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Ex-Manager will zum Songcontest

Warum tun sie das eigentlich: Der 28jährige Exil-Wiler und Wahl-Berliner Michael Hasenfratz nimmt an der Schweizer Vorentscheidung für den Eurovision Song Contest teil – und will gewinnen. Neun andere Ostschweizer tun es ihm gleich.
Janine Mayer
Der gebürtige Wiler Michael Hasenfratz lebt heute in Berlin. Am ESC tritt er dennoch für die Schweiz an. (Bild: pd)

Der gebürtige Wiler Michael Hasenfratz lebt heute in Berlin. Am ESC tritt er dennoch für die Schweiz an. (Bild: pd)

Michael Hasenfratz, Sie haben mit «Dini Wält» vielleicht den Siegersong für den Eurovision Song Contest (ESC) komponiert. Welches ist Ihre Lieblingszeile?

Michael Hasenfratz: «Ich wunderä mich, dass du nonig under es Auto grotä bisch, so verträumt wiä du dur d‘Wält laufsch.»

Warum gefällt Ihnen gerade diese Zeile so gut?

Hasenfratz: Weil ich dabei immer schmunzeln muss. Einige meiner Freunde gehen so verträumt durch das Leben und sind dabei so entspannt, dass ich sie manchmal richtig beneide.

Sie treten mit einem Mundartlied an, warum tun Sie das?

Hasenfratz: Das hat verschiedene Gründe. Ich wollte zuerst einen englischen Text schreiben, das ist mir aber nicht wirklich gelungen. Ein englischer Song hätte einfach rein gefühlsmässig nicht gepasst.

Wie meinen Sie das, «rein gefühlsmässig»?

Hasenfratz: Nun ja, die Identität der Schweiz hängt sehr mit ihren Sprachen und Dialekten zusammen. Das geht mir auch so, denn obwohl ich in Berlin lebe, identifiziere ich mich sehr mit der Schweizer Mundart und bin immer dran, diese zu pflegen.

Gelingt Ihnen das?

Hasenfratz: Dadurch, dass ich immer wieder Besuch von Familie oder Freunden bekomme, gelingt mir das ganz gut. Ausserdem arbeite ich nebenbei auch an der Kasse im Theater, wo wir oft Schweizer Gäste haben. Sobald ich das merke, wechsle ich auf Mundart – kein Schweizer ist vor mir sicher!

Wann haben Sie sich entschlossen, am Wettbewerb teilzunehmen?

Hasenfratz: Mit dem ESC-Fieber habe ich mich schon 2007 infiziert, als ich für ein Semester nach London ging. Ich verfolgte den englischen Vorentscheid – und seither ist der ESC ein fixer Termin in meiner Agenda. Ich hab mich aber lange nicht getraut, wirklich mitzumachen. Als ich aber «Dini Wält» fertig komponiert hatte, war mir klar: Jetzt bist du so weit. Und dank der Unterstützung von Freunden ist denn auch alles wahnsinnig schnell gegangen.

Was bedeutet «wahnsinnig schnell»?

Hasenfratz: Den Text und die Musik habe ich in drei Tagen komponiert, eine Woche später einen Produzenten gefunden. In ebenso kurzer Zeit konnte ich Regisseurin sowie Kameramann und Schauspieler für meinen Videoclip begeistern. Der Dreh hat übrigens auch nur eineinhalb Tage gedauert.

Im Clip geht es um einen Manager, der auf einen Träumer trifft. Gibt es da einen Bezug zu Ihrem Leben?

Hasenfratz: Den gibt es tatsächlich. Ich war als Marketingmanager in Zürich tätig, bevor ich nach Berlin ging, deshalb der strenge Businesslook. Dass mein Partner im Clip ein Mann ist, ist ebenfalls kein Zufall. Ich bin schwul und wünsche mir, dass gleichgeschlechtliche Paare ein ganz normaler Anblick sind.

Was hat Sie dazu bewegt, nach Berlin zu gehen?

Hasenfratz: 2010 wollte ich eigentlich ein Master-Studium im Management beginnen, aber dazu ist es nicht mehr gekommen. Ich erinnere mich noch sehr gut daran, wie ich mit einer befreundeten Pianistin gesprochen hatte. Wir unterhielten uns eine ganze Weile über unsere Berufswünsche und Träume, als sie plötzlich zu mir sagte: «Das mit dem Singen ist für dich noch nicht vom Tisch!» Und so habe ich mich entschieden, statt eines Master-Studiums meine Gesangskarriere voranzutreiben. Dass mein damaliger Lebenspartner in Berlin lebte, hat mich dann dazu bewogen, ebenfalls dorthin zu gehen.

Was gefällt Ihnen an Berlin?

Hasenfratz: Das ist ganz eindeutig die quirlige Atmosphäre, die mich auf eine Art und Weise sehr inspiriert. Irgendwie ist hier immer viel zu viel los.

Was fehlt Ihnen in Berlin?

Hasenfratz: Maisbrötli! Hier in Berlin gibt's zwar «Schrippen», aber ein gutes Maisbrötli hab ich noch nicht gefunden. Ausserdem fehlt mir manchmal die Freundlichkeit der Schweizer. Wenn man hier in Berlin zum Bäcker geht, wird man abgefertigt, in der Schweiz wird man meistens mit einem Lächeln bedient.

Haben Sie manchmal Heimweh?

Hasenfratz: Ja, aber ich habe ein Gegenmittel gefunden: Kochen!

Kochen?

Hasenfratz: Genau, dann lade ich Freunde zum Raclette- oder Fondueessen ein. Manchmal mache ich auch «Züri Gschnätzlets», aber dann lasse ich nur Leute mitessen, die nicht «Züricher Geschnetzeltes» sagen.

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