Ex-Partnerin mit mehreren Messerstichen verletzt: Kreisgericht St.Gallen verurteilt 66-Jährigen zu Freiheitsstrafe von vier Jahren

Ein 66-Jähriger hat seine ehemalige Lebenspartnerin mit mehreren Messerstichen verletzt, nachdem ein Streit um das gemeinsame Auto eskalierte. Das St.Galler Kreisgericht verhängt eine Freiheitsstrafe von vier Jahren, die zu Gunsten einer stationären Massnahme aufzuschieben sei.

Claudia Schmid
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Das Kreisgericht St.Gallen musste in einem Fall zur vorsätzlicher versuchter Tötung urteilen.

Das Kreisgericht St.Gallen musste in einem Fall zur vorsätzlicher versuchter Tötung urteilen.

Bild: Ralph Ribi

Am Freitag stand ein Mann vor dem Kreisgericht St.Gallen, der seine ehemalige Lebenspartnerin mit mehreren Messerstichen verletzt hat. Er lebt zur Zeit in einer psychiatrischen Klinik. In der Befragung des vorsitzenden Richters gab der Beschuldigte klar und ruhig Antwort. Nach seinen Schilderungen wohnten er und das Opfer mehrere Jahre zusammen.

Es sei eine gute Zeit gewesen, erzählte er. Dann habe ihm die Frau plötzlich eröffnet, dass er ausziehen müsse. Sie habe gesagt, so gehe es einfach nicht mehr weiter. Das sei ein harter Schlag für ihn gewesen. Nach dem Auszug folgten Aufenthalte in psychiatrischen Kliniken, Hotels und in einem Wohnheim. Bereits in früheren Jahren war er mehrmals in stationärer Behandlung.

Laut den Aussagen des Beschuldigten erhielt er ein oder zwei Tage vor dem Tatvorfall einen Brief von seiner ehemaligen Lebensgefährtin. Darin habe sie ihn erniedrigt und beleidigt. Das habe Wut in ihm ausgelöst. Er beschloss, zu ihr zu gehen, um mit ihr zu reden und das gemeinsame Auto abzuholen, welches zur Hauptsache er bezahlt habe, aber auf sie eingelöst gewesen sei. Das habe sie ihm verweigert und gesagt, sie werde das Fahrzeug verkaufen.

Schnittverletzungen an Hals und Schulter

Wie der Mann weiter berichtete, ging die Frau zum Auto und holte daraus ein Messer hervor. Er habe sich bedroht gefühlt und ihr das Messer entrissen. Dabei habe er sich selber an der Hand verletzt. An den weiteren Ablauf erinnere er sich nicht mehr.

Das Opfer hatte ausgesagt, der Beschuldigte habe das Messer mitgebracht und es kurz vor der Attacke aus seiner Badetasche gezogen. Die Frau erlitt mehrere Stich- und Schnittverletzungen im Hals- und Schulterbereich, welche eine Operation nötig machten.

Die Staatsanwältin beantragte Schuldsprüche wegen versuchter vorsätzlicher Tötung und versuchten Raubes. Als Sanktion forderte sie eine Freiheitsstrafe von vier Jahren, die zu Gunsten einer stationären Massnahme aufzuschieben sei.

Während der Zeit des Zusammenwohnens habe das Opfer über sechs Jahre lang das Leben des Beschuldigten geregelt. Die Messerattacke habe die Frau schwer getroffen. Der Beschuldigte sei als Täter auf Grund seiner psychischen Krankheit nicht wirklich in der Lage, seine Tat einzuordnen. Es sei davon auszugehen, dass er nicht wisse, was er seiner ehemaligen Lebenspartnerin tatsächlich angetan habe.

Vertrauen in das Gute erschüttert

Der Rechtsvertreter des Opfers betonte, seine Mandantin habe schmerzhaft erkennen müssen, dass die Beziehung auf Grund des Verhaltens des Beschuldigten nicht weiter funktionieren könne. Sie habe ihn aber nicht einfach fallen gelassen, sondern sei ihm etwa bei der Wohnungssuche behilflich gewesen. Die Frau leide schwer unter der Tat und brauche noch heute wegen Angstzuständen und Albträumen psychologische Unterstützung. Ihr Vertrauen in das Gute im Menschen sei zutiefst erschüttert worden.

Der Verteidiger verlangte einen Freispruch von den Vorwürfen. Der Beschuldigte sei aus den sichernden Massnahmen zu entlassen. Es gebe keine gesicherten Rückschlüsse, was wirklich zwischen den beiden Beteiligten passiert sei. So wisse man beispielsweise nicht, wer zuerst das Messer in der Hand gehabt habe. Sollte das Gericht wider Erwarten Schuldsprüche fällen, seien Milderungsgründe zu berücksichtigen.

Freispruch vom versuchten Raub

Das Kreisgericht St.Gallen sprach den Mann vom Vorwurf des versuchten Raubes frei, jedoch verurteilte es ihn wegen vorsätzlicher versuchter Tötung. Es verhängte eine Freiheitsstrafe von vier Jahren. Diese ist zu Gunsten einer stationären Massnahme nach Artikel 59 des Schweizerischen Strafgesetzbuches (sogenannte kleine Verwahrung) aufzuschieben. Das Gericht gehe nicht davon aus, dass das Opfer das Messer zuerst in der Hand gehabt habe, erklärte der Vorsitzende Richter. Deshalb sei auch keine Notwehrsituation gegeben.

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