«Ex-Frau wollte Luxusleben fortsetzen»

Im Flowtex-Prozess in Frauenfeld hatte gestern die Anklage das Wort. Die Staatsanwaltschaft warf der Ex-Frau des Flowtex-Geschäftsführers vor, mit Hilfe ihrer Anwälte gezielt und in grossem Stil Vermögenswerte versteckt zu haben.

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FRAUENFELD. In einem auf 20 Tage angesetzten Prozess will die Thurgauer Staatsanwaltschaft beweisen, dass unrechtmässige Gewinne aus den Betrügereien des Unternehmens Flowtex in der Schweiz gewaschen und dort versteckt wurden. Angeklagt sind der ehemalige Flowtex-Geschäftsführer, seine Ex-Frau, die beiden erwachsenen Kinder des Paars sowie der Rechtsanwalt der Ex-Frau. Nach mehreren Prozesstagen mit Befragungen von Zeugen war gestern vor Bezirksgericht die Anklage an der Reihe. Der Staatsanwalt kündigte ein rund zehnstündiges Plädoyer an, verteilt auf zwei Tage. Er bezeichnete die Machenschaften von Flowtex als «gewaltiges Schneeballsystem», bei dem Gewinne in Immobilien unter anderem in Spanien, Uruguay oder St. Moritz angelegt worden seien. Es sei auch Kunst von Picasso oder Chagall gekauft worden oder die Gelder seien in Stiftungen «gebunkert» worden. Insgesamt habe der Schaden 2,8 Milliarden D-Mark betragen.

«Hilflosigkeit ist nur gespielt»

Im ganzen Flowtex-Komplex sei «kein weisses Geld» vorhanden gewesen, es habe keine legalen Einkünfte gegeben, führte die Anklage aus. Der Geschäftsführer sei jahrelang ein erfolgreicher Betrüger gewesen. Die Delinquenz seiner Ex-Frau habe am Tag seiner Verhaftung angefangen. Sofort habe sie begonnen, Vermögenswerte beiseitezuschaffen und zwar «mit einer stupenden Sicherheit und einer durchdachten Strategie». Ihre Hilflosigkeit sei nur gespielt, sie habe getan, wozu nur eine Überzeugungstäterin in der Lage sei und dabei eine «erstaunliche Chuzpe» an den Tag gelegt. «Sie wollte ihr Luxusleben ungerührt weiterführen», so der Staatsanwalt. Weil die Suche nach den Geldern zeitraubend und teuer gewesen sei, habe die Insolvenzverwaltung mit der Ex-Frau einen Vergleich geschlossen, den sie allerdings nicht einhielt: Für eine Entschädigung von 20 Millionen D-Mark verpflichtete sie sich, ihr Vermögen von 366 Millionen D-Mark an die Insolvenzbehörde zu übergeben.

Mit Millionen ins Engadin

Die Anklage schilderte weiter, dass das Ehepaar sich bemüht habe, bei Transaktionen möglichst keine Spuren zu hinterlassen. Der Flowtex-Geschäftsführer sei bei gutem Wetter immer wieder nach Samedan geflogen. Dabei habe er Plastiksäcke mit jeweils drei, vier Millionen D-Mark transportiert, die danach in St. Moritz bar auf ein Konto einbezahlt wurden.

Die Frau habe auch die beiden Kinder in ihre Vermögensgeschäfte einbezogen. Die Angeklagte habe Anwälte beschäftigt, die mit juristischen Manövern die Geldwäscherei «als normales Alltagsgeschäft» erscheinen lassen sollten. «Nun steht eine ganze Familie mit ihrem Anwalt vor Gericht», fasste der Staatsanwalt zusammen. (sda)