EXPERTENMEINUNG: "Batterien sind keine Gefahr bei Elektroautos"

Der britische TV-Star Richard Hammond ist am Bergrennen in Hemberg mit einem 1088 PS starken Elektro-Sportwagen verunfallt. Doch wie konnte das Auto überhaupt Feuer fangen? Ein Experte klärt auf.

Bruno Knellwolf
Drucken
Teilen
Reto Blättler: Experte Fahrzeug- und Komponententests. (Bild: PD)

Reto Blättler: Experte Fahrzeug- und Komponententests. (Bild: PD)

Wie Moderator Richard Hammond mit dem Elektro-Sportwagen verunfallt ist, wird weiterhin ermittelt. Eine technischer Defekt als Unfallursache wäre möglich. Laut Reto Blättler, Experte beim Touring Club Schweiz (TCS), ist ein Elektroauto grundsätzlich nicht gefährlicher als eines mit Verbrennungsmotor.
 
Herr Blättler, das Unfallauto von Richard Hammond leistet 1088 PS und beschleunigt in 6,2 Sekunden auf 200. Ist ein solcher Elektro-Supersportwagen vergleichbar mit einem seriellen Elektroauto, zum Beispiel mit einem Tesla?
Das Unfallauto muss zumindest eingelöst gewesen sein. Richard Hammond ist damit auch an der Luzerner Bahnhofstrasse gesehen worden. Es handelt sich nicht um einen Eigenbau im eigent­lichen Sinne, sondern um eine ­Einzelanfertigung. Um einen Concept Car, von denen es acht Stück gibt. Um zu sagen, ob das verunglückte Fahrzeug mit einem Tesla vergleichbar ist, müssten wir beide Fahrzeuge testen und genau unter die Lupe nehmen. Dies ist aufgrund der geringen Stückzahl und des hohen Preises des Elektrofahrzeugs nicht möglich.

Hammonds Auto hat nach dem Unfall in der Wiese gebrannt. Wie kann es in einem Elektroauto, das ohne Treibstoff unterwegs ist, zu einem Brand kommen?
Strom kann bei einem Kurzschluss einen Brand auslösen, bei Elektroautos und auch bei Autos mit Verbrennungsmotoren.

Bei schweren Unfällen kommt es in einem Prozent zu einem Brand. Vor allem wegen Kabelbränden?
Ja, sowohl bei einem herkömmlichen Auto wie bei einem Elek­trofahrzeug ist ein Kabelbrand möglich.

Wie kommt es zu einem Kurzschluss?
Nach einem Unfall kann es zu Beschädigungen am Chassis kommen. Darin sind alle Stromleitungen. Bei Druck auf ein Kabel oder wenn dieses auseinandergezogen oder gebrochen wird, ist ein Kurzschluss möglich. Das gilt für alle Autos. Möglich ist auch, dass der Alternator, die Lichtmaschine, einen Kurzschluss hat und einen Brand auslöst. Ein Auto kann allerdings nicht explodieren wie in einem Kinofilm. Der Knall kommt vielleicht von den Reifen. Der Tank schmilzt, das Benzin läuft aus, eine Explosion gibt das aber nicht.

Wie sicher sind die Batterien?
Die verbauten Batterien in einem Elektroauto stellen im normalen Betrieb keine Gefahr dar. Nach einem Crash müssen die Batterien allerdings entladen werden, wie bei Benzinfahrzeugen der Treibstoff abgepumpt werden muss. Warum zeigte sich vor einigen Jahren nach einem simulierten NCAP-Crashtest eines Chevrolet Volt. Drei Wochen danach ging die Batterie in Flammen auf wegen eines Kurzschlusses. Beschädigte Batterien können sich selbst entzünden.

An Elektro-Rallyes wie jetzt gerade an der Wave-Trophy auf der Grand Tour, sind viele Eigenbauten von Elektroautos unterwegs. Sind diese per se gefährlicher?
Nein, bei schnellen und leistungsstarken Autos muss der Fahrer generell aufpassen, damit er die Kräfte unter Kontrolle halten kann. Die Sicherheit moderner Elektrofahrzeuge ist vergleichbar mit derjenigen von Autos mit Benzin- oder Dieselmotor.

Gilt es generell eine Vorsichtsmassnahme zu treffen als Fahrer eines Elektroautos, zum Beispiel bei heissen Temperaturen?
Wer Auto fährt, muss immer wieder und dauernd Vorsichtsmassnahmen treffen. Zum Beispiel die Geschwindigkeit den Strassengegebenheiten anpassen. Ob Einzelanfertigungen oder grössere Stückzahlen ist dabei kaum von Bedeutung. Schnelle und leistungsstarke Autos fordern dem Fahrer generell höhere Aufmerksamkeit ab. Da allgemein eine Rettung nach einem Unfall aus einem Auto tendenziell schwierig ist, empfiehlt der TCS das Anbringen einer Rettungskarte. Auf der Rettungskarte sind unterstützende Informationen zur Personenrettung nach einem Unfall zu finden.

Was steht auf der Rettungskarte?
Informationen für die Feuerwehr, die ein Unfallauto in der Not zerschneiden muss. Damit diese zum Beispiel nicht in den Sprengstoff schneidet, der den Airbag auslöst oder in wichtige Kabel. Diese Rettungskarte kann im Internet ausgedruckt werden.



 

Rimac Concept One

Der Rimac Concept One ist ein zweisitziger elektrobetriebener Sportwagen. Seit 2013 ist es nicht nur der erste elektrische Supersportwagen, sondern gilt auch als das am stärksten beschleunigende Elektroauto der Welt. Mit einer Leistung von 1088 PS beschleunigt das Auto von 0 auf 100 km/h in 2,5 Sekunden, auf 200 in 6,2 Sekunden. Der Wert des Wagens beträgt rund zwei Millionen Franken.

Hergestellt wird der Rimac Concept One von Rimac Automobili, welches den Sitz in der kroatischen Hauptstadt Zagreb hat. Der Gründer des Fahrzeugs Mate Rimac, hat zuvor einen Tesla S bis ins Detail studiert, ehe er in seiner Garage den Concept One entwickelte.
Das Elektroauto, ein sogenannter Volar-e, soll in 15 Minuten aufgeladen sein und kann eine Höchstgeschwindigkeit von 305 Stundenkilometer erreichen. Die Reichweite des Fahrzeugs beträgt rund 200 Kilometer. Bis zum Oktober 2014 wurden acht dieser Fahrzeuge verkauft.

Der Concept One wurde bis im Jahr 2016 ständig weiterentwickelt. Am Autosalon Genf wurde schliessliche eine finale Version vorgestellt, wie auch die Nachfolgeversion Rimac Concept S. (lex)