Lift-Genossenschaft überzeugt.

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