Fällt die Offa in St.Gallen dem Corona-Virus zum Opfer? Das sagt Olma-Messen-Direktor Nicolo Paganini

Der Bund hat bis am 15. März sämtliche Veranstaltungen mit über 1000 Personen verboten. Betroffen sind auch mehrere Anlässe auf dem Gelände der Olma-Messen. Müssen die Ostschweizerinnen und Ostschweizer nun um die Offa und den Frühlingsjahrmarkt bangen?

Rossella Blattmann
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Ein leeres Olma-Gelände: Wird es im April zur Wirklichkeit?

Ein leeres Olma-Gelände: Wird es im April zur Wirklichkeit?

Bild: Ralph Ribi

Gähnende Leere im Konservenregal im Supermarkt, Atemschutzmasken sind ausverkauft, kein Desinfektionsmittel weit und breit: Das Corona-Virus und die Angst vor einer Ansteckung haben die Schweiz erreicht: Bis am Dienstagabend wurden hierzulande mindestens 46 Fälle bestätigt. Auch wenn es in der Ostschweiz bislang noch keine bestätigten Corona-Infizierten gibt: Die Auswirkungen sind auch hier deutlich spürbar.

Was ist mit der Offa?

Am Freitag, 28. Februar, hat der Bundesrat wegen des Corona-Virus Grossveranstaltungen ab 1000 Personen bis am 15. März im ganzen Land untersagt. Fussballspiele des FC St.Gallen, Sportveranstaltungen wie der Engadin Skimarathon, der am kommenden Sonntag hätte stattfinden sollen, oder der Autosalon Genf vom 3. März wurden abgesagt.

Nicolo Paganini, Direktor Olma-Messen.

Nicolo Paganini, Direktor Olma-Messen.

Bild: Urs Bucher

Sie liegt zwar nicht innerhalb dieser Frist der Verbote – aber dennoch in naher Zukunft: die Offa. Die 44. Ostschweizer Frühlings- und Trendmesse (Offa) findet dieses Jahr geplant vom 15. bis 19. April statt.

«Einige hundert Personen beginnen Anfang April auf dem Messegelände mit den Aufbauarbeiten», sagt Nicolo Paganini. Der CVP-Nationalrat ist noch bis am 31. Mai als Direktor der Olma-Messen im Amt, die Nachfolge ist noch offen. Die Aufbauarbeiten der Messe seien in Corona-Zeiten wohl kein Problem, sagt er. Heikel wird es laut Paganini erst, wenn weit über tausend Besucherinnen und Besucher dicht aneinandergedrängt auf das Offa-Messegelände und den Jahrmarkt strömen. Dennoch sagt der Direktor:

«Solange der Bundesrat das Veranstaltungsverbot nicht verlängert, findet die Offa statt.»

Nun heisse es abzuwarten, ob und bis wann das Grossveranstaltungsverbot ausgedehnt werde oder nicht. Die Immo-Messe Schweiz – eine Messe für Immobilien, Bau und Renovation, die von Freitag, 20. März, bis Sonntag, 22. März angesetzt ist – steht auf der Kippe. Eine Absage der Immo-Messe würde laut Paganini schon weh tun. Und:

«Die Offa absagen? Das würde sehr weh tun.»

Keine Offa wäre nicht nur finanziell, sondern auch für den Kanton St.Gallen ein herber Verlust, sagt der Olma-Direktor. Man werde die Offa aus heutiger Sicht nur dann absagen, wenn das Verbot des Bundes bis nach Mitte April gelte, betont er.

Die Offa 2019 hat im vergangenen April 96'000 Besucherinnen und Besucher innerhalb von fünf Tagen auf das Olma-Gelände gelockt. Das war eine Steigerung von über zwei Prozent gegenüber dem Vorjahr. Zehntausende, die sich durch die Degustationshalle drängeln, die Gartenausstellung bestaunen, oder am Jahrmarkt eine Bratwurst verputzen: Die Ansteckungsgefahr ist wegen des Körperkontakts gross. Keine Offa als reine Corona-Vorsichtsmassnahme? Das komme nach heutigem Kenntnisstand aber nicht in Frage.

Finanzieller Schaden für die Messen in Weinfelden

Was es heisst, grössere Messen absagen zu müssen, hat man in den vergangenen Tagen im Kanton Thurgau erfahren. Wegen des Corona-Virus mussten alle drei Weinfelder Frühlingsmessen «inhaus», «die50plus» und «schlaraffia» abgesagt werden. Das trifft die Veranstalter hart. Auf der finanziellen Seite geht Gregor Wegmüller, Geschäftsführer der Messen Weinfelden, von einem Schaden in der Höhe von 200'000 Franken aus. «Das sind Aufwände für Werbung, Infrastruktur oder Einkäufe, die vergebens getätigt wurden. Wir versuchen nun, diese Zahl so weit es geht noch zu reduzieren», sagt er gegenüber der Thurgauer Zeitung.

Als Schaden bei der Versicherung geltend machen könne er die Summe nicht, da es sich um einen Fall von «höherer Gewalt» handelt, der zur Absage der Messen geführt hat. Auch von Bund und Kanton seien keine Entschädigungen zu erwarten.

Wer zahlt bei einer Absage?

Auf dem Olma-Messegelände in St.Gallen fielen nach dem Veranstaltungsverbot des Bundes bereits sieben Veranstaltungen ins Wasser, die bis zum oder kurz nach dem 15. März hätten über die Bühne gehen sollen:

  • Die HSG Talents-Conference vom Mittwoch, 4. März
  • Der SVC Unternehmerpreis Ostschweiz vom Donnerstag, 5. März 
  • Das «Deep in Love» Techno-Festival vom Samstag, 7. März
  • Die schriftlichen Prüfungen von  «Swiss Marketing» (Montag 9. und Dienstag 10. März)
  • Der Kantonale Bildungstag für Lehrpersonen der Volksschule von Samstag, 14. März
  • Die fünfte St.Galler Konferenz für Magen-Darm-Krebs (Donnerstag 19. bis Samstag 21. März)
  • Startup-Konferenz «Start Summit 2000» (Donnerstag 19. und Freitag 20. März)

Einige dieser Anlässe könnten eventuell zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt werden.

Sieben abgesagte Tagungen und Konferenzen mit Tausenden von Teilnehmern sind für die Olma-Messen ein herber finanzieller Verlust. Wenn ein Veranstalter absagt, wer übernimmt dann die Kosten? Nicolo Paganini sagt:

«Die Olma-Messen haben für ihre Geschäftstätigkeit eine Epidemieversicherung abgeschlossen. Die Versicherung zahlt nur, wenn der Anlass behördlich untersagt wird.»

Wie gross die bereits erlittenen Verluste sind, kann Paganini noch nicht sagen. «Wir sind mit Versicherung, Rechtsanwalt und den Veranstaltern der abgesagten Anlässe in Kontakt und klären, welche Kosten wir, welche der Veranstalter und welche die Versicherung übernimmt.»

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