«Expo 2027 wäre idealer Partner»

Wer folgt als Stadionsponsor nach der AFG? Bei den Fans ist die Brauerei Schützengarten hoch im Kurs. CEO Reto Preisig gibt sich aber zurückhaltend. Andere nennen den Verein Expo 2027 Bodensee-Ostschweiz.

Jürg Ackermann/Ralf Streule
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Daniel Kehl Präsident Fanarbeit FC St. Gallen (Bild: Ralph Ribi)

Daniel Kehl Präsident Fanarbeit FC St. Gallen (Bild: Ralph Ribi)

FC-St. Gallen-Präsident Dölf Früh zeigte sich auf Anfrage überrascht über den Entscheid der AFG-Gruppe. Er habe gewusst, dass das Unternehmen «den Gürtel enger schnallen müsse», dass man das Namensrecht definitiv nicht verlängern wolle, sei ihm aber nicht bewusst gewesen. Der Ausstieg sei schade: «AFG ist ein guter Partner.» Dramatisch sei der geplante Abgang jedoch nicht, sagt Früh, da der FC St. Gallen genügend Zeit habe, sich bis in drei Jahren einen neuen Stadion-Namensgeber zu suchen. Zudem sei das Namensrecht für ein Stadion grundsätzlich eine populäre Werbeplattform. Auf die Suche werde man sich aber erst machen, nachdem die Gespräche mit der AFG-Gruppe geführt seien.

Dölf Früh Präsident FC St. Gallen (Bild: Urs Bucher)

Dölf Früh Präsident FC St. Gallen (Bild: Urs Bucher)


Schützengarten verlängert Vertrag

Potenzielle Nachfolger gibt es einige. Genannt werden etwa Schraubenhersteller Würth, der sich im Schweizer Fussball bereits engagiert und mit dem Sitz in Rorschach auch einen Ostschweiz-Bezug hat. Oder der Maschinenbauer Bühler, der grösste private Arbeitgeber im Kanton St. Galler. Die Anhänger des FC St. Gallen haben jedoch einen anderen Favoriten. «Schützengarten ist klar der grösste gemeinsame Nenner, mit dem sich fast alle Fans identifizieren könnten», sagt Daniel Kehl, Präsident Fanarbeit FC St. Gallen. Ob die Brauerei eine Million pro Jahr aufwenden will, ist jedoch fraglich. Schützengarten hatte bereits 2006 bei der Namensvergabe offeriert, konnte mit der AFG aber nicht mithalten. «Ich bin froh, dass wir die Namensrechte damals nicht gekauft haben», sagte der damalige CEO Christoph Kurer später in einem Interview mit unserer Zeitung. «Die AFG hat das besser ausnutzen können, als wir es hätten tun können.»

Auch der jetzige Schützengarten-CEO Reto Preisig äussert sich zurückhaltend. «Es freut uns, dass die Fans immer wieder unseren Namen nennen. Wir sind aber sehr zufrieden mit der Partnerschaft, die wir derzeit mit dem FC St. Gallen pflegen», sagte Preisig gestern auf Anfrage. Die Brauerei hat den Vertrag gerade um mehrere Jahre verlängert. Sie ist Premium-Sponsor, hat die exklusiven Lieferrechte für das Stadion bei den Getränken und ist auch auf dem Leibchen mit einem Logo präsent.

Daniel Kehl Präsident Fanarbeit FC St. Gallen (Bild: Ralph Ribi)

Daniel Kehl Präsident Fanarbeit FC St. Gallen (Bild: Ralph Ribi)

Bezug zur Ostschweiz ist wichtig

Ob die Namensrechte eines Stadions verkauft werden sollen, ist unter den Fussballfans ein umstrittenes Thema. Nicht gering ist zuweilen die Furcht um die Identität des Clubs. Die Verbundenheit der Fans mit dem Verein habe in St. Gallen aber nicht darunter gelitten, sagt Daniel Kehl. «Im modernen Fussball akzeptieren das die Leute, wenn sie wissen, dass es eine Million Franken gibt und dafür gute Spieler bezahlt werden können.» Für Kehl ist klar: Schwierig würde es, wenn der Club die Namensrechte an eine Firma oder Organisation vergeben würde, die keinen Bezug zur Ostschweiz hat. Der Stadt-St. Galler SP-Parlamentarier bringt deshalb noch eine andere Variante ins Spiel: «Die Verantwortlichen der Expo 2027 müssten den Kauf der Namensrechte ernsthaft prüfen. Dies könnte dem ganzen Projekt einen Schub verleihen.» Zumal sich das Gebiet der Expo mit dem Einzugsgebiet des FC St. Gallen decke, der nicht nur im eigenen Kanton, sondern in der ganzen Ostschweiz verankert sei.

Schweizer Premiere in St. Gallen

Ein Blick über die Grenze zeigt: Die Praxis in Europa ist sehr unterschiedlich, was die Vergabe der Namensrechte bei Fussballstadien betrifft. Während in Österreich oder in der deutschen Bundesliga die Mehrzahl der Clubs die Namensrechte zum Teil für mehrere Millionen Euro im Jahr, wie bei der Allianz-Arena in München, verkauft haben, verzichten in Spanien und Italien praktisch alle Vereine auf diese Einnahmequelle. Der FC St. Gallen war der erste Club in der Schweiz, der nach dem Wegzug aus dem Espenmoos 2008 sein Stadion nach einem Sponsor benannte. Es folgten der FC Luzern (Swisspor-Arena) und der FC Thun, bei dem die Stockhorn-Bahnen die Namensrechte erwarben. In der Challenge League hat auch der FC Wil die Namensrechte verkauft. An die IPG, eine lokale Firma für Pulverlack-Systeme.

Spätestens ab Juni 2018 heisst das St. Galler Fussballstadion nicht mehr AFG Arena. (Bild: Jonny Schai)

Spätestens ab Juni 2018 heisst das St. Galler Fussballstadion nicht mehr AFG Arena. (Bild: Jonny Schai)