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Einkommensvergleich an Ostschweizer Fachhochschulen: In Rapperswil sind Lohnkürzungen zu erwarten

Die Löhne an den Fachhochschulen in St.Gallen, Rapperswil und Buchs unterscheiden sich teils deutlich. In der neuen Fachhochschule Ost wird an allen Standorten das gleiche Besoldungssystem gelten. Das wird zu Abstrichen führen.
Katharina Brenner
In Rapperswil ist das Lohnmaximum für Professoren am höchsten. (Bild: Benjamin Manser)

In Rapperswil ist das Lohnmaximum für Professoren am höchsten. (Bild: Benjamin Manser)

Es ist einer der Knackpunkte der Fusion: der Lohn. Bisher haben die drei Standorte der Fachhochschule Ost unterschiedliche Besoldungssysteme. Die St. Galler Regierung hat sie in ihrer Nachtragsbotschaft zur Errichtung der Fachhochschule Ost aufgelistet. Und sie sieht «deutlichen Harmonisierungsbedarf». Bei Professoren und Dozenten gilt in St.Gallen und Buchs die gleiche Lohnbandbreite (siehe Grafik). Sie reicht von 113'564.10 Franken bis 184'735.20 Franken pro Jahr – inklusive 13. Monatslohn. In Rapperswil startet das Lohnband für Dozenten leicht tiefer bei 111'490 Franken, endet bei Professoren aber knapp 15'000 Franken höher als in St.Gallen und Buchs – bei
199'712 Franken.

Bei den Assistenten und wissenschaftlichen Mitarbeitern liegt das Lohnmaximum in Rapperswil mit 162'187 Franken leicht unter dem von St.Gallen und Buchs mit 166'860.20 Franken. Beim Lohnminimum schert Buchs mit 58'572.80 Franken aus, während sich St.Gallen mit 79'838.20 Franken und Rapperswil mit 76258 Franken ähneln. Lothar Ritter, Rektor der NTB Buchs, sagt: «Die Funktionen werden anders zugeordnet.» In Buchs seien bereits Absolventen mit Bachelorabschluss in diesem Bereich angestellt. Buchs und St.Gallen wenden die Lohntabellen des Kantons St.Gallen an. Die Hochschule für Technik Rapperswil (HSR) hat ein eigenes Lohnregulativ, das sich an personalrechtliche Grundlagen des Kantons Zürich anlehnt. Die Einreihung von Mitarbeitern in Betrieb, Technik und Administration erfolgt in St.Gallen und Buchs analog dem Staatspersonal des Kantons St.Gallen – in Rapperswil analog dem Staatspersonal des Kantons Zürich.

Kürzungen nach Übergangsfrist von drei Jahren

Mit diesen Besonderheiten ist bald Schluss. Ab 2021 werden an allen Standorten ein gemeinsames Personalreglement und identische Anstellungsbedingungen gelten. Die Ost wird das neue Lohnsystem (Nelo) des Kantons St. Gallen anwenden, «ergänzt durch hochschulspezifische Referenzfunktionen» für Schulleitung, Dozierende und Mittelbau. Für die Verträge bisheriger Mitarbeiter wird es eine Übergangsfrist geben bis Herbst 2023. Auf den Zeitpunkt der Umstellung können «unter den Gesichtspunkten der internen Lohngerechtigkeit und der einheitlichen Anwendung des Personalrechts Erhöhungen der Löhne erfolgen», heisst es in der Nachtragsbotschaft. Löhne oberhalb des Maximums des massgebenden Lohnbands sollen nach drei Jahren «in einem einzigen Schritt auf dieses Maximum zurückgeführt werden».

Gewisse Mitarbeiter müssen also mit Lohnreduktionen rechnen. Wo und wie viele, sagt die Regierung nicht.

Thomas Geiser, Arbeitsrecht-Experte und emeritierter Professor der Universität St. Gallen, sagt, für eine wissenschaftliche fundierte Antwort müsste man die Löhne genauer vergleichen. Er vermutet, «dass Rapperswil wohl als Verlierer bezeichnet werden kann». Die Löhne des im Kanton St. Gallen geltenden Personalrechts liegen tiefer als das bis dahin in Rapperswil angewendete Lohnsystem. Führt das zu Unsicherheiten bei den Angestellten der HSR? Die Lohnunterschiede an den einzelnen Standorten oder allfällige längerfristige Kürzungen seien bisher noch kein Thema bei den Dozierenden, sagt Stefan Kammhuber, Vertreter der Dozierenden im Hochschulrat der HSR. «Dafür ist alles noch zu sehr im Fluss und zu wenig konkret.» Der neue Hochschulrat habe zusammen mit der neuen Hochschul­leitung die Aufgabe, Lösungen zu finden, die «möglichst viele zufriedenstellen und nicht demotivieren». Der St. Galler Bildungsdirektor Stefan Kölliker hatte gegenüber unserer Zeitung «Unzufriedenheiten, Reibereien und Konflikte» für den Fusionsprozess prophezeit (Ausgabe vom 23. April). «Weil sich Leute ­benachteiligt fühlen, weil Königreiche angetastet werden.»

Buchs hat «jüngste» Anstellungsordnung

Vorarbeiten zum Personalreglement starten im Sommer, Ausgestaltung und Umsetzung übernimmt der Hochschulrat. Die St. Galler Regierung betrachtet Buchs als Vorbild. Die Anstellungsordnung der NTB sei «zeitgemäss» und könne deshalb «in verschiedenen Bereichen wegleitend für das Personalreglement der Ost sein». Diese «jüngste» Anstellungsordnung wurde bis 2016 einer Totalrevision unterzogen «unter der Prämisse einer Angleichung an das kantonale st.gallische Personalrecht».

Auch bei der Regelung von Nebenbeschäftigungen verweist die Regierung auf die Buchser Anstellungsordnung als «gutes Ausgangspapier» (siehe Infobox). Die vorberatende Kommission hatte im Frühjahr weitere Informationen zu Nebentätigkeiten gefordert. Die Erfahrungen an der Universität St.Gallen haben das Parlament geprägt. Die Regierung schreibt in der Nachtragsbotschaft, «dass aufgrund des inhärenten Reputationsrisikos für den Arbeitgeber hochschuleigene Regelungen bezüglich Nebentätigkeiten für alle Personalkategorien zwingend sind».

Buchser Regeln als Vorbild

In der Anstellungsordnung der NTB Buchs gilt der Grundsatz: «Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter üben keine Tätigkeiten ausserhalb des Arbeitsverhältnisses aus, welche die Erfüllung ihrer Aufgaben oder die Unabhängigkeit von Lehre und Forschung beeinträchtigen oder beeinträchtigen könnten.» Sie müssen dem Rektor Nebentätigkeiten vorgängig melden. Dazu gehören Organfunktionen in Organisationen, die einen wirtschaftlichen Zweck verfolgen, Funktionen in Nonprofitorganisationen sowie die Ausübung von öffentlichen Ämtern.

Unabhängigkeit muss 
gewährleistet sein

Der Rektor kann die Ausübung der Tätigkeit untersagen oder Auflagen festlegen, wenn beispielsweise die Unabhängigkeit von Lehre und Forschung nicht gewährleistet ist, sich die Tätigkeit «nachteilig auf die Erfüllung der Aufgaben auswirkt oder auswirken könnte» oder das Logo der Hochschule verwendet wird. Zeitintensive Tätigkeiten von Mitgliedern der Hochschulleitung und Dozenten muss der Hochschulrat genehmigen. Als zeitintensiv gelten bei einer 100-Prozent-Stelle Tätigkeiten ausserhalb des Arbeitsverhältnisses von mehr als einem halben Tag pro Woche. (kbr)

Andere Definitionen je nach Hochschultyp

Stefan Kölliker sagte im Interview mit unserer Zeitung, dass das Personalreglement der neuen Fachhochschule «im Grundsatz für alle Hochschulen gelten» könne. «Wenn wir einen gemeinsamen Hochschulraum anstreben, werden Standardisierungen notwendig.» Bei einem Vergleich der Löhne zeigt sich, dass sich Funktionen und Definitionen deutlich unterscheiden. Man müsste «Äpfeln mit Äpfeln», also Unis mit Unis und Fachhochschulen mit Fachhochschulen, vergleichen, heisst es bei der Medienstelle der Universität St. Gallen.

Der Kantonsrat wird die Vorlage zur Fachhochschule Ost in der Junisession in erster und zweiter Lesung beraten – damit die Volksabstimmung im November stattfinden kann.

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