Fachkräftemangel

«Es ist schon schwer, gute Lehrlinge zu finden»: Deshalb fehlen in der Ostschweiz die Techniker

Trotz Krise haben diverse Branchen weiterhin zu wenig qualifiziertes Personal. An der Spitze des Fachkräftemangel-Rankings liegen neu die technischen Berufe, gefolgt von den Berufen der Humanmedizin, der Pharmazie und dem Ingenieurwesen.

Sheila Eggmann
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Bauführer sind auch im Jahr 2020 besonders gesucht.

Bauführer sind auch im Jahr 2020 besonders gesucht.

Bild: David Lienberger

Markus Fürer hat ein Problem. Und nicht nur er. Der Geschäftsleiter der Gebäudetechnikfirma Fürer mit rund 40 Mitarbeitern sucht seit Jahren gutes Fachpersonal, wie viele andere auch in seiner Branche. «Es ist sehr schwierig, gute Leute zu finden», sagt er. «Das fängt bereits bei den Lehrlingen an.»

Markus Fürer, Geschäftsleiter der Fürer AG.

Markus Fürer, Geschäftsleiter der Fürer AG.

Bild: Elisabetz Fitze

Weil die Fachkräfte fehlen, setzt Fürer aktiv auf den Lehrlingsausbildungsbereich und zeigt sich beispielsweise an Ständen in Schulen oder Messen. Für Lernende gibt es ausserdem extra einen Übungsraum im Unternehmen. Das Interesse der Jungen bleibt trotzdem grösstenteils aus. Einen Grund dafür sieht der Geschäftsführer im ungerechtfertigt schlechten Image der Bauberufe - auf dem Bau sei es dreckig, laut, kalt. «Dabei hätte man sehr gute Weiterbildungsmöglichkeiten und Aufstiegschancen.»

Nachfrage nach Fachkräften ist gesunken

Seit Ausbruch der Coronakrise ist die Nachfrage nach Fachkräften zwar schweizweit gesunken. Dennoch besteht in diversen Berufen nach wie vor ein Mangel. Dies beispielsweise in den Bereichen Ingenieurwesen, Technik, Humanmedizin und Pharmazie, Treuhand sowie Informatik. Dies zeigt der Fachkräftemangel Index der Adecco Gruppe Schweiz und des Stellenmarkt-Monitors Schweiz der Universität Zürich.

Über den Fachkräftemangel Index Schweiz

In Zusammenarbeit mit dem Stellenmarkt-Monitor Schweiz (SMM) am Soziologischen Institut der Universität Zürich veröffentlicht Spring Professional, ein Unternehmen der Adecco Gruppe Schweiz, jährlich je eine umfassende Studie zum Fachkräftemangel in der Schweiz. Diese wissenschaftlich fundierten Fachkräftemangel-Studien zeigen auf, in welchen Berufen gesamtschweizerisch und regional die Zahl der ausgeschriebenen Stellen im Vergleich zu den Stellensuchenden besonders gross und in welchen besonders klein ist. Zudem ermöglichen langjährige Zeitvergleiche das Erkennen von Verschärfungen und Abschwächungen im Fachkräftemangel pro Beruf.

In der Ostschweiz belegen im Jahr 2020 neu die Berufe für Technikerinnen und Techniker den ersten Platz des Rankings. Unter diese Gruppe fallen unter anderem Elektrotechnikerinnen, Hoch- und Tiefbautechniker, Bauführerinnen oder Fahrzeugtechniker. Monica Dell’Anna, CEO der Adecco Gruppe Schweiz, wird in einer Medienmitteilung der Adecco zitiert:

«Die erste Welle der Covid-19 Pandemie verunsicherte die Unternehmen. Sie stellten nur noch zögerlich oder zeitweise gar kein neues Personal ein.»

In der zweiten Welle würden sie dagegen auf ihren Erfahrungen aufbauen können und nun trotz den einschränkenden Massnahmen wieder vermehrt Personal rekrutieren.

Ingenieure fallen auf Platz drei zurück

In den Ingenieurberufen sinkt in diesem Jahr der Mangel an Fachpersonal deutlich. Sie verlieren den 2019 belegten Spitzenplatz und fallen auf Rang drei zurück. «Es ist allerdings nicht davon auszugehen, dass die Zahl der Ingenieure innert eines Jahres so zugenommen hat. Folglich dürfte es sich eher um Veränderungen im Arbeitsmarkt handeln», sagt Karin Jung, Leiterin des St.Galler Amtes für Wirtschaft und Arbeit.

Überholt wurden die Ingenieure nicht nur von den technischen Berufen, sondern auch von den Berufen der Humanmedizin und Pharmazie, wie in der Adecco-Studie weiter steht.

Im Verkauf gibt es nach wie vor zu wenige Jobs

In Berufen mit einem Fachkräfteüberangebot spitzt sich die Lage für Stellensuchende durch die Coronakrise nochmals deutlich zu. Vor allem Berufe des Verkaufs und Handels, des Gastgewerbes sowie des kaufmännischen und administrativen Bereichs leiden unter einem Überangebot an Fachpersonal.

Helen Buchs vom Stellenmarktmonitor Schweiz der Universität Zürich sagt: «Für Stellensuchende ist es in diesen Berufen momentan schwierig, wieder eine Arbeit zu finden. Denn die Zahl der Vakanzen hat abgenommen und die Konkurrenz durch die steigende Zahl weiterer Stellensuchender ist gross.»