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Esoterikstar Christina von Dreien ist volljährig - und kämpft mit einer Verschwörungstheorie gegen 5G

Der Toggenburger Esoterikstar Christina von Dreien ist 18 geworden. Als Vereinspräsidentin plant sie die Gründung einer eigenen Schule. Und sie engagiert sich mit verschwörungstheoretischen Aussagen gegen 5G.
Katharina Brenner
Christina von Dreien ist ein Pseudonym. Den bürgerlichen Nachnamen teilt sie mit ihrer Mutter Bernadette Meier. (Bild: Beat Lanzendorfer, 3. Juli 2017)

Christina von Dreien ist ein Pseudonym. Den bürgerlichen Nachnamen teilt sie mit ihrer Mutter Bernadette Meier. (Bild: Beat Lanzendorfer, 3. Juli 2017)

Individueller und kollektiver Friede – das hat der Verein für herzbasiertes Lernen zum Ziel. Er ist Träger von Christina von Dreiens Projekten im Bildungsbereich. Seit Kurzem ist die Toggenburgerin volljährig – und Präsidentin des Vereins sowie Geschäftsführerin der Christina von Dreien GmbH.

Von Dreien, die mit bürgerlichem Namen Meier heisst, bezeichnet sich als Teil einer Gruppe von Kindern aus höheren Sphären und prophezeit eine gerechtere Welt. Damit füllt sie ganze Säle, für fast 200 Franken pro Eintritt.

Der Verein für herzbasiertes Lernen setzt sich für eine Gesetzesänderung ein, die «unentgeltliche freie Bildungswahl ermöglicht». Suizidgefahr, Burnout und Kinder auf Ritalin listet er als «Facts» des Bildungssystems auf. Gemäss Homepage bezweckt er die Gründung und das Betreiben «einer oder mehrerer Schulen nach den Grundsätzen des Neuen Lernens». Die «Schule Herzbasis» sei «komplett altersdurchmischt», es gebe weder Lernziele noch vorgegebene Gruppen oder erzwungene Tests.

Pädagogisches Konzept in Nähe der Lais-Schulen

Georg O. Schmid, Leiter der Evangelischen Informationsstelle Kirchen-Sekten-Religionen Relinfo, verortet die pädagogischen Ideen in der Nähe des Konzepts der Lais-Schulen. Demnach ist alles Wissen bereits im Kind vorhanden. Es muss nur noch frei gelegt werden.

Die Lais-Pädagogik wird von der Anastasia-Bewegung inspiriert. Die Fachstelle Infosekta stuft diese als «problematisch und sektenhaft» ein. In den Anastasia-Büchern finden sich rassistische und antisemitische Ideen. Sektenexperte Hugo Stamm wirft dem ehemaligen Gassenmönch Beno Kehl vor, er mache Werbung für die Bewegung. Kehl hat Strafanzeige eingereicht.

Anfragen bleiben unbeantwortet

Wie weit die Pläne für die «Schule Herzbasis» gediehen sind, ist unklar. Auf Anfragen unserer Zeitung hat von Dreien nicht reagiert. Ihre Mutter Bernadette Meier, die mit zwei Büchern über ihre Tochter für deren Erfolg massgeblich verantwortlich ist, lässt wissen, dass Christina «den unzähligen Interviewanfragen» im Moment «keine Priorität» einräume.

Gemäss Internetseite des Vereins steht dessen Steuerbefreiung noch aus. Felix Sager, Leiter des kantonalen Steueramts, kann dazu keine Stellung nehmen. Er sagt aber: «Esoterische Vereinigungen erfüllen die Voraussetzungen, um als Religion und damit als zufolge Kultuszwecks steuerbefreiungswürdig qualifiziert zu werden, grundsätzlich nicht. Ihr Inhalt ist regelmässig nicht die Vermittlung eines bestimmten Glaubens, sondern einer Weltanschauung.»

Ein Zentrums-Leiter und eine Therapeutin

Gründungsmitglieder des Vereins für herzbasiertes Lernen sind Emmanuel Steiger und Nicola Good. Steiger wirkt seit den Neunzigerjahren auf dem Schweizer Esoterik-Markt mit und im Zentrum der Einheit Schweibenalb am Brienzersee seit einigen Jahren als Leiter.

Nicola Good aus Krummenau ist als Therapeutin und Coach tätig und Sprecherin der Hörbuchfassungen der beiden «Christina»-Bände. Zum Stand des Schulprojekts will sich Good nicht äussern. Nur so viel: Christina von Dreien werde zum entsprechenden Zeitpunkt auf die Medien zugehen. Bildung sei ihr ein grosses Anliegen, aktuell hätten sich aber «andere Projekte in den Vordergrund gedrängt».

Kampf gegen schnelle Funktechnik

Eines dieser Projekte dürfte der Kampf gegen 5G sein. Am 19. Mai organisiert von Dreien «mitten in Bern» einen Flashmob. Das Thema der kurzen Menschenansammlung: «Stopp 5G». In ihrem Newsletter nennt von Dreien 5G «eine sehr ernste Gefahr für uns alle». Es sorge für Krankheiten und Probleme wie zum Beispiel Krebs, Schlafstörungen und Schwindelanfälle. 5G zerstöre das Immunsystem der Bäume, «so dass diese alle absterben». Das gilt als nicht belegt.

Die Weltgesundheitsbehörde WHO bewertet hochfrequente Mobilfunkstrahlung als «möglicherweise krebserregend». Das bedeutet, dass sich eine krebserregende Wirkung derzeit zwar nicht ausschliessen lässt, es aber auch keine Beweise für diese Gefahr gibt.

Weiter schreibt von Dreien:

«5G hat die Fähigkeit, Gedanken, Emotionen, Handlungen und Körperfunktionen von Menschen und Tieren zu manipulieren, so dass sich die Menschen so verhalten wie von denen gewünscht, die die Fäden ziehen auf diesem Planeten.»

Damit impliziert sie eine Verschwörung. Wer diese Fädenzieher sein sollen, sagt sie nicht.

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