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Interview

Stefan Kölliker zur neuen Fachhochschule OST: «Es wird Reibereien geben»

Die St.Galler Regierung hat sich mit der Zusammenlegung der Fachhochschulen eine Mammutaufgabe vorgenommen. Bildungschef Stefan Kölliker will noch weitergehen und alle Hochschulen zur Zusammenarbeit verpflichten – auch die HSG.
Andri Rostetter, Regula Weik
«Die anderen Fachhochschulen starteten durch, unsere stagnierten»: Stefan Kölliker. (Bild: Benjamin Manser)

«Die anderen Fachhochschulen starteten durch, unsere stagnierten»: Stefan Kölliker. (Bild: Benjamin Manser)

Das Rektorat der Ostschweizer Fachhochschule OST wird in Rapperswil sein. Das löste Kritik aus. Ist es tatsächlich der richtige Entscheid?

Stefan Kölliker: Ja, natürlich.

Weshalb?

Es ist ein regionalpolitischer Entscheid der Trägerkonferenz. Dazu stehen wir auch.

Auf Druck des Linthgebiets?

Nein. Das Ganze hat auch eine psychologische Komponente.

Welche?

Die Regierung hat darauf zu achten, dass alle Regionen im Kanton möglichst ausgeglichen berücksichtigt werden. Der Standortentscheid für das Rektorat der OST ist ein solcher Entscheid. Er hat absolut keine negativen Auswirkungen auf die Entwicklung der Schule und ist im Übrigen gar nicht so ausserordentlich: Der Sitz der Fachhochschule Westschweiz ist in Delsberg und nicht in Lausanne oder Genf.

Der Rektor der Fachschule St.Gallen, Sebastian Wörwag, kritisierte, die Debatte werde zu stark regionalpolitisch und zu wenig bildungspolitisch geführt.

Das traf in der Vergangenheit zu. Das haben wir überwunden, nicht zuletzt mit der klaren Zuordnung der Departemente.

Dennoch: Die Debatte hat unter anderem dazu geführt, dass Wörwag den Hut nimmt.

Ich will seine Aussagen nicht kommentieren.

Wieso nicht?

Ich bin nicht Präsident des Hochschulrats der FHS. Es ist nicht an mir, dazu Stellung zu nehmen.

Wörwag war eine profilierte Stimme. Bedauern Sie seinen Abgang?

Wie gesagt: Ich kommentiere das nicht.

Der Bildungsstandort St.Gallen wird durch den Standortentscheid für das Rektorat nicht geschwächt?

Nein. Wir müssen weiter denken, über die Fachhochschulen hinaus. Es geht um den gesamten Hochschulraum Ostschweiz, inklusive Universität und Pädagogische Hochschule. Dann ist es wirklich nicht relevant, ob der Sitz der OST in Rapperswil, St.Gallen oder sonst wo ist. Die Fachhochschule steht vor ganz anderen Herausforderungen.

Welchen?

Unsere Fachhochschulen haben in den vergangenen zehn Jahren massiv Marktanteile verloren. Die anderen Fachhochschulen in der Schweiz starteten durch, unsere stagnierten. Diesen Rückstand wollen wir aufholen.

Wie denn? Die neue Ostschweizer Fachhochschule ist nur ein kleiner Player im Schweizer Bildungsmarkt.

Wir werden die klassischen Informatikstudiengänge von Rapperswil zusätzlich auch in St.Gallen anbieten. Wir müssen dafür in St.Gallen nichts Neues aufbauen. Wir transferieren einfach das Know-how von Rapperswil nach St.Gallen.

Und gewinnen so zusätzliche Studierende?

Genau. Und das Angebot ist erst noch relativ günstig umzusetzen. Heute bezahlen wir für auswärts Studierende, so auch für jene Ostschweizer, die in Zürich Informatik studieren. Wenn wir sie künftig hier behalten können, sparen wir die Transferzahlungen in andere Kantone.

Gibt es umgekehrte Überlegungen, St.Galler Studiengänge in Rapperswil anzubieten?

Ja.

Welche?

Wir bieten künftig auch Wirtschaft in Rapperswil an, mit dem Know-how der Fachhochschule St.Gallen. Wir rechnen mit 300 Studierenden allein aus dem Linthgebiet sowie den Kantonen Schwyz und Glarus. Wenn es gelingt, auch Zürcher Wirtschaftsstudierende zu holen, wird Rapperswil zahlenmässig einen gewaltigen Sprung machen. Heute zählt die Schule 3500 Studierende, künftig dürften es bei der OST 5000 sein.

Ist das nicht etwas hoch gegriffen?

Keineswegs. Heute sind 50 Prozent der Studierenden in Rapperswil Zürcher. Man rechne.

«Wir bieten die Studiengänge Wirtschaft künftig auch in Rapperswil an»: Stefan Kölliker. (Bild: Benjamin Manser)

«Wir bieten die Studiengänge Wirtschaft künftig auch in Rapperswil an»: Stefan Kölliker. (Bild: Benjamin Manser)

Die Thurgauer wünschen sich eine Filiale der Fachhochschule in ihrem Kanton. Haben Sie ihnen schon etwas versprochen?

Wir prüfen bereits einiges. Eine Erweiterung ist ein Thema, neue Studiengänge ein anderes. Ein Ort, der sehr attraktiv werden wird, ist Wil West. Warum nicht dort gemeinsam mit dem Thurgau etwas anbieten? Ich bin da sehr offen. Darüber entscheiden werden der neue Hochschulrat und das neue Rektorat. Ich persönlich werde keinen Einsitz mehr im neuen Hochschulrat haben.

Ab heute hätte das St.Galler Parlament den Bericht zur neuen Fachhochschule beraten sollen. Nun werden Nachbesserungen verlangt. Wurde bei der Vorlage gepfuscht?

Die vorberatende Kommission stellt gewisse Fragen, die wir heute noch nicht beantworten können. Hinzu kommt: Wir wählen noch diesen Monat den neuen Rektor oder die neue Rektorin; diese Person soll möglichst rasch einbezogen werden. Und ab 1. Januar 2020 nimmt der neue Hochschulrat seine Aufgabe auf. Auch seinen Entscheiden soll nicht vorgegriffen werden.

Im Sommer die parlamentarische Beratung, im November die Volksabstimmung: Sind die bemängelten Ungenauigkeiten dem Zeitdruck geschuldet?

Nochmals: Wir arbeiten seriös und genau. Die neue Fachhochschule muss bis Ende 2022 ihre Strukturen bereinigt haben. So verlangt es der Bund. Wir sind im Zeitplan. Die Schule wird im Herbst 2020 operativ starten.

Die Kommission wirft Ihnen vor, Personal- und Finanzfragen zu wenig genau geklärt zu haben.

Es ist legitim, dass das Parlament konkrete Zahlen fordert. Der Kanton St.Gallen übernimmt bei der neuen Ostschweizer Fachhochschule den Lead. Damit steigt auch die Verantwortung des Parlaments, nicht zuletzt die finanzielle. Trotzdem können wir gewisse Zahlen heute noch nicht liefern.

Das Problem sind unterschiedliche Löhne und Anstellungsbedingungen an den drei Schulstandorten.

Das neue Personalreglement tritt am 1.  Januar 2021 in Kraft. Für die Verträge bisheriger Mitarbeitender gilt eine Übergangsfrist. Ab Herbst 2023 gelten für sämtliche Mitarbeitenden der neuen Fachhochschule dieselben Anstellungsbedingungen.

Professoren der HSG stehen wegen ihrer Nebentätigkeiten in der Kritik. Wie vermeiden Sie solche Probleme an der neuen Fachhochschule?

Wenn wir einen gemeinsamen Hochschulraum anstreben, werden Standardisierungen notwendig. Die heutigen, je nach Hochschultyp unterschiedlichen Regelungen müssen harmonisiert werden. Kurz: Das Personalreglement der neuen Fachhochschule kann im Grundsatz für alle Hochschulen gelten. Wenn eine Hochschule abweichende Regelungen wünscht, muss sie diese begründen.

Personalreglemente lassen sich einfach standardisieren. Schwieriger wird es beim Selbstverständnis der einzelnen Hochschulen.

Ja, das sind Prozesse, die sich über drei, vier Jahre hinziehen werden. In dieser Zeit wird es Unzufriedenheiten, Reibereien und Konflikte geben, weil sich Leute benachteiligt fühlen, weil Königreiche angetastet werden. Damit müssen wir umgehen können. Wenn es gelingt, dann ist es eine einmalige Chance für sämtliche Hochschulen im Kanton.

Was meinen Sie konkret?

Wir wollen, dass sämtliche Hochschulen – Fachhochschulen, Universität, Pädagogische Hochschule – vermehrt an gewissen Themen gemeinsam arbeiten. Wir wollen so den Hochschulstandort Ostschweiz als ganzen stärken.

Wie soll das in der Praxis aussehen?

Ein Thema, das auf der Hand liegt, ist die Digitalisierung. Künftig kann das nicht mehr jede Schule für sich allein angehen. Das ist schlicht zu teuer. Dasselbe gilt für die Internationalisierung. Heute ist die HSG international unterwegs, die Fachhochschulen sind es, die Pädagogische Hochschule ebenfalls. Wir müssen diese Aktivitäten bündeln und vermehrt gemeinsam auftreten. Als Hochschulraum St.Gallen mit 15 000 Studierenden, einer halben Milliarde Budget und 5000 Mitarbeitenden gewinnen wir an Gewicht – national wie international.

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