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«Es war falsch verstandene Tierliebe»: Nach einer Wohnungsräumung in St.Gallen suchen 40 Katzen ein neues Zuhause

Das St.Galler Veterinäramt hat nach einem Hinweis aus der Bevölkerung eine Wohnung mit rund 40 Katzen geräumt. Die Tiere seien aber in einem äussert guten Zustand, sagt Heinz Staub vom Tierheim Sitterhöfli in Engelburg.

Tim Naef
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Das Veterinäramt St.Gallen hat mit der Stadtpolizei am Donnerstag bei einer Zwangsräumung 40 Katzen aus einer Wohnung in St.Gallen geholt. «Es gab einen Hinweis aus der Bevölkerung, dass in einem Haushalt in St.Gallen mehrere Dutzend Katzen leben würden», sagt Albert Fritsche, Kantonstierarzt des Kantons St.Gallen, auf Anfrage.

Vor Ort fanden die Mitarbeiter des Veterinäramts schliesslich über 40 Katzen vor. Die Tierhalter hätten schlicht den Überblick über ihre Katzen verloren, so Fritsche. Es habe eine unkontrollierte Vermehrung stattgefunden. Deshalb habe das Veterinäramt eingreifen müssen. Fritsche sagt:

«Tierhalter sind gemäss der Tierschutzverordnung verpflichtet, eine unkontrollierte Vermehrung zu verhindern.»

Deshalb habe auch ein Verfahren eingeleitet werden müssen. Ob die Halter mit einem Tierhalteverbot belegt werden, wird zurzeit von den St.Galler Behörden abgeklärt.

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Michel Canonica

Zwei bis drei solcher Fälle pro Jahr

Wohnungsräumungen mit Tieren stellen die St.Galler Behörden regelmässig vor Herausforderungen. Durchschnittlich müssen laut Fritsche zwei bis drei Haushalte pro Jahr mit so vielen Tieren geräumt werden. «Das stellt alle Beteiligten vor eine grosse Herausforderung, vor allem wenn die Katzen scheu und die Tierhalter nicht kooperativ sind», sagt Fritsche.

Material wie Kescher und Transportkörbe müssten bereitgestellt werden. «Mit ruhigem Anlocken wird dann versucht, die Tiere aufzunehmen und in die Transportboxen zu sperren.» Zudem müsse auch ein Tierheim gefunden werden, welches für so viele Tiere eingerichtet ist.

Falsch verstandene Tierliebe

Die Katzen wurden schliesslich vom Veterinäramt ins Tierheim Sitterhöfli in Engelburg gebracht. «Das letzte Mal, als wir so viele Katzen auf einmal bekommen haben, war vor rund 15 Jahren. Damals waren es über 50 Tiere», sagt Geschäftsführer Heinz Staub. Es sei deshalb schon etwas Spezielles gewesen, als er von der Anzahl Katzen erfahren habe.

Heinz Staub ist Geschäftsführer des Tierheims Sitterhöfli.

Heinz Staub ist Geschäftsführer des Tierheims Sitterhöfli.

Coralie Wenger

«Obwohl die Tiere von einer Wohnungsräumung stammen, sind sie in einer sehr guten Verfassung», betont Staub. Die vorherigen Besitzer hätten äusserst gut zu den Katzen geschaut, sie seien mit sämtlichen Tieren wenn nötig beim Tierarzt gewesen. «Das sind keine bösen Menschen. Im Gegenteil. Es war schlicht falsch verstandene Tierliebe.»

Dass die Vierbeiner nicht kastriert wurden, sei eigentlich das einzige Problem gewesen. So seien immer neue dazugekommen. «Irgendwann waren die Halter wohl einfach überfordert», so Staub.

«Alle Tiere sind gesund und munter»

Nun geht es darum, für die rund 40 Katzen ein neues Zuhause zu finden. Das Tierheim hofft, dass alle Tiere in den nächsten Tagen vermittelt werden können. «Die Katzen sind alle gesund. Bis auf die Jungtiere könnte man deshalb sämtliche Tiere ab sofort abholen», sagt Staub. Sofern sich die Interessenten als geeignet herausstellen würden.

Rund 40 Katzen suchen wegen einer Wohnungsräumung im Raum St.Gallen ein neues Zuhause.

Rund 40 Katzen suchen wegen einer Wohnungsräumung im Raum St.Gallen ein neues Zuhause.

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In dem Sinne sei es eine gute Zeit, da die Nachfrage für Haustiere doch gross sei. «Das hat mit Corona zu tun», so Staub. Ostschweizerinnen und Ostschweizer würden dieses Jahr kaum in die Ferien gehen, hätten deshalb Zeit und vor allem auch das Bedürfnis nach einem Haustier.

Dies spüre das Tierheim Sitterhöfli seit Ausbruch der Coronapandemie stark. «So haben wir natürlich genügend Platz für die 40 Tiere», so Staub. Normalerweise hätten sie nämlich 50 Hunde und 50 Katzen in den Sommerferien. Zurzeit sei höchstens die Hälfte des Platzes belegt. Staub sagt:

«Das Wichtigste ist jetzt aber die Platzierung der Vierbeiner.»

Wer wirklich Interesse habe, einen der Vierbeiner zu adoptieren, solle sich doch direkt per Telefon beim Tierheim melden.

Hinweis

  • Haben Sie Interesse an einer oder an mehreren Katzen? Melden Sie sich direkt beim Tierheim Sitterhöfli, unter der Nummer: 071-278-19-28.
  • Weitere Informationen finden Sie unter: www.sitterhoefli.ch
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