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Interview

St.Galler Kirchenratspräsident: «Sehe keinen Grund, warum wir Homosexuellen den Zugang zu Reproduktionsmedizin verwehren sollten»

Martin Schmidt, Kirchenratspräsident der Evangelisch-reformierten Kirche des Kantons St.Gallen, über die Umsetzung der «Ehe für alle» und die Konsequenzen.
Katharina Brenner
Die neutestamentliche Botschaft von Liebe und Barmherzigkeit lasse sich nicht mit einem Ausschluss von Homosexuellen vereinbaren, sagt Kirchenratspräsident Martin Schmidt. (Bild: pd)

Die neutestamentliche Botschaft von Liebe und Barmherzigkeit lasse sich nicht mit einem Ausschluss von Homosexuellen vereinbaren, sagt Kirchenratspräsident Martin Schmidt. (Bild: pd)

Das Parlament des Evangelischen Kirchenbundes sagt Ja zur «Ehe für alle». Reformierte Pfarrpersonen können Trauungen aber auch verweigern. Der Beschluss hat lediglich den Charakter einer Empfehlung. Martin Schmidt, Kirchenratspräsident der Evangelisch-reformierten Kirche des Kantons St.Gallen, über die Umsetzung im Kanton.

Begrüssen Sie es, dass reformierte Pfarrerinnen und Pfarrer Homosexuelle trauen dürfen?

Martin Schmidt: Grundsätzlich ja. Wobei zunächst zu klären ist, was eine Trauung nach reformiertem Verständnis ist. Im Kanton St. Gallen hat sich die Synode bereits seit 2002 für Segnungsfeiern homosexueller Paare ausgesprochen. Trotzdem sind wir in der aktuellen, nationalen Debatte etwas auf die Bremse getreten.

Warum?

Weil wir eine viel grössere Diskussion führen müssen. Die «Ehe für alle» ist nur ein Aspekt. Wir sollten auch über das Adoptionsrecht und den Zugang zu Reproduktionsmedizin bei Homosexuellen sprechen. So lange wir dazu als Kirche keine klare Haltung haben, scheint mir ein Entscheid zur «Ehe für alle» überstürzt.

Auf kantonaler Ebene sind Sie für eine Segnung von homosexuellen Paaren, auf Landesebene wollen Sie diese aber bremsen. Das ist doch ein Widerspruch.

Das kann man so sehen. Ich finde einfach, dass wir gerade als Kirche über die grossen gesellschaftlichen Fragen reden müssen und eine klare Haltung brauchen, bevor wir uns in politische Prozesse einbringen. Denn die Trauung ist letztlich ein ziviler Akt und die «Ehe für alle» ein politischer Entscheid.

Wie stehen Sie zum Adoptionsrecht für Homosexuelle und den Zugang zu Samenspenden für lesbische Paare?

Wenn wir mit der «Ehe für alle» die gleichen Rechte für Homosexuelle wie für Heterosexuelle fordern, ist die logische Konsequenz, dass das auch für Adoption und Reproduktionsmedizin gilt. Ich sehe keinen Grund, warum wir Homosexuellen den Zugang dazu verwehren sollten. Das muss aber grundsätzlich angeschaut werden.

Wie begründen Sie das theologisch?

Im Alten Testament haben wir es mit Nomadenvölkern zu tun. Um ihr Überleben zu sichern, brauchten sie möglichst viele Nachkommen. Deshalb waren sie gegen Homosexualität. In der heutigen Zeit gilt das so nicht mehr. Und die neutestamentliche Botschaft von Liebe und Barmherzigkeit lässt sich nicht mit einem Ausschluss von Homosexuellen vereinbaren. Das ist aber eine Frage der Interpretation der Heiligen Schrift.

Wie viele homosexuelle Paare hat die Reformierte Kirche im Kanton bisher gesegnet?

Sehr wenige. Fünf oder sechs.

Wird die Zahl mit der neuen Empfehlung zunehmen?

Das könnte schon sein. Sicher nicht stark, aber das Thema ist wieder präsenter. Vielleicht wussten manche auch gar nicht, dass das in St.Gallen möglich ist.

Weigern sich Pfarrpersonen in der Kantonalkirche, Homosexuelle zu trauen?

Es gibt einige, die das mit ihrem Gewissen nicht vereinbaren können. Das respektieren wir.

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