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Evangelische Landeskirche Thurgau befasst sich mit freiwilligem Tod im Alter

Die «Zweitmeinung» zum begleiteten Suizid. Im Buch «Den Weg zu Ende gehen» setzt sich die Evangelische Landeskirche Thurgau mit dem Thema freiwillig aus dem Leben scheiden auseinander.
Ida Sandl
Kirchenratspräsident Wilfried Bührer. (Bild: Donato Caspari)

Kirchenratspräsident Wilfried Bührer. (Bild: Donato Caspari)

Begleiteter Suizid für Lebensmüde: Wird das bald schon normal? Es würde die Gesellschaft grundlegend verändern, sagt Wilfried Bührer, Präsident des Evangelischen Kirchenrates Thurgau.

Wilfried Bührer, ist es Sünde, mit Hilfe einer Sterbeorganisation wie Exit seinem Leben ein Ende zu setzen?

Wilfried Bührer: Ich würde nicht von «Sünde» reden. Denn das würde heissen, wir massen uns an, über die Not eines Menschen zu urteilen, und das steht uns nicht zu. Aber als Kirchenrat und als evangelische Landeskirche melden wir Bedenken an, was den begleiteten Suizid betrifft.

Was sind das für Bedenken?

Das betrifft einmal meinen Glauben: Für mich hat Gottesfurcht etwas zu tun mit Ehrfurcht vor dem Leben – wozu auch das eigene Leben gehört. Und dann hat es eine gesellschaftliche Dimension: Wenn es zur normalen Option wird, seinem Leben im Alter selbst ein Ende zu setzen, wird das die Gesellschaft verändern. $

Inwiefern?

Wenn immer mehr betagte Menschen selbst entscheiden, wann sie sterben, betrifft das auch die anderen. Die Hochbetagten oder die Pflegebedürftigen, die es nicht tun, geraten dann unter Druck. Sind sie dann nur noch ein Kostenfaktor, eine Zumutung für die Gesellschaft? Müssen sie sich vielleicht sogar rechtfertigen, warum sie noch am Leben sind?

War das der Grund für das Buch «Den Weg zu Ende gehen»?

Wir möchten ein Gegengewicht geben zu derzeitigen einseitigen Diskussionen und Beeinflussungsversuchen, da wir den Eindruck haben, der begleitete Suizid könnte zur Alltäglichkeit werden. Prominente zelebrieren ihn, als wäre es ein Spaziergang.

Was soll dieses Buch bewirken?

Es soll zum Nachdenken über diese Fragen anregen, zu einer vertieften Auseinandersetzung. Das Thema wird von ganz verschiedenen Seiten angegangen, es gibt Beiträge von Ärzten, Psychologen, Juristen, aber auch von Seelsorgern. Dazu kommen Erfahrungsberichte von Angehörigen. Wir wollen zeigen, dass der begleitete Suizid keine banale Sache ist.

Würden Sie das Buch auch jemandem empfehlen, der nicht gläubig ist?

Auf jeden Fall. Es ist kein missionarisches Buch, es beleuchtet sehr viele Aspekte des letzten Lebensabschnittes. Und es macht klar, dass die Würde des Menschen unabhängig von Krankheit und Schwachheit bis zum Schluss bestehen bleibt. Zudem gibt es nicht nur Gläubige und Ungläubige, sondern dazwischen alle möglichen Schattierungen.

Manche Artikel wirken etwas fachspezifisch?

Wir wollten das Thema nicht nur oberflächlich abhandeln, es ist kein Schwarz-Weiss-Thema. Ausserdem beschäftigt die Frage des begleiteten Suizids auch Fachleute. Zur Vernissage am Freitag haben sich über 200 Besucher angemeldet, vor allem aus dem ärztlichen, pflegerischen und seelsorgerischen Umfeld. Es gibt aber nicht nur Fachartikel, sondern viele sehr berührende persönliche Berichte.

Das Buch trifft also einen Nerv?

Das wird sich zeigen. Wir wollen im Anschluss sogenannte «Letzte Hilfe»-Kurse anbieten. Gedacht für Menschen, die Scheu haben, jemanden beim Sterbeprozess in den letzten Wochen und Tagen zu begleiten. Die Idee stammt aus Deutschland. Wir sind gespannt, wie das ankommt.

Warum sollte ein Mensch, der nicht an Gott glaubt, sein Leben bis zu Ende leben, wenn es nur noch Leid und Schmerz bedeutet?

Weil auch die letzte Etappe des Weges noch bereichernd sein kann. Weil es vielleicht noch Gespräche gibt, die es sonst nicht gegeben hätte, Versöhnung, oder auch eine bisher nicht gekannte Nähe. Die Erfahrungsberichte im Buch zeigen das sehr eindrücklich. Vieles würde fehlen, wenn man diesen Weg abkürzt.

Aber Sie können verstehen, dass Menschen keinen anderen Ausweg sehen?

Das kann ich und das ist mir ganz wichtig. Niemand weiss, wie er selber in einer extremen Situation reagiert. Das Buch soll keine Standpauke sein, sondern eine Art Zweitmeinung, wie man sie vielleicht vor einer Operation einholt. Es geht um viel; es geht buchstäblich um Leben und Tod.

Lebendigkeit erfahren in der letzten Lebensphase

Das Buch «Den Weg zu Ende gehen» ist ab 1. September über den Verein tecum erhältlich. www.vereintecum.ch unter tecum.kiosk. Es kostet 18 Franken. Es enthält Fachbeiträge und Testimonials zur Selbstbestimmung am Lebensende. (red)

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