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Vincenz nach Freilassung: «Die U-Haft war aus meiner Sicht unnötig»

Nach 106 Tagen in Untersuchungshaft ist Pierin Vincenz seit gestern Dienstag wieder auf freiem Fuss. Auch der ehemalige Aduno-Chef Beat Stocker durfte das Gefängnis verlassen. Wie die Zürcher Staatsanwaltschaft schreibt, würden die Ermittlungen jedoch andauern.
Tim Naef
Hat wieder gut lachen: Pierin Vincenz durfte das Zürcher Untersuchungshaftgefängnis nach über dreieinhalb Monaten verlassen. (Ralph Ribi)

Hat wieder gut lachen: Pierin Vincenz durfte das Zürcher Untersuchungshaftgefängnis nach über dreieinhalb Monaten verlassen. (Ralph Ribi)

Die Zürcher Justiz hatte den einst gefeierten Raiffeisen-Chef und ehemaligen Aduno-Verwaltungsratspräsidenten Pierin Vincenz Ende Februar in seinem Wohnort Teufen verhaften lassen. Nun, nach 106 Tagen in Untersuchungshaft, ist er wieder auf freiem Fuss. «Die Untersuchungshaft gegen die zwei Beschuldigten wurde am 12. Juni aufgehoben», schreibt die Zürcher Staatsanwaltschaft in einer Medienmitteilung. Die sehr aufwändige Untersuchung sei dank intensiver Ermittlungen von Staatsanwaltschaft und Kantonspolizei bereits weit fortgeschritten, so dass die Beschuldigten unter Auflage verschiedener Ersatzmassnahmen hätten aus der Haft entlassen werden können.

Vincenz bestätigte seine Freilassung gegenüber dem «Tagesanzeiger»: «Was ich in den letzten Wochen erlebt habe, wünsche ich niemandem. Es geht mir den Umständen entsprechend gut und ich danke allen, die in dieser schwierigen Zeit zu mir stehen und mich unterstützen.» Die Eröffnung des Strafverfahrens sei für ihn völlig überraschend gekommen. Vincenz sagte weiter:

«Die Untersuchungshaft war aus meiner Sicht unnötig und ihre Länge völlig unverhältnismässig. Die gegen mich erhobenen Vorwürfe bestreite ich nach wie vor.»

Von der Staatsanwaltschaft heisst es: «Die Ermittlungen gegen sämtliche Beschuldigten sind jedoch nach wie vor im Gange.» Weitere Auskünfte würden aus Rücksicht auf das laufende Strafverfahren derzeit nicht erteilt werden.

Ungetreue Geschäftsbesorgung

Die Staatsanwaltschaft wirft Vincenz ungetreue Geschäftsbesorgung vor. Auslöser des Strafverfahrens ist eine Anzeige der Aduno-Gruppe vom Dezember 2017. Nach Bekanntwerden der Untersuchungen reichte Raiffeisen ebenfalls eine Strafanzeige gegen ihren ehemaligen Chef ein. Zuvor hatte bereits die Finanzmarktaufsicht (Finma) gegen Vincenz ermittelt, das aufsichtsrechtliche Zwangsverfahren aber im Dezember 2017 eingestellt.

Vincenz soll sich an der Herisauer Investmentgesellschaft Investnet heimlich via Strohmänner beteiligt und diese verdeckten Treuhandgeschäfte vor Raiffeisen verborgen gehalten haben. Später kaufte Raiffeisen Investnet, wobei Vincenz persönlich abkassiert haben soll. Ähnliches soll bei der Kreditkartenfirma Aduno geschehen sein. Das Unternehmen hat 2007 die Commtrain Card Solutions übernommen. Zwei Jahre später wurde diese mit Aduno, die zu gut einem Viertel von Raiffeisen kontrolliert wird, fusioniert. Die Staatsanwaltschaft hegt den Verdacht, dass sich Vincenz 2007, damals Verwaltungsratspräsident von Aduno, im Vorfeld der Transaktion privat an Commtrain beteiligt und dann ebenfalls Kasse gemacht hat.

Auch Beat Stocker aus U-Haft entlassen

Einzig der frühere Aduno-Chef Beat Stocker soll über die Machenschaften Vincenz' im Bilde gewesen sein. Auch er hatte sich zuvor an Commtrain beteiligt. Stocker wurde gleichzeitig mit Vincenz Ende Februar verhaftet und in Untersuchungshaft gesetzt. Laut Staatsanwaltschaft ist er ebenfalls am Dienstag wieder freigelassen worden. Gleich wie bei Vincenz, wurde gegen Stocker wegen ungetreuer Geschäftsbesorgung ermittelt.

Sowohl Vincenz als auch Stocker beharren auf ihrer Unschuld. Es gilt die Unschuldsvermutung.

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